Sie sind hier: PLATTEN.KISTE D E F

Dakota Suite

Waiting for the dawn to crawl through and take away your life (2007)
Diese CD war die Sonderbeilage zum Magazin "Schöner Sterben". Die Songs tragen hoffnungsfrohe Titel wie "Over a loveless winter" oder "All your hopes gone cold". Die spärlichen Arrangements verwandeln einen herbstlichen See in Zeitlupe allmählich in eine Eisfläche - man kann hörenden Auges dabei zusehen, und zwar von unten.
Der Schlagzeuger ist eine ganz arme Sau - er darf nur die Besen benutzen, seine Snare muß wie eine Speckschwarte glänzen. Nur bei 2 Stücken gewährt man ihm seine Drumsticks, und gleich klingt es mit angejazztem Touch ein wenig nach den späten Talk Talk. In "All your hopes..." hat er fast so etwas wie ein Drumsolo - ein ungeheuer packendes Melodram, bei dem sich im Schlußteil gar die Gitarren gegenseitig aufbäumen, bis das Crescendo plötzlich mittendrin abreißt, vermutlich weil man derart angetan unterm Eis vergessen hat zu atmen. Dies ist das Faszinosum dieses Albums - daß es wie ein Soundtrack zum tristen Novemberwetter klingt, nein, viel eher: sobald "Waiting for the dawn..." läuft, wird es schlagartig November.

Danger Mouse & Sparklehorse

Original und Fälschung (Toff stellt Plattencover nach)

present... Dark Night of the Soul (2009/2010)
Zunächst verhindert die EMI die Veröffentlichung dieses Who-is-Who-Projektes der Indie-Szene, dann befördern sich die Kollaborateure Mark Linkous alias Sparklehorse und Vic Chesnutt verkaufsfördernd ins Jenseits, so daß selbst die skrupellose Plattenindustrie plötzlich einen Marktwert in diesem eklektizistischen Werk erkennt, an dem auch Kultregisseur David Lynch maß- (und mit Sicherheit auch Titel-)gebend beteiligt ist. Und Julian Casablancas (The Strokes). Und Wayne Coyne (The Flaming Lips), Jason Lytle (Grandaddy), James Mercer (The Shins), Iggy Pop und und und. Viele Köche. Der Brei schmeckt in der ersten Hälfte unwiderstehlich, eine surreale Saucière, obenauf schwimmen Black Francis' Fettaugen (das von ihm zersungene "Angel's Harp" ist sensationell)! 7 Songs, 7 verschiedene Stile, alles zusammengehalten von Danger Mouse's Störgeräuschen. Und dann brennt der Brei an, der Rest des Dunkelwerkes wird zum kaum genießbaren Einheitsbrei, zusammengehalten von Danger Mouse's Störgeräuschen, nicht einmal Suzanne Vegas Zuckerwattenstimme wirkt da geschmacksverstärkend. Erst zum Schluß evoziert David Lynch mit dem verhuschten Titelstück dräuende Twin Peaks-Reminiszenzen. Also zurück durch die dunkle Nacht, vorbei an den Gräbern von Linkous und Chesnutt, zu Song Nr. 1.
Im übrigen empfehle ich von Danger Mouse dessen jüngstes Teamwork: Broken Bells ist definitiv das bessere Album.

Das gezeichnete Ich

Das gezeichnete Ich (2010)
Wenn der jüngst ausgetragene Raab'sche Bundesvision Song Contest ein Spiegelbild der Popmusik aus deutschen Landen ist, dann brauchen wir uns momentan nicht zu verstecken. Von den vielen überzeugenden Darbietungen blieb insbesondere der Auftritt des anonymen Künstlers mit dem Moniker Das Gezeichnete Ich gnadenlos im Ohr hängen. Wem Du, Es +Ich gefallen hat, wird von der Opulenz und perfekten Produktion dieses Debütalbums zunächst einfach mal so eben überwältigt sein. Let's Klotz, not klecker! Der Musiker, der seinen Namen verschweigt und auf den stilvollen Bookletfotos Handschuhe trägt, als scheue er sich, Fingerabdrücke zu hinterlassen, singt mit glasklarer Stimme, die irgendwo zwischen Krumbiegel und Distelmeyer schwingt, stilsicher und mit entwaffnender Offensivität auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch und erzeugt mit High ganz nebenbei den schillerndsten deutschen Popsong des Jahres.

