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Dreamer auf der Bühne der ZECHE in Bochum (Foto: Dieter Belker)

TOFFBLOG - Fr, 05.12.2014

Bochum (Nordrhein-Westfalen) - Zeche
An diesem Freitag stellt das Bochumer Opelwerk endgültig seine Produktion ein, heißt es frühmorgens im Radio. 22.000 Mitarbeiter gab es dereinst, als es noch „4630 Bochum“ hieß, jetzt hat der Mensch seine Schuldigkeit getan, die Maschinen stehen still, der Pott kriegt eine weitere Delle. Die Sonne verstaubt hier ein bißchen weniger, doch es ist nicht mehr besser, viel besser als man glaubt, tief in den Resten der Industriekultur. Das Gesicht im Spiegel mit dem müden, unrasierten Kopf fragt mich, ob dann heute überhaupt Zuschauer in die Zeche kommen? Ist soziale Schieflage ein Hemmnis für Rock’n’Roll – oder ist er so entstanden?
Die Zeche - einer der bekanntesten Konzertclubs in Deutschland, in dem in den vergangenen 30 Jahren Tina Turner, Grönemeyer und die Hosen ihre Duftmarken hinterließen - ist das letzte und wichtigste Ziel der DREAMER-Tour 2014. Insbesondere weil es für Reiner Kuttenberger, dem neuen Mann an Klarinette, Harp und Saxofon, die Premiere im Orden der Freischnitzler werden wird. Wochenlang haben wir mit ihm seit Toms Abschied das Programm einstudiert, heute ist Feuertaufe.
Im sicheren Glauben, daß Blechi auch in der Zeche des Löwen die neue Schallwellensituation meistern wird, öffne ich das Email-Postfach, um schlagartig festzustellen, daß Blechi heute NICHTS meistern wird, da er von einer Virusinfektion niedergestreckt wurde und absagen muß. Der Rasierapparat bleibt mir im Halse stecken, alle Ruhe und Zuversicht ist dahin, total egal, wie gut die Vorbereitung war – und das ist erst der ANFANG des Chaos, das sich heute noch entfalten wird.
Aufbruch mit gemischten Gefühlen. Die Übernahme des Tourbusses in Püttlingen verzögert sich, weil der Abholtermin einigermaßen missverstanden wurde. Die Beladung des Tourbusses am Proberaum verzögert sich (minimal), weil Blechis ordnende Hand beim Equipment-Tetris fehlt; dafür fehlt aber auch dessen Mischpult, was die Tetris-Situation entscheidend entspannt. Die Reise in den Ruhrpott verzögert sich, weil wir im Kölner Ring in einem Stau festbacken. Währenddessen versuchen wir telefonisch die Zeche zu erreichen, um deren hauseigenen Tontechniker zu organisieren - was schließlich auch gelingt.
Um 16:30 Uhr ist Soundcheck - eigentlich - doch der Dreamerbus kriecht gerade an Bocklemünd vorbei. Daniel postet um 16:47 auf Facebook: Es gibt Tage, da klappt nix. Erst fällt unser Techniker Blechi wegen Krankheit aus und jetzt stecken wir schon ewig im Stau – sollten eigentlich jetzt gerade Soundcheck machen… verdammt!
Die Eheleute Münster (samt Hundeschar) fahren separat, ihr Stau ist kürzer, sie schlagen gegen 17 Uhr in Bochum auf und halten die Zeche-Crew auf dem Laufenden. Während die Bühne (ohne uns) verkabelt und monitoriert wird, erfährt die Hotline im Tourbus, daß unser Programm kräftig zusammengekürzt werden muß - was man auch schon eine Woche früher beim Veranstalter hätte erfragen können - wir spielen also bis kurz nach zehn. Wenn wir spielen. Denn wir stehen gerade im Stau bei Leverkusen. Der Rotstift macht die Runde. Reiner bleibt gelassen. Oder ist verstummt und denkt sich auf seiner ersten Dreamer-Tour: wo bin ich da nur hingeraten?

Soundcheck ohne Bandů (Foto: Nici)


17:20 Uhr - der Stau löst sich auf, die Hochrechnung des Navi zeigt 40 Minuten bis zum Ziel.
17:40 Uhr - Nici postet auf Facebook: Soundcheck ohne Band… aber mit Hund.
Schlag sechs lenkt Toff den Bus in die Einfahrt zur Halle. Es verbleibt knapp eine Stunde für Frachtlöschung, Aufbau, Verkabelung und Soundcheck für ungefähr 20 Instrumente und 4 Sänger durch einen Tontechniker, der uns nicht kennt. Würde er uns kennen, wüßte er, daß das unmöglich ist.

