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DREAMER live im Ducsaal (20.12.2013, Foto: Alex)

TOFFBLOG - Fr, 20.12.2013

Freudenburg (Rheinland-Pfalz) - Ducsaal
Wenn Manfred Weber in seiner Kanzel über der galerieflankierten Bühne die kommenden Clubacts ansagt und den Abend weihevoll moderiert, wenn sich das erlesene Publikum nicht nur vor, sondern auch neben, über und sogar unter der bierdeckelgroßen Bühne verlustiert,dann wissen Kenner längst: wir haben es in den DUCSAAL geschafft. Endlich spielen wir in dem "Arsch, in den MM sieben Jahre lang gekrochen ist" (best quote of the evening!), woraus er in seiner notorischen Ansage auch keinen Hehl macht.
Der legendäre Ducsaal - gleich hinter der saarländisch-pfälzischen Grenze - ist ein gemütlicher, alteingesessener Club mit einer ganz eigenen Atmosphäre und einem ganz eigenen Hausherrn.
Nach einem ausladend leckeren Essen beginnt unsere Show erbarmungswürdig: Manfred präsentiert den Act des Abends von seiner Kanzel herab gewohnt salbungsvoll, die acht Träumer wuchten ihre siechen Körper auf die enge Bühne, aber unser Intro, womit üblicherweise die Minute überbrückt wird, bis jeder lebend sein Instrument erreicht hat, bleibt irgendwo im Orkus stecken. Statt eines spannungssteigernden Openings wirken wir wie eine Schülerband, die holprig auf die "4 vor" des Drummers wartet. Ein einigermaßen peinlicher Fehlstart, ausgerechnet hier. Und dann wieder die Kleidungsunordnung: diesmal ist es Daniels weinrotes Hemd, das dem DREAMER- Dresscode (schwarz-weiß und alle Graustufen dazwischen) den Mittelfinger zeigt. Vielleicht lesen das hier ja genügend ästhetisch geblendete, die ihm bei nächster Gelegenheit das weinrote Hemd vom Adoniskörper reißen. Was für ein schöner Gedanke...
Doch schon bei Song #2 From Now On läuft es: die leider nur knapp 80 Gäste sind von unserer virilen Darbietung schnell infiziert, unterstützen uns enthusiastisch und fordern - das ist ein Novum - nach der Fool's Overture, wenn gewöhnlich gar nichts mehr geht, frenetisch eine weitere Zugabe! Danke dafür, insbesondere an Matthias für dessen Gästebucheintrag: "Von 10 möglichen Punkten erhaltet ihr 11, weil es einen Extrapunkt gibt für das, was Supertramp selbst nie so richtig geschafft haben: nämlich daß Roger Hodgson und Rick Davis als echtes Team auftraten, ohne als Konkurrenten zu wirken. Der souverän-lässige Gesang BEIDER Sänger, entweder abwechselnd oder auch mal gemeinsam, war das Nonplusultra. Ein gigantisches Highlight, und das so kurz vor Weihnachten" - Danke vielmals!

Nur Kanzel-Manni ist "not so amused" - marktwirtschaftlich rechnen sich DREAMER für ihn nicht, bei nur 80 Zuschauern (Hätte er vielleicht mehr Werbung machen können? Hätte er uns einen besseren Termin geben können als den Weihnachtsfeier-geschwängerten Freitag vor der Heiligen Niederkunft?) Natürlich hat er recht: wir gehören nicht zu den "besten Tributebands Europas", die bei ihm Schlange stehen; wir spielen nicht in der gleichen Liga wie die QUEENKINGS oder STILL COLLINS, wir sind nach seiner Doktrin auch gar keine richtige Tribute-Band, weil wir uns musikalisch zu weit vom Original entfernen. Touché! Wir machen das sogar EXTRA, weil wir den Supertramp-Sound bewußt modernisieren und ins 21. Jahrhundert transportieren wollen, schludrige Amateure, die wir sind.
Und so hat Manni mit jedem Wort recht - und wir unseren Spaß. Und nicht nur wir: nach Zeugenaussagen langjähriger Ducsaal-Gänger gab es selten ein Konzert, bei dem die Stimmung so ausgelassen war und sogar getanzt wurde.
Das war es also, unser einmaliges Gastspiel im Ducsaal. Ich gehe marktwirtschaflich mal davon aus, daß es kein zweites geben wird.
Gemäß der Manni'schen Reinen Lehre der Tribute-Bands müsse man bei geschlossenen Augen das Gefühl haben, das Original zu hören. Jetzt mal Hand aufs Herz - wer bei DREAMER die Augen schließt, der verpasst was ;-)