Dawes

Nothing Is Wrong (2011)
Americana - klingt einfach besser als Country-Music, nicht so muffig, ledrig, lagerfeurig.
Und doch ist dieses zweite Album der Dawes (erinnert ihr euch im Politikunterricht an den gleichnamigen Plan?) das schönste Country-Album des Jahres, eines allmählich aufwachenden Jahres 2011, das schlafmützig den nicht vorhandenen Sommer verpennt hat. Der junge Jackson Browne dringt durch sämtliche Poren, so mein erster Höreindruck. Ich sage aber auch The Band. Jayhawks. Neil Young.
Doch die Dawes klingen melodiesüffiger als die vorgenannten. Und vielseitig sind sie: Songwriter Taylor Goldsmith hat ja quasi schon zwei Berufe im Namen. Daß es unter den elf Songs keinen einzigen Ausfall gibt, ist für mich ein Novum in diesem Genre. Der Titel stimmt also - Nothing is wrong! Und mit den elegischen und mit beseelten Gitarrensoli ausstaffierten "My Way Back Home" und "Fire Away" gelingen den Dawes zwei Songs, die das Jahrzehnt überdauern werden.

Killer Track: Fire Away

The Decemberists

The Hazards of Love (2009)
Wir müssen über Äste reden. Denn die sind auf dem Cover. Über junge Frauen, die sich in Waldwesen verlieben (und hoffentlich nie den Twilight-Mist gesehen haben). Über mehrteilige Suiten, jene unter Artenschutz stehende und vom Auslachen bedrohte Spezies.
Auf meinem Lieblingssender RADIO PARADISE habe ich neulich einen 20-minütigen (!) Ausschnitt aus The Hazards of Love gehört und war restlos fasziniert, nicht nur, weil das noch nicht mal die Hälfte dieses Songzyklus war. Darf man das Folk-Rock-Oper nennen, ohne gesteinigt zu werden? Tatsächlich zaubern Colin Meloys Decemberists aus Oregon eine 58-minütige Suite mit vielen in- und auseinanderfließenden, z.T wiederkehrenden Themen, die sich wie die Bäume auf dem Cover verästeln. Die anmutigen Frauenstimmen stammen von Becky Stark und Shara Worden, die die Story um die schicksalhafte Liebe Margarets zu einem im Wald lebenden Gestaltenwandler gesanglich vertiefen. Das reichhaltige Instrumentarium mit Dulcimer, Banjo, Kontrabass, Violinen, Spinett, Bouzouki, Pedal Steel und Akkordeon kann nicht verhindern, daß die Band zwischendurch auch mal kräftig hinlangt.
Also wenn schon Konzeptalbum mit gefährlicher Nähe zum Progressivem, dann bitte genau SO - mit Songs wie The Prettiest Whistles Won't Wrestle the Thistles Undone kann ein mieser Tag gerettet werden. Ein Geheimtipp - absolute Empfehlung toffseits!

Destroyer

Kaputt (2011)
Nomen non est Omen. Aber okay: der Bandname ist bescheuert. Und der Albumtitel macht es einem auch nicht leichter. Hinter Destroyer versteckt sich Dan Bejar (von den New Pornographers) und serviert dezent angejazzten elektronischen Synthie-Pop, wie frisch aus den 80ern geschlüpft. Man erahnt die Pet Shop Boys, Michael Franks (falls den noch jemand kennen sollte), gut gelaunte Steely Dan und Prefab Sprout in Spurenelementen. Das ist stets anspruchs- und geschmackvoll und doch fluffig, naschhaft und süß wie ein Fruchtzwerg, "verführerisch eleganter Edel-Pop mit artifiziellem Kitsch-Faktor und dem Potenzial zur Weltverschönerung" (Motor.de), Musik fürs Sonnendeck. Der Bonustrack The Laziest River, der sich allmählich aus wohligen Ambient-Wölkchen herausschält, mäandert zum Ende der CD über schlappe 19:59 Min. Nur um dann noch vom 11-minütigen Bay of Pigs gefolgt zu werden. Das ist nun wirklich völlig... kaputt.

Devotchka

How It Ends (2007)
Manchmal bedarf es einer Musik, die zeigt, was man alles zwischen den Tönen machen kann! Unglaublich, welche Filme vor meinem geistigen Auge ablaufen, wenn DeVotchKa läuft - sei es ein böhmisches Kasperletheater, das Dracula aufführt oder eine mexikalische Blaskapelle, vor der deine Hochzeitstorte davonschmilzt. Alleine das 7-minütige Titelstück ist ein akustisches Pflaster für alle Schürfwunden, die der Tag auf deiner Seele hinterlassen hat. Wenn Nick Urata zu schmachten beginnt, bleibt keine Geige trocken! Eine neue Weltmusik macht sich breit, die Brücken schlägt zwischen Balkan, Pampas und Mexiko, aber selten klingt sie so wohltuend sonnendurchflutet wie auf "How it ends", wo uns das quirlige Quartett mit Tuba, Bouzouki, Trompeten und Akkordeonen den Marsch bläst. Das aktuelle Album wurde bereits 2004 veröffentlicht und fand erst jetzt einen Vertrieb für den europäischen Markt. Wie beschissen genial muß denn heutzutage Musik noch sein, um überhaupt veröffentlicht zu werden?!?!? ...raunt kopfschüttelnd der Mariachi und reitet in die rote Abendsonne.