Aber heute bleibt alles anders. In Windeseile und mit einer Heerschar helfender Hände wird der Bus freigeschaufelt und die Bühne bevölkert. Manche werden von einem Wunder reden. Daniel postet am Folgetag: Dank der Hilfe aller Mitarbeiter der Zeche haben wir in 50 Minuten komplett aufgebaut und gesoundscheckt. Weltrekord!! Danach hat uns der Liebe Gott als Entschädigung das tolle Konzert geschenkt.
Auch als Atheist kann ich nachvollziehen, wie an diesem Abend der Glaube Sprünge macht! Es läuft wie am Schnürchen, Dirks Sound auf der Bühne und im Saal ist erste Sahne, und das ist keine Selbstverständlichkeit; kurz vor Sieben sind wir fertig, die Saaltüren werden geöffnet, wir verschwinden erschöpft in der Garderobe, wo uns das Currywurst-Büffet erwartet, Luxus geht anders, aber schmecken tut‘s super. Uns bleibt wenig Zeit, wir steigen in die Bühnenklamotten, Reiner kleidet seine Premiere in schwarz und bleibt auch weiterhin gelassen.

Unsere Münsteraner Freunde besuchen uns noch kurz - sie sind zum fünfzehnten Mal auf einem Dreamer-Konzert! – dann entern wir um Punkt acht die ausschweifend große Bühne (ohne Intromusik, denn die ist zuhause auf Blechis Rechner) und rocken 130 Minuten den Saal, daß die Flöze wackeln. Das fantastische Publikum singt an Stellen mit, wo noch nie jemand mitgesungen hat. Die Stimmungen auf der Bühne und im Saal stecken sich gegenseitig an und schaukeln sich hoch, wie wir es schon oft erlebt haben, aber selten mit solcher Intensität. Mein Blick wandert stets in die Ecke rechts neben Michis Drumset, wo früher Toms Arena war. Reiner scheint Spaß zu haben und macht einen tollen Job, bringt mit der Klarinette eine neue Klangfarbe ein, glänzt am Saxofon und macht auch an der Harp (die er erst seit ein paar Wochen spielt) hörbare Fortschritte. Nicht auszudenken, wenn er dann noch Ausflüge ins Bühnenzentrum machen würde - die Frauen würden ähnlich hinwegschmelzen wie bei Tom seinerzeit.
Und so wird alles gut am Abend dieses chaotischen Tages, auch wenn wir in der Zugabe auf die Fools Overture und das eigens einstudierte Rosie had everything planned verzichten müssen. Alle Strapazen und Mühen sind wie weggeblasen, als wir von höchster Stelle erfahren, daß DREAMER auch in den kommenden Jahren in der Zeche willkommen sein werden. Und die ersten (von vielen folgenden) Gästebucheinträgen helfen uns aufmunternd durch die Nacht bei der dreistündigen Heimfahrt. So schreibt z.B. Piti: “Supertramp kann stolz sein, dass eine Band (so wie ihr) ihre Musik so authentisch in die Gegenwart holt. Wenn ihr wieder mal in diese Ecke kommt, sind wir garantiert mit dabei.“ Verdammt, JA! Wir kommen wieder in genau diese Ecke, nichts lieber als das! Und abschließend Olaf: “Ihr seid Musiker, die allesamt einzeln stark sind, doch zusammen ist WUCHT wohl das richtige Wort.“

Diese Wucht hat ein anstrengendes, aufregendes, ereignisreiches Jahr hinter sich, in dem viele Nerven verloren und neue Freunde gefunden wurden. Wir haben den ersten Besetzungswechsel seit sechs Jahren gewuchtet. Wir haben das konzertreichste aller DREAMER-Jahre gestemmt, dabei 5982 Kilometer vom hohen Norden bis ins tiefste Alpenvorland zurückgelegt. Bis an Deutschlands Grenzen – und unsere eigenen. Es ist an der Zeit, kürzer zu treten.

Wir freuen uns auf 2015!

In diesem Text sind neun Original-Albumtitel von Herbert Grönemeyer versteckt (die "12" in der Überschrift und die verschiedenen "ö"s im Text nicht mitgerechnet). Die erste richtige Auflistung im Gästebuch wurde mit einer Freikarte für die BEL ÉTAGE belohnt.