DREAMER live im Ducsaal (20.12.2013, Foto: Alex)

TOFFBLOG - Sa, 30.11.2013

Maulbronn (Baden-Württemberg) - Musicpark Live
Ich muß mich bei allen Zuschauern im Musicpark dafür entschuldigen, daß sich ein raffinierter Doppelgänger ins DREAMER-Line-Up geschlichen und an Rainers Stelle das Konzert bestritten hat. Aber dazu später.
Maulbronn, die Fünfte. Mittlerweile ist alles gesagt und geschrieben über Wolfgang Kienzles Club [TOFFBLOG - Sa, 03.11.2012 / Sa, 22.10.2011 / Sa, 22.01.2011 / Sa, 06.03.2010], alle Maultaschengags sind gemacht, der Flying Hirsch und der Holzbollerofen stehen für bleibende Werte in stürmischen Zeiten. Doch Wolfgang ist immer für Überraschungen gut: er hat seinen gemütlichen Club vergrößert (leider nicht die Bühne), mit pfiffigen Accessoires ausgestattet (Schaukeln am Büffet, Blechi "is-das-ein-Scheiß-Sound-da-oben" auf der Technik-Kanzel), und Kienzle daselbst wird mit dem (hoffentlich ironischen) Schlager-Projekt "Fruchthaartoupet" mit Schlaghose und Plateausohlen im kommenden Frühjahr im Kraichgau für Furore sorgen. Der dann bestimmt zum Kreischgau wird. Wie gehabt: wir spielen hier gerne - bei Freunden vor einem wieder mal enthusiastischen Publikum, das alle akustischen Feinheiten und Flatulenzen, Phänomenalismen und Phantasmagorien heraushört (und in den Pausengesprächen auch kundtut) - und nicht, weil es sich rechnet. Denn das tut es nicht; bleibende Werte auch hier.
Fast hätte ich ihn wieder vergessen: Rainers Doppelgänger! Dabei wird man diesen Anblick nicht wirklich vergessen können: im knallroten, gemusterten Shirt, braunem Tweedblazer und blauen Sneakers - inmitten einer stimmig schwarzweiß-gewandeten Dreamer-Textilgemeinschaft - hat er (Rainers Wiedergänger) sämtliche mimisch-gestischen und gesangsakrobatischen Marotten so verblüffend drauf, daß sogar das am-Mikrofon-vorbeisingen nicht zu kurz kommt. Dialog zwischen einem aufmerksamen Zuschauer und Toff: "Ist das Mikro des kleinen Sängers leiser als das des Großen?" - "Nope" - "Dann singt er dran vorbei?!" - "Yepp".
Auch beim Bühnenrückbau ab 00:45 in der kalten Kraichgauer Adventsnacht fehlt er (Rainers Wiedergänger) standesgemäß, und so kommen erste Zweifel, ob es sich tatsächlich um einen Doppelgänger handelt, den lediglich bei der Wahl des Outfits geschmackliche Inkontinenz befallen hat.
In der heilen Welt eines DREAMER-Nebenmusikers (Bassisten/ Chorsängers/ Toffbloggers) befolgen alle den Farbkodex, packen alle mit an, beherrschen alle den Termin-Doodle, tragen alle Neune gleichsam zum Erfolg bei und werden alle gleichsam vom Publikum gewürdigt.
Ja, liebe Freunde, diese Band trägt nicht umsonst diesen Namen!
Und in der heilen Welt von DREAMER ist sogar Platz für notorisch nörgelnde Nebenmusiker ;-)