DeVotchKa gestalteten mit Songs aus "How it ends" den Soundtrack zu LITTLE MISS SUNSHINE

Ani DiFranco

Which side are you on? (2012)
Orthodoxe Rock-Hardliner werden ein Ani DiFranco-Album wie der Teufel das Weihwasser meiden. Und ganz schön was verpassen. Angela Marie DiFranco, Jahrgang '70, steht für politischen Aktionismus und Emanzipation, macht aber trotzdem ganz formidable Musik. Das "trotzdem" steht da für die Chauvis unter uns. Ihr 17. Studioalbum (!) klingt viel milder, als ich mir Anis (schöner Genetiv!) Musik vorgestellt hatte, lediglich der überlange Titelsong haut dermaßen auf die Pauke, daß es eine Wonne ist! Die Arrangements sind durchweg zurückhaltend-grandios, und was sie für eine vertrackt-geniale Gitarristin und Sängerin ist, beweist sie ganz beiläufig in Unworry, meinem Lieblingssong. Der balzende Pfau auf dem Cover bleibt mir jedoch ein Rätsel...

Ilja Richters Disco

40 Jahre Disco: Jubläums Edition [4 DVDs] (2011)
DISCO war die Bravo der Musiksendungen (ohne Dr. Sommer, versteht sich). Licht aus, Spot an - natürlich ist es amüsant, diese vier DVDs (wieder)zusehen. So amüsant wie Fremdschämen halt mal ist: grauenerregende Frisuren, verbotene Outfits, augapfelbeleidigende Bühnenklamotten, Playbackorgien vor stocksteifem Publikum. Disco ... wir hatten ja nichts anderes, sind damit groß geworden, irgendwie. Armes Deutschland, welch rockmusikantisches Brachland, was mußten wir alles ertragen, um unsere Stars zu erleben! Teenage Wasteland - um Pete Townshend mal zu zitieren. Der Rockpalast war noch Lichtjahre entfernt (und eh ein singuläres Phänomen). Unfassbar, welche Narrenfreiheit Ilja Richter zu jener Zeit genoß. Seine schwiegermutterbiederen Sketche und Moderationen waren damals schon entsetzlich peinlich - und sind es beim Wiedersehen immer noch. Diese Art von öffentlich-rechtlichem Geschmacksfaschismus (der als Spiegel der Gesellschaft taugt und u.a. die Gründung der R.A.F. erklärt) nennen wir heute KULT. Diese 4 DVDs versammeln Auftritte und Sketche aus den Jahren '71-'82, und obwohl kurioserweise viele stilprägende Dauergäste fehlen - wo sind T. Rex, Abba, Sweet, Gary Glitter oder Status Quo, wenn man sie braucht? - komme ich aus dem Grinsen nicht mehr raus.

Does it offend you, yeah?

You have no idea what you're getting yourself into (2008)
Du hast nicht die geringste Ahnung, auf was du dich hier einlässt - genau wie es der Albumtitel verspricht, von daher kann dir dieser vornehmlich raue, halsbrecherische Cocktail leicht die Hypophyse zerschütteln: Elektro-Punk trifft auf Indie-Rock, mischt sich mit Heavy Disco; quietschfidele Zappelbunker-Stampfer mit schrägen Synthies aus der (Kla)Mottenkiste treffen auf wavige Pop-Songs. Ein Debütalbum mit weird Disco-Songs, die garantiert NIE in einer Disco aufgelegt werden. Das britische Quartett gewann völlig zurecht den Guardian Unlimited Award in der Kategorie Worst Band Name und wurde bislang durch Remixe für Muse, Bloc Party und The Raconteurs bekannt. Einigermaßen zumindest. Aber auch eigene Songs mit Titeln wie “Being Bad Feels Pretty Good”, “Dawn Of The Dead” oder “Attack Of The 60 Foot Lesbian Octopus“ verdienen uneingeschränkte Aufmerksamkeit.

Dry The River

Shallow Bed (2012)
Das Leben ist zu kurz, um langweilige Musik zu hören.
Keine drei Minuten dauert der Opener Animal Skins - und schon weiß man, wo der Hammer hängt, denn hier gibt es geballt ALLES, was moderne Rockmusik an Wucht, Spannung und Leidenschaft aufbieten kann. Vom brachialen Einstieg über das pastorale Bible Belt bis hin zum grandiosen Ghosttrack Family spielt das Londoner Quintett DRY THE RIVER muskulösen NeoFolk/ArtRock amerikanischer Prägung (irgendwo zwischen Fleet Foxes und Pavlov's Dog), hin und wieder gemahnen Stimme und Violine an Dexy's Midnight Runners oder "an eine bombastische Variante der Hothouse Flowers" (Eric Brill), man hört "reihenweise schlicht sensationelle Songs", die z.T. mit einer an Kitsch grenzenden Vehemenz vorgetragen werden, daß es eine wahre Freude ist. Die beunruhigende Naturgewalt des Haifisch-Covers setzt sich im Booklet fort und spiegelt sich in der Intensität der Musik wider.