Dreamer auf der Bühne der ZECHE in Bochum (Foto: Dieter Belker)

REINERBLOG - Welcome to the show!


Reiner Kuttenberger (* 1975 in Lindau/Bodensee) ist der Neue im DREAMER-Zirkus, ein gebürtiger Schwabe in einer Horde Saarländer und Halbfranzosen. Daß das gutgeht, wird keine Frage der Musikalität sein: Reiner hat Klarinette und Jazz in Würzburg und Saarbrücken studiert, lebt für die und von der Musik, unterrichtet Klarinette und Saxophon, ist neben DREAMER noch in acht weiteren Bands und Ensembles aktiv, u.a. Zizal (the Klezmer Project), Revueorchester 1920, Christof Thewes´ Little Big Band oder DWIWARNA, wenn er sich nicht solistisch als reiner k. "plastic sun" den Sparten Triphop und Acid Jazz hingibt.
http://www.reinerkuttenberger.de

Mit Reiners großer Professionalität ist jetzt intensive Probenarbeit angesagt, bis das neue Zahnrad in die geölte DREAMER-Maschine einrastet. Die prekäre Schnitzelfrage hat er mit einem beherzten "mit Sauce" beantwortet, womit er bereits die Mehrheit der Bandgeschmäcker hinter sich hat (nicht meinen). Unsere ersten Proben haben Laune gemacht, die Premiere in der Bochumer Zeche rückt näher. Tom hat mit seinem großen Spektrum an diversen Blas- und Percussion-Instrumenten und Geräuschemachern Lücken hinterlassen, die neu besetzt werden müssen. Auch die Terminfindung für gemeinsame Proben gestaltet sich durch Schichtdienste, Bereitschaften und mannigfaltige Verpflichtungen recht kompliziert, und es bedarf schon eines kleinen Wunders, den DREAMER-Karren 2015 nicht formvollendet an die Wand zu fahren. Aber diese Bääänd hat in acht Jahren bewiesen, daß sie auf kleine Wunder spezialisiert ist. Wir harren der Dinge mit angehaltenem Atem...

Dreamer's Blasebalg Tom verabschiedet sich leise und stilvoll (Foto: Thomas Schuler)

TOMBLOG - Famous last words


Tom
's Eintrag im DREAMER-Gästebuch
12.10.2014 - 18:24:06
It`s time to say goodbye !
Viele Proben, Schnitzeltreffen und Gigs haben wir zusammen verbracht, gespielt, ja man kann schon fast sagen zelebriert.
7 Jahre, 68 Gigs in fast immer dieser Besetzung.
Leider auch jede Menge an Kilometern zurückgelegt und mit Magenproblemen gekämpft.
Wenn die Schmerzen stärker sind als der Spaßfaktor dann ist es Zeit zu gehen.
Das war er nun, mein letzter Gig als offizielles Bandmitglied von DREAMER.
Wünsche meinem Nachfolger Reiner, einem super Musiker, viel Erfolg und Spaß mit der Band und den Fans.

Der EX- Nebenmusiker Tom


Es war ein großes Geschenk für mich, als Mensch und Musiker mit dir zusammen so viel Zeit verbracht zu haben, ehrlich!
Machs gut - und erhol dich von unserer Chaotentruppe ;-)
Dein Nebenmusikerfreund Toff

Musiktheater PIANO aus der Sicht von Schallwellendompteur Blechi (Foto: Quint)