Impressionen aus dem MusicPark Maulbronn

TOFFBLOG - Sa, 26.10.2013

Übach-Palenberg (Nordrhein-Westfalen) - "Outbaix“
Komisch - ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, jemals im "Outbaix" gespielt zu haben...
Waren die Drogen so gut? Oder die Verbindungsprobleme zwischen meinen grauen Zellen so verheerend? Tatsächlich sind es "Verbindungsprobleme", die DREAMER zum ersten Mal in der Bandgeschichte dazu veranlassen, einen Gig vollinhaltlich zu canceln. Eine Kontaktaufnahme mit dem ehemals so renommierten Club in der Nähe von Aachen ist schlichtweg unmöglich; Vorverkauf, Vertrag, Werbung, Website - alles bleibt im Dunkeln. Auch andere Bands nehmen mit Daniel Kontakt auf (Hole Full Of Love, Simon Phillips Band) wegen Kommunikationsproplemen mit diesem Club, und canceln ebenfalls. Die Alternative wäre gewesen: Bus mieten, Hotel buchen, 580 km durch Belgien, die Niederlande und wieder zurück gurken und auf den Kosten und einem verlorenen Wochenende sitzen bleiben. Wir wünschen dem "Outbaix" baldige Genesung und freuen uns auf einen Veranstalter, der uns ernst nimmt. Wolfgang, wir kommen, pack die Maultaschen aus!

The Never Ending Schlampen-Tour (Dreamer im Kubana; Foto: Alex)

TOFFBLOG - Sa, 06.07.2013

St. Ingbert (Saarland) - Ingobertusfest, Bühne an der Engelbertskirche
Der Kaiser glänzt zwar durch Abwesenheit, aber sein Wetter hat er vorbeigeschickt: ein traumhaftes Sommerwochenende, ein Traum von Open Air-Bedingungen, wenn auch die Begleiterscheinungen in St. Ingbert mit dem üblichen Unbill einhergehen: keine Zufahrtsmöglichkeit zur Bühne, kein Backstage-Bereich, keine Umkleide, kein Catering (nein, auch keine Schnitzel) - dafür werden wir vom Nachbarstand dankenswerterweise mit Flüssigkeiten versorgt und gottseidank ist Blechis eigenes Mischpult vor Ort, der Soundcheck wird somit zur Sekundensache, nachdem das Blasorchester unverhofft bereits um viertel nach neun die Bühne freigibt. Die Superschlampen beginnen also kurz vor 22 Uhr ihr Mammutkonzert für die zahlreichen Besucher im Durchgangsverkehr inmitten der Fußgängerzone, und da Pausen eine weitverbreitete Unsitte auf Stadtfesten im 21. Jahrhundert darstellen - immer wenn ich eine Bühne besuche, ist gerade Pause - spielen wir ungebremst und pausenlos durch bis zur bitteren Neige um viertel nach eins in der Nacht. Bei 30 Songs (!) mit einer Durchschnittsdauer von 6 Minuten (Michael Münsters Ansagen mitgerechnet) in Tateinheit mit unserem Durchschnittsalter (das ich aus Gründen der Pietät nicht preisgeben werde) kann das zum Ende hin schon mal zu Konditions- und Blasenproblemen führen. Weit gefehlt - die "Driemers" traben durch wie die Rennpferde und machen ihre üblichen Schnitzer gleich zu Beginn bei den todsichersten aller Nummern: Daniel zersingt Toms sakrosanktes Saxsolo bei "From now on" und Michi, der "Schläger", hört bei "Breakfast" einfach mal früher auf, als ob er eine Pause hätte (die, s.o., heute gestrichen ist), bis er durch Rainers völlig improvisierten Scat-Gesang wieder in die Rhythmusspur gebracht wird. Das klingt eigentlich so gut, daß man es ab sofort immer so machen sollte...
Das Schönste, was es in dieser lauen Sommernacht auf unserer Bühne zu sehen gibt, ist die junge Braut, die an ihrem Junggesellinnenabschied unsere beiden Sänger zum Mitsingen animiert. Irgendwas mit "Bitche" wird intoniert, wahrscheinlich kommt sie von dort, Lothringen ist ja nicht weit.
"Wie, ihr spielt nur Songs von EINER Band? Könnt ihr nicht die übliche Top 40-Kacke spielen, die das Fußvolk nicht überfordert?" heißt es immerfort zwischen den Zeilen, landauf landab. Das St. Ingberter Kulturamt ist das einzige, das sich dieses Jahr "traut", DREAMER für ein Stadtfest zu buchen. Und siehe da, es funktioniert! Das Gros der Zuschauer bleibt den ganzen Abend vor unserer Bühne und fühlt sich prächtig und pausenlos unterhalten. Geht doch!
Was gar nicht geht, ist die ohrenbetäubende Disco-Bedröhnung eines benachbarten Bierstandes, der alle Jahre wieder penetrant seine Schallwellen ungedämpft absondert, eine unnötige, hirn- und respektlose Unsitte, die uns zukünftige Engagements auf der Bühne an der Engelbertskirche endgültig verleidet. Sollen sie - wie an dieser Stelle schon einmal vorgeschlagen - fortan den Bierstand auf die Bühne stellen.