Duffy

Rockferry (2008)
Nicht Winehouse, nicht MacDonald, DUFFY ist die Amy des Jahres! Die Waliserin schenkt uns mit „Mercy“ einen (vom Formatradio zu Tode genudelten) zeitlosen Sirenenhit, der auf „Rockferry“ sogar noch getoppt wird, z.B. vom traumhaften „Warwick Avenue“. Anders als die andere neue Wunderröhre Adele Adkins (19), die mit dem hochgradig ergreifenden "Chasing Pavements" eine der tollsten Singles des Jahres fabriziert und sich wesentlich zurückgenommener präsentiert, begegnet uns Aimee Ann Duffy (23) als Wiedergeburt Dusty Springfields mit mächtigen Arrangements, die perfekte Illusion enes Swinging London mit Zitaten und Querverweisen en masse. Nichts an dem drei Jahre lang geformten Werk "ist neu, kühn, aufregend oder gar überraschend - außer vielleicht der schlichten Tatsache, daß es trotz des eklatanten Mangels an Originalität ganz wunderbar unterhält" (Spex). Und das über viele Monate hinweg.

Elbow

Build a Rocket Boys! (2011)
Manchester! England! Die beste Rockmusik kommt eben von der Insel, dieser hartnäckigen Meinung bin ich schon seit Jahrzehnten! Nun hat das Quintett um Sänger Guy Garvey wohl schon mehrere bahnbrechende Alben abgeliefert (z.B. The Seldom Seen Kid, 2008), mein Einstieg in die Welt von ELBOW (dem angeblich am sinnlichsten auszusprechenden Wort der englischen Sprache) jedoch war der Song The Birds - der achtminütige Opener von Build a Rocket Boys, dessen Ästhetik, Dramaturgie, Klang-Architektur und ungewöhnlicher Spannungsbogen schlichtweg überwältigend ist; der bislang brillanteste Song des Jahres. Melancholie und Erhabenheit. Eleganz und Größenwahn. Das Korsett ist oftmals etwas eng geschnürt, man wünscht sich vielleicht den ein oder anderen Ausbruch, aber weitere Songperlen wie Lippy Kids, With Love, High Ideals oder Open Arms lassen ansatzlos mein britisches Herz höher schlagen.

Elbow

The Take Off and Landing of Everything (Album des Jahres 2014)
Elbow sind Architekten des Wohlklangs. Und wie so oft kommt dieser aus England. Manchester, genauer gesagt. Guy Garveys Stimme, die gespenstisch an Peter Gabriel gemahnt, schwebt über allen geschmackvoll-reduzierten Arrangements, die mitunter so reduziert sind, daß sie kaum noch an eine Rockband erinnern, denn Elbow sind Ökologen der Cleverness. Man wartet vergebens auf ein Gitarren- oder Orgelsolo, diese Rockmusik funktioniert anders. Elbow sind wahre Meister des behutsamen Klangdesigns und haben die Kunst des Weglassens perfektioniert. Jeder Ton sitzt an der richtigen Stelle, es gibt gar keine falschen Stellen, was manchmal irritiert. Die durchweg majestätischen Songs kommen dem perfekten Popsong verflucht nahe und reifen mit jedem Zug wie ein komplexer Rotwein, denn Elbow sind Önologen der Harmoniesüffigkeit.

Hammersong: Charge

Electric Light Orchestra

Out of the blue (1977, Collectors edition 2007)
ELO sind die Abba des Rock, Jeff Lynne der Karajan der U-Musik, spätestens mit seinem formvollendeten 77er Doppelalbum, das nun endlich als Jubiläumsedition vorliegt. Und das Raumschiff auf dem berühmten Cover hat den Zeitsprung völlig unbeschadet überstanden! Diese Musik strahlt etwas absolut positives und erfreuliches aus. "Turn to stone" und "Mr. Blue Sky" gehören zu den perfektesten Popsongs der 70er Jahre, "Wild West Hero" würde nahtlos auf Queens "A day at the races" passen, und bei aller vordergründigen Belanglosigkeit zeugt das brillante "Concerto for a rainy day" von großer kompositorischer Klasse und ... ja doch: Tiefgang!
Einziges Manko: gerne hätte ich manchen Song als Work-in-progress-Version gehört, abgeschminkt, ohne die vielen Make-up-Schichten und Glasuren, mit denen Lynne seine Kleinoden gerne und reichlich überzog. Leider sind die Bonustracks keine wirklichen Demos - Lynne wird wissen, warum er sie uns vorenthält.