TOFFBLOG - Sa, 11.10.2014

Dortmund (Nordrhein-Westfalen) - Musiktheater PIANO
Bei unserem 68. Konzert sind wir endlich im Ruhrpott gelandet, mittendrin, im Rückspiegel erkenne ich das Ortsschild von Bochum, und vor uns ebenfalls, dabei sind wir laut Navi in Dortmund. Die Städte verschwimmen ineinander und sind nur auf den Rängen der zahllosen Fußballstadien strikt voneinander getrennt. Industrie und Bergbau haben ihre Grauschleier über die Straßenzüge gelegt, die erwartungsgemäß trostlos daherkommen. Ortsnamen wie Sprockhövel, Erkenschwick oder Castrop-Rauxel gemahnen schon rein klanglich an Pseudokrupp. Auch das altehrwürdige Musiktheater PIANO wuchert mit unübersehbarem Renovierungsstau, der jedoch einen gewissen Charme hat, wie auch die Jugendstilelemente, die den ehemaligen Tanzsaal mit ehrfurchtgebietender Raumhöhe zieren.
Dieser Abend wird sich in zweierlei Hinsicht ins kollektive Gedächtnis brennen. Da wären zum einen die Bühnen (Plural) - es sind gleich deren zwei: eine üppige Front, auf der sich Knieborder und Vokalakrobaten austoben können; dahinter erstreckt sich mit einem meterhohen Absatz eine zweite Ebene, mit der die Trennung zwischen Haupt- und Nebenmusikern für das Publikum auch optisch nachvollziehbar wird: von oben herab dürfen sich die Saitenhelden, Fellstreichler und Beckenhauer verdingen - sowie der wichtigste aller Nebenmusiker, Tom, der Blasebalg, der Multiinstrumentalist, der erklärte Publikumsliebling, und derjenige, der uns nach dem Konzert verlassen wird. Er spielt so locker und befreit auf, als gäbe es kein Morgen. Und den gibt es ja auch nicht für ihn, zumindest nicht als DREAMER. Völlig entspannt und ohne Groll verabschiedet er sich nach der Fool's Overture und dem strapaziösen Bühnenabbau ins nächtliche Lichtermeer des Ruhrpotts in ein dreamerfreies Leben - "I'm a poor lonesome cowboy, I'm a long long way from home" würde Lucky Luke jetzt singen - nur um im Januar noch einmal aufgrund einer Terminkollision für seinen Nachfolger einzuspringen. Übrigens steht noch die Gage aus: nach Abzug aller Abzüge für Bus, Sprit, Hotel, Agentur etc. verbleiben 11,11 EUR pro Nase. Ruhrpott, wir kommen gerne wieder! Nämlich am 5. Dezember in die berühmte ZECHE - mit einem neuen Mann am Gebläse und Dortmund im Rückspiegel.

Narren im Zirkuszelt (Fool's Overture in Bad Münder, Foto/Montage: Toff)

TOFFBLOG - Sa, 27.09.2014

Bad Münder (Niedersachsen) - Rockzelt "Camp Balu"
Eintausendeinhundert Kilometer zeigt das Display, als ich Sonntag nachmittag den Tourbus nach Püttlingen zurückbringe. Die dritte Extremtour für dieses Jahr (nach Garching und Goldenstedt), und nachdem wir für das kommende Jahr einen neuen Masterplan beschlossen haben, um den Erhalt der Band zu sichern (weniger Konzerte bei max. 350 km Entfernung), bedeutet dies: es war wohl auch die letzte Extremtour dieser Art. Und wieder geht es früh morgens los zum fröhlichen Equipment-Tetris beim Busbeladen. Blechi als hellwacher Pilot und Michi als schlafender Beifahrer (nein, Beischläfer ist etwas anderes!) befördern die Dreamer-Fracht samt Managerin Nici Richtung Hannover; auf der fast ereignislosen Fahrt passieren wir Bielefeld, zumindest weisen Hinweisschilder darauf hin. Mich interessiert ja schon seit langem, wie die das gemacht haben, wie gut die Illusion tatsächlich wirkt, wo doch jeder weiß, daß diese Stadt gar nicht existiert (Wikipedia: Bielefeldverschwörung).
Der ganze Zirkus, den man mit dieser Band hat, münde(r)t heute im angemessenen Ambiente, wir spielen zum ersten Mal in einem Zirkuszelt! Jürgen Beckers Rockzelt Camp Balu KG ist eine idealistische Zweckgemeinschaft mit sagenhaft viel Herzblut. Seit 2011 baut man jedes Frühjahr auf der grünen Wiese am Stadtrand von Bad Münder am Deister im Landkreis Hameln-Pyrmont das gewaltige Zelt auf, verlegt den Plankenboden, genießt eine Saison mit Tributebands aus ganz Deutschland (die üblichen Verdächtigen, die seit Jahren unseren Weg kreuzen, wobei dies immer das angenehme Gefühl evoziert, zu diesem Zirkus dazuzugehören), um dann im Herbst das gesamte Zelt in tagelanger Knochenarbeit wieder einzumotten.
Die Atmosphäre auf und hinter der Bühne unter der Zeltplane unterscheidet sich kaum von herkömmlichen Clubs, außer daß man beim Auf- und Abbau gerne mal über Spannseile, Schwellen, Stricke und Trossen stolpert oder sich aufhängt, und das Publikum hat keine Kuschelecken, in die es sich vermuscheln kann, um dem Schalldruck des saarländischen Achters mit Steuermann zu entrinnen.
Die Bühne ist bereits um 19 Uhr angerichtet - das nahegelegene Wohngebiet gebietet keinen Rock'n'Roll nach zehn Uhr abends. Und so fangen wir pünktlich an und hören nach vier Zugaben auch erst kurz nach zehn auf. Während sich drinnen die Stimmung bei hereinbrechender Dunkelheit allmählich aufheizt, genießen draussen auf dem Parkplatz die Rock'n'Roll-Schmarotzer ihr Dosenbier bei nahezu ungedämpfter Beschallung. Optisch entgeht ihnen natürlich die halbe Miete. Elke und Hartwig Möller schreiben fünf Tage nach dem Konzert ins Gästebuch des Rockzelt: "...wir hatten das Glück, die tolle Coverband DREAMER erleben zu dürfen. Es war total super, die Band war so gut drauf und hat den Supertramp-Sound klasse rübergebracht. Wir freuen uns schon auf das Programm 2015." Ich sage herzlichen Dank (und meine das auch so: herzlich) und wünsche dem Team vom Camp Balu, daß sie noch viele Sommer lang den Rockzirkus in ihrem Zelt am Leben erhalten.