Gott grüßt die Kunst - DREAMER grüßen zurück (Lüdenscheid, gegenüber Dahlmanns)

TOFFBLOG - Sa, 22.06.2013

Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen) - Gaststätte Dahlmann
Bei Dahlmanns im Hinterraum der Gaststätte sieht es aus wie in einem 60er Jahre Tanzlokal: verschwenderische Raumhöhe, Stuckdecke, üppige Verglasung, biedere Stoffvorhänge, geschmacksverunsicherte Beleuchtung, gebündelter Renovierungsstau; die Bühne mind. 1,50 m hoch auf zwei Ebenen, Stuhllager und Rumpelkammer inklusive. Wie hat es uns hierher verschlagen?
Ein stressiger 350 km-Trip in den Nordwesten des Sauerlandes bedeutet für die Träumer vom Dienst: zwei Tage weg von Zuhause, inkl. 4****-Übernachtung im tiefsten Märkischen Kreis. Irgendwie hat es uns in der jüngeren Historie des öfteren in die Ausläufer des Sauerlandes verschlagen (Menden, Idstein, Bad Berleburg...), aber so LEER haben wir uns wohl noch nie nach einem Gig gefühlt. Wie hat es uns bloß hierher verschlagen? Dabei brennen die Superschlampen an diesem wettermäßig jämmerlichen Sommeranfang ein vorgezogenes Johannisfeuer auf der Bühne ab, als gäbe es kein Morgen und nichts zu verlieren. Es gibt leider auch nichts zu gewinnen. Steuerfahnder, nimm dies: da weniger als 100 Zuschauer kommen, erhalten wir nur die vereinbarte Mindestgage im unteren dreistelligen Bereich, was nach Abzug von Tourbus-Miete, Sprit und One Night Stand bedeutet: wir legen drauf. Und weils so schön ist, wenn der Schmerz nachläßt, hier nochmal zum Mitschreiben: nach 28-stündiger Plackerei (inkl. 5 Stunden Nachtruhe) zahlt die Bandkasse, um auf Null rauszukommen. Goodbye Stranger, auf Nimmerwiedersehen, Lüdenscheid. Eigentlich schade, denn das anfänglich reservierte Publikum (Sauerländer) erweist sich als großartige, fachkundige, klatsch- und quatschfreudige Menge, die uns auch nach dem Konzert bis ein Uhr nachts noch mit erbaulichen Gesprächen und Lobeshymnen erfreut. Ebenso erfreulich der erste Einsatz des neuen Kronos-Synthesizers, der nach wochenlanger Testphase zur soundoptimierten Spektralerweiterung beiträgt. Das allein reicht an diesem verlorenen Abend nicht zum glücklich werden und zur Klärung der Frage, wie es uns hierher verschlagen hat.