Erdmöbel

Krokus (2010)
"Erdmöbel" war im sozialistischen Volksmund der DDR die lautmalerische Umschreibung für einen Sarg. Da erzähle ich euch natürlich nichts Neues. Der Krokus ist eine schöne Winterpflanze. Okay, wußtet ihr auch schon. Daß er so schön klingen kann, aber nicht. Das Münsteraner Quartett mit dem unterirdischen Namen kommt musikalisch wie eine Easy Listening-Version von Element of Crime daher. Doch die Texte von Songwriter Markus Berges verhindern jeglichen Weichspül- und Abnutzungseffekt. Wir lernen die "Sorpe, Banfe, Schobse und Milz" kennen und tingeln im Niederrheinexpress zwischen Geldern/Nordrhein Westfaaaaalen und dem "Hygienemuseum Dresden" und haben damit so eine Art gesamtdeutsches Popalbum vor uns. Die Musik überzeugt durch einfühlsame Melodien und warme Bläsersätze, springt einen aber nicht sofort an, sondern kommt sozusagen von hinten durch die Kniescheibe ins Herz. Mit "Das Leben ist schön" und "Erster Erster" (DER Song fürs Neue Jahr) sind sogar zwei ganz wunderbare, echte Hits dabei, die natürlich viel zu klug sind für das Formatradio. Mein Favorit ist jedoch "Emma", und bei aller Heimeligkeit dieses kleinen Songkunstwerkes: nicht eine Frau ist gemeint, sondern der Orkan.

E.S.T.

Leucocyte (2008)
In Abwandlung eines strapazierten Zappa-Spruchs und als Jazz-Nonkonformist gebe ich bezüglich E.S.T. zu Protokoll: Jazz ist nicht tot, er klingt nur komisch. Das Trio um den legendären schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson spielt - mir fehlen die Worte - Space-Jazz mit unbändiger Experimentierlust und einem geradezu fatalistischen Hang zu Störgeräuschen. Sie bedienen ihre Instrumente, wie kein Jazzpurist sie bedienen würde und erschaffen eine beängstigend dichte Atmosphäre - haarsträubend, intensiv und grenzgängerisch. Das einzig herkömmliche Jazzstück heißt folgerichtig - "Jazz".
Erneuerer des Genres? Leucozyten sind die sich ständig erneuernden weißen Blutkörperchen. Doch es wird von diesem innovativen Trio keine Erneuerung geben - Esbörn Svenssons (45) starb im Juni 2008 bei einem Tauchunfall. Die letzten Stücke "ad mortem" und "ad infinitum" wurden einen Monat vor seinem Tod fertiggestellt. Prophetisch. Tragisch. Gruselig. Ein Vermächtnis.

Donald Fagen

Sunken Condos (2012)
Auch Mr. Fagen hat noch nie einen mediokren Song verbrochen, doch nur sein famoses Après-Steely Dan-Debüt The Nightfly (1982) springt einen sofort an und schlägt frontal ins Gesicht. Seine Nachfolger, die alle Schaltjahre folgten (Kamakiriad, Morph the Cat), bohren sich erst mit der Zeit von hinten durchs Knie mitten in die Seele, trotz aller unterkühlten Virtuosität und groovenden Poliertheit. Genauso funktioniert Sunken Condos - sein neuestes Monument der Coolness, wieder garniert mit triefender Ironie und pulsierender Nonchalance.

Mylène Farmer

Les Mots (2001)
Das erste Mal, als ich Mademoiselle Farmer sah, musste ich kotzen.
Es war Silvester, mein letztes in Niederwürzbach, und als Rainer den Konzertfilm des franco-kanadischen Megastars auflegte, war ich bereits so knülle, dass ich den überwiegenden Rest der Nacht auf den Badfliesen verbrachte. Das wird mir nie wieder passieren. Eine Show von Mylène Farmer versäumen meine ich.
Myléne, 1961 in Montreal geboren, geheimnisumwitterte Perfektionistin mit Hang zu verstörenden Videos und opulenten Performances, füllt in der französischsprachigen Welt mühelos die größten Konzerthallen, während in Deutschland allenfalls Kate Ryans Coverversionen ihrer Hits bekannt wurden („Libertine“ oder das unvergleichliche „Desanchantée“). Daß sie bei einigen aus unserem Musikologenkreis Kultstatus geniest, kann nicht allein mit ihren theatralischen Liveshows und ihrem verflucht hinreissenden Aussehen erklärt werden, jedoch muten ihre Musik und ihre Stimme zunächst eher unspektakulär an. Doch je mehr ich mich mit „Les Mots“ befasse - einer Retrospektive der Jahre 1986-2001 - desto mehr verfallen wir diesem exzellenten, ausgereift produzierten, zutiefst französischen Gesamtkunstwerk. So ist diese Doppel-CD eine wunderbare Einstiegsdroge ohne Nebenwirkungen… und ganz ohne Brechreiz.

Bill Fay

Life is People (2012)
Eine wundersame Geschichte, die an Nick Hornbys Juliet, naked erinnert: 41 Jahre nach seinem letzten offiziellen Album wird der zur verschollenen Legende (v)erklärte Singer/Songwriter Bill Fay with a little help from his friends wieder in ein Studio gelockt, um ihm zeitlos-melancholische Epen zu entlocken und ein letztes Cosmic Concerto zu spielen. Perlen wie Be At Peace With Yourself sind anrührend und in Töne gegossener Trost in trostlosen Zeiten.