TOFFBLOG - Sa, 30.08.2014

Goldenstedt (Niedersachsen) - KULTURerLEBEN (Open Air)
"Gibt es einen Traum, den Sie immer wieder träumen? – Ja. Ich stehe morgens auf, gehe ins Badezimmer und an den Kacheln stehen alle Klosprüche der Autobahnraststätte Wildeshausen Nord." (Heinz Rudolf Kunze)
Mit dem Dreamer-Tourbus passieren wir etliche Autobahnraststätten auf dem langen Trip nordwärts ins "Oldenburger Münsterland". Die Ortschaften im näheren Umkreis klingen nach knorriger norddeutscher Musikhistorie: Delmenhorst (Element of Crime), Großenkneten (Trio), Osnabrück und Wildeshausen-Nord (H.R. Kunze), nicht zu vergessen die Bremer Stadtmusikanten. Unser Ziel heißt verheißungsvoll Goldenstedt, aber die Farben des Himmels sind nicht annähernd gülden, sondern grau in grau. Genauer gesagt: es regnet. Eigentlich regnet es ununterbrochen seit unserem Auftritt am Kulturbahnhof vor sechs Wochen, also bringen wir Regengötter das miese Augustwetter einfach mit. Als wir den Landkreis Vechta und mittendrin Goldenstedt erreichen, kommt es uns vor, als führen wir verkleinert im Spielzeugbus durch eine Märklin-HO-Stadt, so aufgeräumt, rasengemäht und herausgeputzt erscheint uns das Städtchen mit seiner Backstein-Architektur (da es an Steinbrüchen mangelt, müssen die Norddeutschen ihre Steine selber backen). Die Fassaden erscheinen fast wie Kulissen, und selbst das spärliche Moos in den Fugen des Ziegelpflasters wirkt wie gewollt. Nur Menschen hat es nahezu keine auf den Straßen. Die kommen dann dennoch einigermaßen zahlreich und bei abendlich zunehmend trockener Witterung auf den Rathausvorplatz zum "KULTURerLEBEN"-Event. Martin Meyer ist Dreh- und Angelpunkt des Kulturkreises, der erstmals ein Open Air-Konzert veranstaltet. Nichts liegt also näher, UNS einzuladen. Bühne, Catering, Getränke (man trinkt bremisches Haake-Beck), Garderobe, Unterkunft und Support-Act (das Goldenstedter Schüler-Quintett "Glideside" spielt erstaunlichen Jazzrock!) - alles ganz wunderbar, man kümmert sich rührend um die Band von weit her, und das zahlen wir den Organisatoren und über dreihundert Besuchern dann auch gebührend heim mit einem leidenschaftlichen Konzert, bei dem der Funke schnell überschnappt. Unsere Mundakrobaten sind die Stars des Abends: Tom bläst ein Solo mitten im Publikum und hinterläßt eine Pfütze dahingeschmolzener Damenherzen, während Rainer, das Duracelläffchen, und Daniel, der Fels, die Brandung in den vorderen (vorwiegend weiblichen) Zuschauerwellen zum Schäumen bringen. So ganz nebenbei feiert Stefan einen seiner vierzigsten Geburtstage auf der Bühne (still und heimlich, weil unsere Zampanos am vorderen Bühnenrand es zu erwähnen vergessen). Über allem schwebt mal wieder Blechis fantastische Soundmischerei, nicht zu vergessen die eintausendeinhundert Kilometer, die er am Tourbussteuer an zwei Tagen abreisst.
Unterm Strich war diese Ochsentour so erbaulich, daß unsere 350-km-Doktrin ein wenig ins Wanken geraten ist. Darauf noch ein Haake-Beck. Moinsen!