Daniel und Didier beim Tanz in den Mai (Kubana; Foto: Alex)

TOFFBLOG - Sa, 27.04.2013

Siegburg (Nordrhein-Westfalen) - KUBANA
Leider kann ich nichts über diesen ordentlichen Gig vor 260 (fast ausschließlich) begeisterten Zuschauern schreiben, denn Expertenmeinungen zufolge war ich "irgendwo anders"...
<:-I

Witzig.
Teilweise.
"Chris war irgendwo anders" schrob ein eifriger Kritiker ins Dreamer-Gästebuch. Mehr als 150% Einsatz auf der Bühne kann ich nicht geben, also WTF?! Und diese 150% hat die Bühne unseres erklärten Lieblingsclubs auch einfach verdient. Zum vierten Mal gastieren wir hier im schönen Siegburg, und das Kubana ist jedesmal ein bißchen voller; unter den Zuschauern viele Wiederholungstäter, allen voran Tina und Dieter, die uns zum elften Mal (!) besuchen. Auch hier: weniger als 150% is' nich'.
Blutige Grabenkämpfe werden schon vor dem Bel Étage-Gig ausgetragen bezüglich effektiv tödlicher Setliste, und so landet die Fools Overture zum ersten Mal am Beginn des zweiten Sets, was sehr interessante und völlig konträre Publikumsreaktionen hervorruft gegenüber der üblichen Startnummer zum Ende der Zugabe. Interessant auch, wie sich bei Ain't Nobody But Me - einer der todsichersten Nummern im Dreamer-Set - Michi dermaßen verzöllert, daß es Tom glatt sein Saxsolo verlaydet. Shit happens. So vergißt The Munster seine Badehose beim DSDSLCN-Intermezzo unterm Sonnenschirm, während einer unserer Sänger gleich die komplette Kiste mit dem Percussion-Geraffel im Saarland liegen läßt; es soll hier aber nicht verraten werden, wer die Chose verbauert hat. Und damit genug fürs heutige Kameraden-Bashing. Wir freuen uns jetzt schon auf unser fünftes Gastspiel im Kubana - auf die großräumige Bühne, die saftige Beschallung, die üppige Lightshow, das kompetente Team, das erstklassige reichhaltige Catering und die geistreichen Gästebucheinträge.

Die Superschlampen bei der Akkordarbeit im Kubana (Fotos: Alex)

Der beste Blow Job der Welt - Tom bläst Daniel den Marsch (Foto: Alex)