Feist

The Reminder (2007)
Sie wächst, blüht und gedeiht mit jedem Hören, das gleiche Spiel wie beim Vorgänger "Let it die", denn: die aparte Kanadierin macht es dir nicht gerade leicht! Da sind zum einen mit den Chart-kompatiblen, rhythmisierten und gnadenlos süchtigmachenden "1 2 3 4", "I feel it all" oder "My moon my man" Ohrwürmer vertreten, die das ruhig-sitzenbleiben schier unmöglich machen. Nicht auszudenken, wenn das GANZE Album so klingen würde! Tut es aber nicht - die andere Leslie Feist ist Gift für die Quote: der Grundtenor von "Reminder" ist ruhig, fettreduziert, gehäutet, spröde - zu feinsinnig und eindringlich (jedoch nie deprimierend) tremoliert sie bei den vielen anderen Songs manchmal hart an der Schmerzgrenze und wird uns deshalb als Indie-Tip erhalten bleiben. Vorerst zumindest ;-)

Feist

Metals (Album des Jahres 2011)
Leslie Feist war 2008 die Frau, auf die sich alle einigen konnten. "The Reminder" gehört nicht nur bei mir zum Kanon der 00er Jahre; die aparte Kanadierin avancierte zum regelrechten Indie-Superstar. Um sich dann einfach eine dreijährige Auszeit zu nehmen.
It's better to fade away than to burn out.
Ihr neues Album wurde also mit Spannung erwartet. Denn was die vielleicht "schönste Stimme der Popmusik" (FAZ) bislang fabrizierte, war stets spannend. Man hört also aufmerksam die ersten Töne von "Metals" - um sogleich gefangen genommen zu werden. Da nennt sie ein Lied "Graveyard", erwartungsgemäß kommt es besinnlich-melancholisch daher. Doch was dann nach zweieinhalb Minuten auf diesem Friedhof geschieht, wie sich das Stück plötzlich vom Trauermarsch durch bloßes Wiederholen des Refrains "Bring them all back to life" in strahlende Zuversicht wandelt und positive Energie verströmt, das ist einmalige Arrangierkunst - und nur ein Beispiel von vielen. Dieser Songreigen ist kohärenter als der Vorgänger, es gibt weniger Brechungen als auf "The Reminder"; die Melodien sind so eingängig, daß man meint, sie schon einmal gehört zu haben, und bevor es auch nur ansatzweise schal wird, hält Frau Feist die ein oder andere Überraschung parat, die selbst simple Songs weit, weit über den Durchschnitt hinaus erheben. Wie sie in dem unfassbaren "A Commotion" Stimmen und Chöre einsetzt, das ist in seiner Einfachheit und Effektivität überwältigend und gänsehauterregend. Und über allem schwebt Leslies Stimme, ungemein zerbrechlich und im nächsten Augenblick durch Metall schneidend. Eine unaufdringliche Präsenz, die unter die Haut geht.
"Metals" ist ein schreiendes Understatement, eine überbordend gelassene Untertreibung, ein in Ton gegossener Brillant, wie ihn nur ganz große KünstlerInnen hervorbringen.

Killer Track: A Commotion

Fever Ray

Fever Ray (2009)
Ich möchte euch hier ein ebenso rätselhaftes wie betörendes Werk ans Herz legen, bei dessen Beschreibung sich viele Rezensoren zuweilen schwer tun: für mich klingt FEVER RAY wie das musikalische Tor zu einer anderen Welt, in der ein Hauch indianischer Seele die Synthesizer und Sequencer der Protagonistin zum Leben erweckt. Eine mysteriöse Melange aus jenseitigen Klängen, minimalistischer Elektronik und ausdrucksstarkem, oft verfremdetem Gesang - das erstaunliche Solo-Debüt der Schwedin Karin Dreijer Andersson, die im wahren Leben ein Teil des Electro-Indie-Duos The Knife ist. Wenn Karin ihre Stimme manipuliert und herunterpitcht, klingt das befremdlich und faszinierend, gruselig und fesselnd zugleich.


Field Music

Measure (2 CD, Album des Jahres 2010)
Bei „Curves of the Needle“ werden manch Beatles-affine Gehörgänge lang und länger. Tatsächlich erhellt Measure meine eigenen dunklen Gehörgänge wie ein verschollenes 10cc-Relikt der Stewart/Gouldman-"Deceptive Bends"-Phase, womit wir beim Vergleichs-Shopping wären: auch Measure wurde (fast) komplett als Duo eingespielt - David und Peter Brewis teilen sich Saiten-, Tasten- und Schlaginstrumente brüderlich. Man erkennt Anleihen bei Led Zeppelin, XTC und Fleetwood Mac, und manchmal glaubt man, Brian May bei den Wings herauszuhören. Das Doppelalbum opulent zu bezeichnen wäre eine glatte Untertreibung. Womit ich nicht meine, die Lieder wären phett oder gar über-produziert, im Gegenteil: Transparenz ist Trumpf. Opulent ist vielmehr der leichtfüßig-luftige Ideenreichtum, der sämtliche 20 Songs durchweht: die Brewis-Brüder setzen äußerst ökonomisch Akzente und reihen Highlights im Dreiminutentakt, Harmonieverschwender vor dem Herrn. Der Trick funktioniert so: kaum hat man ein Lied verstanden und es sich in ihm gemütlich gemacht, ist es wieder vorbei, und das nächste steht schon vor der Tür. So gibt es auch nach Monaten kaum Abnutzungserscheinungen. Und irgendwann merkt man, daß manches Riff, mancher Melodiebogen an anderer Stelle wieder auftaucht, vorbeihuscht. Measure ist ein musikalisches Memory. Mein rastloses musikalisches Herz hat ein neues Zuhause...