Dreamer verstehen Bahnhof (Foto: Thomas Schuler)

TOFFBLOG - Fr, 11.07.2014

Püttlingen (Saarland) - Kulturbahnhof (Open Air)
Es war die bis dahin nasseste Woche des jungen Sommers 2014, doch dieser Freitagnachmittag auf dem Bahnsteig des Püttlinger Bahnhofs stimmt zuversichtlich: es bleibt während Bühnenaufbau und Soundcheck trocken, denn die Sonnenkönige sind wieder da. Zum vierten Mal spielen wir in diesem überaus ansprechenden Freiluftambiente zwischen den stillgelegten Gleisen der Köllertalbahn. Die Stimmung ist - nach den Stürmen der vergangenen Wochen - ausgelassen und entspannt. Augenscheinlich auch bei Tom, denn wir spielen quasi vor seiner Haustür. Nein, es ist nicht sein Abschiedskonzert bei DREAMER, und nein, wir werden dies auch nicht verkünden, selbst wenn wir die Weichen für seine(n) Nachfolger(in) gestellt haben sollten. Zurück auf den Bahnhof: ohne Entgleisungen nimmt unsere Lokomotive Fahrt auf, nachdem Heike Kolling-Krumm vom Kulturforum eine herzliche Durchsage auf dem Bahnsteig gemacht hat. Und mit einer Dreiviertelstunde Verspätung ist er dann doch da - der große Regen! Die Regengötter (formerly known as Sonnenkönige) auf der großzügig überdachten Bühne legen noch ein paar Schippen Koks nach (nicht was ihr jetzt meint!) und bringen den Regen vor der Bühne zum Dampfen - zumindest sieht es vom Bahnsteig betrachtet so aus. Die gut 500 Zuschauer lassen sich von dem Unwetter wenig beeindrucken, niemand geht nach Hause, man rückt unter den Bistroschirmen enger zusammen, und ein halbes Dutzend Kids führt direkt vor unserer Nase einen Regentanz auf, daß es eine Freude ist. "It's Raining Again" intoniert Rainer passend und ungezwungen im Publikum, wie ein begossener Pudel kehrt er zur Stagefront zurück. Die weißen Deutschland-Trikots waren leider ausverkauft, sonst hätte ich heute abend darin gespielt. Denn dieser verregnete Abend ist zugleich die historische Ruhe nach dem 7:1 und vor dem WM-Finale gegen Argentinien. Darüber wird die Welt in zwei Tagen reden, und nicht mehr über das Konzert der Regengötter.
Dennoch - Püttlingen mit seinem wunderbaren Publikum ist immer wieder eine Reise wert, auch weil es gar keine Reise ist, sondern ein Heimspiel. So wie es aussieht, das letzte für längere Zeit.

Fotos Bahnhof: Thomas Schuler
* DREAMER am Bahnhof Püttlingen (Fotostrecke)

DREAMER am Bahnhof Püttlingen (Foto: Thomas Schuler)

DREAMER am Bahnhof Püttlingen (Foto: Thomas Schuler)

Famous last blows (Tom mit Didier im Kubana, Foto: Alex 2013)

TOMBLOG - Dreamer sucht Saxofonist/in


"Meistens hat, wenn zwei sich scheiden, einer etwas mehr zu leiden." (Wilhelm Busch)
Thomas Lay
, genannt Tom, war charakterlich das unbeugsame Rückgrat von DREAMER, eine Bank an Zuverlässigkeit und Integrität, und menschlich ein unergründliches Rätsel. In den vergangenen Monaten hat er sich immer weiter von der Band, ihren Eigenarten und Zielvorstellungen entfernt. Seine beispiellose Vielseitigkeit und Musikalität sind nicht zu ersetzen. Und genau dies sind wir nun doch gezwungen zu tun: eine(n) Nachfolger(in) für die vakante Position am Saxofon zu suchen!
Tom ist also auf DREAMER-Abschiedstour. Jedes kommende Konzert kann sein letztes sein. Das ist bedauerlich, traurig und unwiderruflich.