TOFFBLOG - Sa, 04.05.2013

Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) - "Dudelsack"
Neun von zehn Bands hätten diesen Auftritt abgesagt.
Dabei fängt der Samstag sonnenstrahlend und verheißungsvoll an. Nach all den internen Wasserglasstürmen der vergangenen Wochen freue ich mich wieder uneingeschränkt, eine der Superschlampen zu sein und mein persönliches Jubiläum - Toffs fünfzigsten Schlampenauftritt - heute in Bad Kreuznach zu feiern. Bis zu dem Moment, als um die Mittagszeit Didiers Nachricht einschlägt: ein schwerer Schicksalsschlag zwingt ihn, im Kreise der Familie zu bleiben und die Fahrt nach Bad Kreuznach abzusagen.
Es beginnt eine Stunde hektischer Betriebsamkeit: die Restband trifft sich am Proberaum, beratschlagt, telefoniert hin und her zwischen Veranstalter Yoshi Picard (Dudelsack), Agent Michael Gottlieb und Bühnentechniker Jörg Jungbluth (beide von der Doors-Tributeband MORRISON HOTEL), man debattiert, wägt ab, entwirft ein Notprogramm ohne Gitarre, tendiert dazu, den Gig zu canceln, um dann doch den Bus zu beladen und in die Pfalz durchzustarten. Während der Fahrt wird weiter telefoniert, Plan B läuft an: während wir Kilometer fressen, beginnt Alexandra zuhause in Dillingen, ein halbes Dutzend Supertramp-Songs innerhalb zwei Stunden (!) einzustudieren und versucht dann zum Soundcheck nachzukommen. Techniker Jörg erklärt sich parallel dazu telefonisch bereit, bei ein paar Songs an der Gitarre auszuhelfen, es bahnt sich eine abenteuerliche Performance an.
Noch während wir die (winzige) Bühne im Gewölbekeller des Dudelsacks mit unserem Equipment hoffnungslos übervölkern, kommt von Didier die nicht mehr erwartete Nachricht, daß er unterwegs nach Bad Kreuznach ist, um doch mitzuspielen! Alle B- und C-Pläne werden wieder geskippt - bis Didiers Verstärker beim Soundcheck über den Jordan geht. Es soll nicht sein. Diesmal ohne Implosion (s. Hückelhoven), aber mit Ersatz, denn Alex' Gitarrenverstärker ist ja mit an Bord (file under 'Plan B'). Alles wird gut an diesem emotionalsten aller Dreamer-Abende, auch wenn ich das komplette Konzert aus Platzmangel in der dritten Reihe verbringe, hinter Keyboardburg und Didiers breiten Schultern (die heute unermeßlichen Kummer zu tragen haben), quasi ungesehen von den 111 begeistert mitsingenden Zuschauern, die mein Sporty-Spice-Jubiläumstrikot kaum würdigen können. Es gibt natürlich Schlimmeres an diesem Abend, und dennoch ist die Spielfreude insbesondere im zweiten Set immens.
Um halb eins endet diese Konzertnacht mit der letzten Verbeugung vorm Publikum - eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt, ein finanzielles Desaster, ein solidarisches Fanal, ein Plädoyer für den Zusammenhalt der Dreamer-Familie.
Neun von zehn Bands hätten diesen Ausflug abgesagt.
Wir sind die eine.

V.l.n.r.: Vier Helden am Eingang zum Dudelsack, der Gewölbekeller im Herzen der Finsternis sowie "Plan B" an der Dillinger Heimatfront (Fotos: Toff)