Field Music

Plumb (2012)
Sie verraten sich: A Prelude to Pilgrim Street beginnt mit den Glocken des Big Ben, genau wie Let'em in von den Wings. Plumb - auf dem Cover eine skizzierte Tankstelle, umgeben von Bäumen, Menschen, Autos, die alle nach und nach verschwinden, bis die Zapfsäulen vereinsamt zurückbleiben. Niemand tankt heute mehr verbleit. FIELD MUSIC schöpfen musikalisch aus diesen Zeiten mit den Mitteln der Moderne. David und Peter Brewis, Brüder in Geiste und Blute, haben mit dem Doppelalbum Measure meine Lieblingsplatte 2010 verbrochen. Plumb klingt wie der Versuch, dieses Monument musikalischer Manigfaltigkeit auf eine knappe halbe Stunde zu kondensieren. Es strotzt daher vor unglaublich vielen Ideen, die bloße Ideen bleiben. Vorbeihuschende Songskizzen, die immer noch zum Kinnladen runterklappen brillant sind. Ich liebe den Field Music -typischen Sound von Drums und Rickenbacker-Bass sowie die hartnäckige und lobenswerte Verweigerung, Mastering-Unsitten wie compression und limiting einzusetzen. Am Ende jedoch halten sich Begeisterung und Ratlosigkeit exakt die Waage.

Fink

Hard Believer (CD + Bonus-Live-Acoustic, 2014)
Es gab einmal eine norddeutsche Band namens FINK, die konnten Country und Western und spielten die nonchalanten Songs des früh verstorbenen Nils Koppruch.
Heuer gibt es eine südenglische Band names FINK, die spielen die fesselnden Songs des quicklebendigen Finian Greenall, der eine erstaunliche Genesis durchfuhr. Er verdiente sich als erfolgreicher DJ in der Dancefloor/ TripHop-Szene und entblöst nun seine Seele in einer Art akustischem Trance-Blues: die Gangart meist schleppend, die Elektronik noch in Spurenelementen wahrnehmbar, das Gerüst sparsam instrumentiert (wie in den 4 Songs der Bonus-Live-CD zu erleben ist). Fulminant indes ist das Ergebnis der raffinierten Produktion: unter Zuhilfenahme massiver Kompression, einem warmen Bad in der Echokammer und den Tupfern des holländischen Pianisten Ruben Hein entstehen Songs, deren Dynamik, Dichte und Vehemenz einem fast beängstigend nahe auf die Pelle rücken. Wie eine Faust, die in Zeitlupe auf dein Gesicht zurast.

Hammersong: Pilgrim

The Fireman

Electric Arguments (2008)
Verkehrte Welt: während sich Queen QUEEN nennen, obwohl sie’s nicht sind, nennt sich THE FIREMAN nicht Paul McCartney, obwohl er’s ist. Zusammen mit Produzent Martin Glover alias Youth (dessen Beiträge jedoch nur zu erahnen sind) legt Macca ein neues Album ab, das vor Spontaneität und Experimentierlust sprüht, nicht aber vor Genialität. "Nothing Too Much Just Out Of Sight" ist fleischgewordener giftsprühender Beziehungsfreischlag und so ziemlich das Gegenteil von schön. "Sing The Changes" hingegen ein lockerer Ohrwurm, wie er ihn schon lange nicht mehr aus dem Ärmel geschüttelt hat. Die Songs klingen oft skizzenhaft, roh und ungeschliffen, dennoch üppig instrumentiert (Macca himself) und mit zunehmender Spieldauer elektronisch verhuscht, ohne jedoch auch nur in die Nähe tanzbaren Ambient/TripHop zu kommen, wie eigentlich von THE FIREMAN zu erwarten gewesen. Man kann aber nicht hoch genug rühmen, wie dieser 66-jährige Lümmel mit den Erwartungshaltungen spielt, wie er sie bricht – und am Ende doch wieder übertrifft.

