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Yes

Fly From Here (2011)
Bei aller Brillanz wohnte jedem YES-Album auch immer ein gewisses enervierendes Element bei. So gesehen ist FLY FROM HERE ein altersmildes Werk voller Harmonie, Eleganz und hohem Suchtfaktor. Wie konnte es dazu kommen?
Gleichermaßen befremdend wie befeuernd - gut zweidrittel des neuen Albums stammen weniger von YES denn aus der Feder und dem Nachlass der BUGGLES: Keyboarder Geoff Downes und Produzent/Sänger Trevor Horn, die 1980 für kurze Zeit Rick Wakeman und Jon Anderson bei YES ersetzten und mit den verbliebenen Squire, Howe und White den singulären Meilenstein DRAMA schufen (und auf Tour beim Anspielen von Video killed the Radio Star kräftig ausgebuht wurden), haben offenbar noch ein paar Asse aus jener Zeit im Hemdsärmel vergessen und die 2011er YES-Inkarnation für ihr Projekt einspannen können, das man gerne und ganz undogmatisch als DRAMA II bezeichnen darf. Natürlich ist das Original 30 Jahre später weder reproduzierbar noch zu toppen: Alan Whites brachial-trockenes Drumming (damals als John Bonham-Ersatz bei Led Zep im Gespräch), Steve Howes nie zuvor so heavy frisierte Gitarre, Chris Squires schädelspaltender Rickenbacker und omnipräsenter Harmoniegesang (er hätte DRAMA durchaus auch im Alleingang singen können) - all das ist 2011 weichgezeichnet, planiert, aber immer noch da. Benoit David ist ein formidabler Anderson-Ersatz (Asthma-Pause), wobei er verblüffenderweise exakt in Trevor Horns Tonlage singt, indes wie ein völlig entspannter und unangestrengter Horn, was sehr wohltuend ist.
Aber YES wären für mich nicht dieselben ohne ihn: Squire, mein bassical godfather, mit dem ich Vorname, Sternzeichen, Instrument, Marke und die Vorliebe zum Chorgesang teile (und der mittlerweile aussieht, als sei ihm der plötzliche Herztod gewiss), Squire, der als einzig verbliebenes Urmitglied die Trademark YES weiterführen darf, Christopher Russell Edward Squire also ist auch 2011 allgegenwärtig, auch wenn seine Stimme jetzt ebenfalls milder klingt und schwerer zu identifizieren ist. Umso beeindruckender, ihn endlich einmal als Leadsänger bei YES erleben zu dürfen: THE MAN YOU ALWAYS WANTED ME TO BE ist ein spätes Highlight im YES-Katalog und zeigt zudem Squires kompositorische Nähe zu Trevor Rabin (bzw. umgekehrt). Hier schließt sich irgendwo der (Familien-)Kreis, so gesehen ist FLY FROM HERE ein wohltemperiertes Poesiealbum und ein meisterliches Spätwerk.


Younger Brother

Vaccine (2011)
Man kann den Blick gar nicht abwenden von diesem grandiosen Cover ... aber wer wird sich an solchen Äußerlichkeiten aufhalten ;-)
Ein Mann wird attackiert/umhüllt von Magnolienblüten, in geometrischer Stringenz. Das mag jetzt blöd klingen - aber genau so hört sich die Musik von Younger Brother an! Wie eine Attacke von Wattebäuschen aufs Gefühlsepizentrum - sanft, hypnotisch, zwingend, überwältigend. Man stelle sich eine elektronischere Version der großartigen Archive vor, weniger sperrig, nicht weniger beeindruckend. Das britische Quintett bezeichnet seine Musik als Psychedelic Trance, ihre Alben tragen fantasievolle Titel wie A Flock of Bleeps (2003) und The Last Days of Gravity (2007), ihre Cover sind optische Delikatessen. Nur kennen tut sie (noch) niemand. Das ist ein Fehler, liebe Freunde großartigen cinemascopischen ArtRocks, korrigiert ihn gefälligst, denn Songs wie Train sind reinste akustische Lymphdrüsendrainagen, Impfstoffe (Vaccines) gegen den Alltagsstress!

Frank Zappa

Der Asteroid „Zappafrank" umkreist zwischen Mars und Jupiter die Sonne.
Benannt ist er nach einem der einflußreichsten Musiker des 20sten Jahrhunderts: Frank Zappa, geboren in Baltimore als ältester Sohn sizilianischer Einwanderer, wurde nur 52 Jahre alt, er starb 1993 an Prostatakrebs. Sein musikalisches Vermächtnis ist immens und singulär, er war ständiger Grenzverletzer zwischen U- und E-Musik, unorthodox begnadeter Gitarrist, Komponist, Provokateur, Frauenhasser (Fine Girl, Dina-Moe Hum und ca. 50 weitere), Judenhasser (Jewish Princess), Christenhasser (Catholic Girls), Bob Dylan-Hasser (Flakes), Nixon-Hasser (Son of Orange County), Fernsehhasser (I'm the Slime), Liebhaber von schlechten Monsterfilmen (Cheepnis) und abartigem Sex (Sy Borg, Dirty Love, Stick it out und ca. 200 weitere).
Mit Alben wie Sheik Yerbouti, Joe's Garage oder Roxy and Elsewhere erweiterte er bereits 1979 meinen musikalischen (und textlichen) Horizont. Sein 10-minütiges Solo in Yo Mama gehört zu den überirdischen Gitarrenmomenten der Musikgeschichte. Die Zahl großartiger Musiker, die ihre Sporen bei Zappa verdienten, ist unüberschaubar: Lowell George, Chester Thompson, George Duke, Terry Bozzio, Eddie Jobson, Steve Vai, Vinnie Colaiuta, Adrian Belew - um nur einige wenige zu nennen.
Am 21. Dezember 2015 würde er 75 Jahre alt. Alles gute, Frank - und Titties and Beer bis ans Ende aller Zeiten!

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