TOFFBLOG - Fr, 19.04.2013

Saarbrücken (Saarland) - Bel Étage
Wenn man im dritten Jahr in Folge am gleichen Ort spielt, neigt man zu Wiederholungen, aber hier mach ich das gerne: die Bel Étage ist eine der schönsten Veranstaltungssäle im Saarland, und Geschäftsführer Bruch der freundlichste, wohlgesonnenste Gastgeber, den man sich wünschen kann. Rund 400 Zuschauer füllen den schicken Saal über der Saarbrücker Spielbank, ein Rekord für die Bel Étage, ein Rekord für die Superschlampen (Open Airs ausgenommen).
Wochenlang bereiten wir uns auf diesen Gig vor, mit der Dreamer-eigenen Akribie und Disziplin (okay, genug gelacht), spielen ein Mammutprogramm mit (Über-)Längen, klotzen mit Videoshow, aufgepimpter Lichtanlage und professionellem Filmteam, das eigens engagiert wurde, um unser Heimspiel der staunenden Nachwelt zu erhalten (tatsächlich braucht man sich in unserer Gewichtsklasse heutzutage ohne wirkungsvolles Video nirgendwo zu bewerben).
Dementsprechend konzentriert entern wir diese geliebte Bühne, und folgerichtig werden reichlich Böcke geschossen. Den ungekrönten Schützenkönig dieses Abends namentlich zu nennen, wäre rainer Unsinn; da ist es tröstlich, daß sich die Bockschießereien auf einer Detailebene abspielen, die dem Gros des Publikums verborgen bleibt, was nicht abwertend gemeint ist. Dem Publikum gegenüber.
Wir sind nur Amateure, mit professioneller Veranlagung und Detailverliebtheit, die bei einem Dreistundenprogramm schwerlich durchzuhalten ist und gerne mal Risse bekommt. Unsere Straße des Ruhmes ist voller Schlaglöcher, würde der Philosoph sagen (also ich).
Diese Metaphorik läßt sich auch wieder trefflich auf unsere Heimspielquote anwenden, ein waidwunder Punkt, den Herr Bruch in seiner eloquenten Ansage vor vollem Haus auch gerne herausstellt: es sei nicht nachvollziehbar, daß diese Band so selten im Saarland engagiert werde. Passend hierzu die neueste Absage aus der Heimat: der SR1-Sommeralm, einem Großevent am Göttelborner Gondwana-Park, wo sich die Dinosaurier tummeln, ist eine Supertramp-Tributeband zu „speziell". Stattdessen wird Heino spielen. Der Rest ist Schweigen.
Zu erwähnen wäre noch die Premiere einer Showeinlage: DSDSLCN (Dreamer-stellen-die-Supertramp-LP-Cover-nach). Beim Acoustic-Set nimmt unser Herr Münster nur mit Badehose, Sonnenbrille und Strümpfen (!) bekleidet auf dem Liegestuhl unterm Sonnenschirm Platz, während Schallwellenmeister Blechi das berühmte „Crisis? What Crisis?"-Cover auf die Leinwand projeziert. Das Publikum ist - wie immer bei Dreamer-Showeinlagen - geteilt begeistert, und es bleibt gottseidank bei energischen „Strümpfe aus!"-Rufen. MEHR wäre der Psyche aller Anwesenden auch nicht zuträglich gewesen.

Das sagenhafte Publikum in der ausverkauften Bel Étage (aus der Sicht Daniels), die (bekleidete) Generalprobe zu DSDSLCN (mit Liegestuhl) und eine der Kisten, in die unsere Musiker nach dem Konzert wieder fein säuberlich verpackt werden

Fotos Bel Étage: Nici, Daniel und Toff

TOFFBLOG - Sa, 23.02.2013

M'gladbach-Hückelhoven (Nordrhein-Westfalen) - MARKT 17 Music Hall
Baal ist an allem schuld. Gut geschlafen haben wir dort trotzdem. Ich muß weiter ausholen:
Bekanntlich ist Ba'al eine altertümliche Gottheit des Morgenlandes, die u.a. für das Wetter verantwortlich ist. Augenscheinlich auch für den Blizzard, in den wir an diesem Wochenende im äußersten Westen der Republik geraten, 20 km südwestlich von Mönchengladbach und 15 km vor der niederländischen Grenze. Hückelhoven erreichen wir in dichtem Schneetreiben, der Tourbus gerät mit seiner wertvollen Fracht mehrmals ins Schlingern und an den Rand der Manövrierfähigkeit, was Steuermann Blechi wenig beeindruckt, und das ist nicht das einzige Mal an diesem Konzertabend, daß er sich als technoide Gottheit des Abendlandes geriert. Ich muß noch weiter ausholen:
Das Engagement im Markt 17 wird als Katastrophengig in die Dreamer-Annalen eingehen: von der Eiseskälte und dem Schneegestöber schliddern wir in den kalten, verrauchten Club und nach erfolgreich miserablem Soundcheck-Kaltstart in die eiskalte Garderobe (mit eiskalter Kegelbahn, immerhin). Währenddessen schneit es telefonisch Absagen, die Strassen sind dicht. Ebenso der Smog im Saal: von den knapp 60 Gästen ist während der Show fast nichts zu sehen. Die Nebelschwaden und das blaue Dunstbouquet der qualmenden Clubbesucher mischen sich mit Schmorgeruch und Rauchschwaden aus Didiers implodiertem Mesa Boogie-Röhrenverstärker, der plötzlich gar nicht mehr röhren will. Nachdem im Acoustic-Set bereits die 12-saitige Tailor ungefragt ausgefallen ist und Give a little bit kurzerhand auf Publikumswunsch völlig unverstärkt intoniert wird, stehen wir mitten im zweiten Set kurz vorm totalen Konzertabbruch, bei unserem Gitarrenhelden und Eierschneider geht nichts mehr. Die Zwangspause und das hektische Fehlersuchgewusel auf der Bühne überbrücken Daniel und Stefan mit einer vorgezogenen Downstream-Einlage und MM mit einer (ausnahmsweise genehmigten) überlangen Ansage in verbalem Cinemascope. Schließlich gelingt es Blechi, dem abendländischen Gott der Schallwellengewitter, Didiers Gitarre mittels Mischpult und Verstärkersimulation von den Toten zu erwecken und das Konzert zu einem glücklichen Ende zu bringen.
Nicht zuletzt zur maßlosen Freude von Tina und Dieter, unserer Münsterländer Freunde, die mit ihrem zehnten Dreamer-Besuch ein unglaubliches Jubiläum feiern. Danke!
Wir übernachten im ländlichen Ortsteil Baal (sic!) in einer Bäckerei mit Gästezimmern, der Wettergott hat alles weiß gepudert, das Frühstück ist ausnehmend smakelijk, wie der benachbarte Holländer sagen würde. Der Dreamer-Bus schliddert über die verschneiten Straßen zurück in die Heimat, neuen Abenteuern entgegen...