Fish

A Feast Of Consequences (2013)
Man hatte ihn eigentlich nicht mehr auf der Rechnung, den schottischen Hünen, doch sein erstes Album seit seiner Begegnung mit Toff hinter der Bühne der St. Ingberter Stadthalle im Oktober 2008 ist eine unerwartete Überraschung: ein abwechslungsreicher Bilderbogen mit bitterer Umweltzerstörungsprogrammatik, musikalisch Vigil't es an allen Ecken und Enden, die überzogene Härte des Vorgängers "13th Star" ist nur noch in Spurenelementen vorhanden, vielmehr kommen akustische Instrumente zum Einsatz, obgleich die großen progressiven Gesten bestens dosiert nicht fehlen dürfen. Starke Kompositionen, bildreiche Lyrics, Fish ist (fast) wieder der Alte - "I deserve it, because I’m so special, I love me" (aus dem ironischen All Loved Up). Nur seine Stimme ist dünner geworden, Derek "the Dick" singt bedächtiger als früher, Krankheit und Alter zollen allmählich Tribut. Doch solange er große Balladen wie The Other Side of Me oder majestätische Brontosaurier wie Thistle Alley kreiert, ist es nahezu egal, wie er singt.

Fleet Foxes

Fleet Foxes (2008)
Soviel buchstäblichen Harmonie-Gesang, soviele Uuuhs und Aaahs hat man vor VECKATIMEST schon lange nicht mehr auf einem Album gehört. Und FLEET FOXES, das Debüt der Waldschrate aus dem äußersten Nordwesten der USA ist ja nicht irgendein Album, es ist DAS Album des Jahres 2008, wenn man einem Gros der Kritikerlisten der geballten Popjournaille (und meinem Bruder) Glauben schenken darf. Durchaus nachvollziehbar: diese in sich ruhenden, zutiefst amerikanischen Songs mit erhebenden Titeln wie "White Winter Hymnal" versprühen einen pastoralen Charme und eine andächtige Naturverbundenheit, der man sich nur schwerlich entziehen kann - wenn man das überhaupt will.

Ben Folds

Songs For Silverman (2005)
Der Workaholic ist schon wieder in meiner Top 5! Erst vergangenes Jahr hat er WILLIAM SHATNERs grandioses „Has Been“ musikalisch und kompositorisch veredelt, jetzt ist ein gewisser Silverman dran. Als Vorboten erschienen 2004 die brillanten 5-Track-EPs „Super D“, „Speed Graphic“ und „Sunny 16“ (letzterer jage ich schon seit Monaten hinterher), kürzlich folgte als Bonbon die Live-CD „Songs For Goldfish“. Folds nimmt wieder in seinem geliebten Trio-Format auf, das Steinway dominiert allenthalben, es perlt, es kratzt, es faucht und beißt und schmeichelt sich in die Gehörgänge. Und wieder diese vielen süchtig machenden Melodien - die Balladen überwiegen, doch stellenweise kracht es wieder ganz ordentlich - so daß man sich beängstigt fragen muß, wann dem Typ mal die Ideen ausgehen. Hinreißender Songwriterpop!


Ben Folds

Way To Normal (2008)
Bei dieser Platte ist sich bisher NIEMAND einig: ist sie enttäuschend schlecht oder gewohnt brillant?
Wahrlich ich sage euch, vergleicht sie nicht mit “Silverman“ – und ihr werdet viel Spaß miteinander haben. Wäre sie ein Film, würde man von einem B-Movie sprechen. Fakt ist - und man glaube mir das als Fan der ersten Stunde – dieser Mann ist überhaupt nicht fähig, eine miese Platte zu machen! Gewiss, “Way to normal“ hat 1-2 Durchhänger, das sei einem Scheidungsgeplagten zugestanden, ebenso die Versuche, an die ungestümen Anfangstage der Steinway-Terroristen der BEN FOLDS FIVE anzuknüpfen. Highlights: die kontrolliert-überkandidelte Minioperette “Effington“; “Errant Dog“ ist lupenreiner McCartney und klingt wie ein Outtake aus “Memory Almost Full“; beim Duett mit Regina Spektor in “You don’t know me“ gehen dir vor Entzücken Herz und Bluse auf, und einzig Ben Folds kann solch todbringende Über-Balladen wie “Cologne“ schreiben. Da war sich bisher JEDER einig.

Ben Folds & Nick Hornby

Lonely Avenue (CD + Buch mit 4 Short Stories, 2010)
Ben Folds ist unfähig. Absolut unfähig, auch nur ein einziges mieses Album zu machen. Vom Konzept her erinnert “Lonely Avenue” natürlich an die Kollaboration mit William Shatner („Has Been“). Doch hier und heute ist Folds musikalisch und gesanglich ganz bei sich selbst. Und den Texten von Nick Hornby („High Fidelity“, „About a boy“, „Ballfieber“). Nun schreibt Hornby ja stets über Loser und Durchschnittstypen. Kann denn Folds nicht einfach mal Durchschnittsmusik dazu komponieren, seine spielerische Bandbreite, ausgebuffte Melodiesüffigkeit und nonchalante Genialität außen vor lassen? Herrgottnochmal…


-> Platten.Kiste ... G H I