Tom, unser Blasebalg - der heimliche Dreamer-Star beim Intro zu "School" (Foto: Alex)

TOFFBLOG - Sa, 12.01.2013

Idstein (Hessen) - "Die Scheuer"
Schöner kann man das eigene Jubiläum nicht feiern: der 50. Dreamer-Gig seit dem Debüt am 22. Februar 2008 im St. Ingberter Soho zelebrieren die Superschlampen in Idstein-Wörsdorf im Kreis Rüdesheim in der ziemlich angesagten "Scheuer" (wobei ich einschränkend zu Protokoll gebe, meinen fünfzigsten - und nur von Konzerten sei hier die Rede - erst im "Dudelsack" feiern zu dürfen, denn der Tieftöner auf den ersten vier Dreamer-Konzerten hieß Stefan Debus und nicht Toff).
Achim Schmidt, Betreiber und Beerber der "Scheuer", hat nach eigener Aussage vor 30 Jahren den Schuppen von seinem Großvater übernommen, Kämpfe mit Behörden ausgetragen, viel Herzblut vergossen - und heuer mit der Scheuer einen der angesagtesten Clubs im Großraum Wiesbaden. Dank seiner beeindruckenden Vorbereitung und der fürsorglichen Betreuung und Bewirtung durch sein Team wird die Tagestour zum regelrechten Jubel-äum. Der urgemütliche Club ist Punkt acht bei Konzertbeginn rappelvoll und bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft: über 300 Besucher wollen erleben, wie Supertramp im 21. Jahrhundert klingen könnten - druck- und temperamentvoll, hyperaktiv trotz beengter Bühnenverhältnisse, ausgelassen und sehr sehr selbstironisch. Etliche Gäste müssen draußen bleiben, es ist kein Platz mehr frei, ein Novum. Was für ein Abend, was für ein Spaß! Auf die nächsten 50... im Jahr 2017...?

DREAMER-Diener - der 50. Gig, das Jubiläum in der "Scheuer" (Foto: Alex)

Die Superschlampen v.l.n.r.:
Tom (Gebläse), Stefan (Tasten), Rainer (Stimme), Daniel (Stimme), Michi M. (Tasten), Didier (Saiten), Michi Z. (Schläger), Toff (Basstard) sowie Blechi (Schallwellendompteur)


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