In diesem Zuge verkündet ein weiteres Bandmitglied seinen Ausstieg - aus familiären Gründen. Für einen Augenblick haben DREAMER aufgehört zu existieren - um sich dann einvernehmlich neu zu erfinden: wir werden auf ca. ein halbes Dutzend Konzerte pro Jahr reduzieren im Umkreis von max. 350 km (Dortmund - Nürnberg - Zürich - Brüssel) bei Konzentration auf die "wesentlichen" Locations - unter diesen Voraussetzungen verkündet der ungenannte Familienvater seinen Rücktritt vom Ausstieg. Das Aufatmen der Band überdeckt für einen Moment Toms Ausscheiden. In der dunkelsten Stunde rücken die Verbliebenen enger zusammen, um das Licht zu erhalten. Das mag ein wenig pathetisch klingen. Aber was wir in sieben Jahren aufgebaut haben, ist so schnell nicht tot zu kriegen. Daher: the show must go on!

TOFFBLOG - Sa, 14.06.2014

Idstein-Wörsdorf (Hessen) - Scheuer
Achim Schmidt, von allen nur Achmed genannt, ist ein überaus netter und aufmerksamer Gastgeber. Er mag DREAMER zwar nicht sonderlich, aber es ist seiner Aufmerksamkeit nicht entgangen, wie aphrodisierend diese Band auf sein Publikum wirkt und es in Scharen anlockt. Wir füllen beim zweiten Gastspiel die Scheuer wieder bis kurz vor der Platznot - im Saal, und auf der Bühne sowieso - und beginnen bereits drei Minuten vor acht mit unserer Intromusik. Aus Zeitmangel (halb elf als Deadline und zusätzlich eine Pause) werden gleich fünf Songs aus der Setlist gestrichen. Von denen drei wieder kurzfristig und auf Zuruf ins Programm diffundieren, weil wir wider Erwarten gut in der Zeit liegen. Sage niemand, diese Bääänd sei auf ihre alten Tage nicht flexibel wie ein Brauseschlauch. Auch wenn die kalte Dusche nicht lange auf sich warten läßt.
Über 200 Gäste sind verzaubert, singen viele Passagen - auch der eher unbekannten Perlen - begeistert mit, und alle Mühen dieses Tagesausflugs sind wieder wie weggeblasen beim Bad in dieser dankbaren Menge, die uns die Antwort gibt auf alle Fragen nach dem Sinn unseres strapaziösen Hobbies.
Seit sechs Jahren spielen wir nun in gleicher Besetzung, gehen gemeinsam durch dick und doof, ertragen mehr oder weniger stoisch unsere veritablen Macken und Profilneurosen, verfolgen mit angehaltenem Atem den Pendelschlag zwischen Kulmination und Chaos, ein zusammengeschweisstes Kollektiv mit unterschiedlichen Materialstärken und Sollbruchstellen auf der Schwelle zum überregionalen Durchbruch.
Dies wäre dramaturgisch der richtige Zeitpunkt, auseinanderzubrechen. Und genau so wird es bald kommen.

TOFFBLOG - Sa, 31.05.2014

Garching/ Wald a.d. Alz (Bayern) - Gasthaus Zum Bräu (Luckyman Concerts)
Hans Wiesmüller ist vermutlich der einzige Veranstalter, der vor einem DREAMER-Konzert die ToffBlogs gelesen hat. Er wußte also Bescheid, was er sich da für eine Laus in den Pelz gesetzt hat. Servus, Hans - hot sichs geloant, daß die Buam bei dia gespuit hoam?
Fast 1.100 km an zwei Tagen - der 36-Stunden-Trip ins Alpenvorland in seiner gnadenlosen Chronologie:
Um halb sechs klingelt der Dreckswecker, mein Körper wird vier Stunden vor seiner Zeit in den Samstagmorgen gerissen. Kurz nach sieben schlage ich in Püttlingen bei Lay-Reisen auf und übernehme den Neunsitzer-Tourbus. Dreiviertel acht erreiche ich den Sulzbacher Proberaum. Michi, unser Schläger, ist der Erste vor Ort, ich muß also in einem Paralleluniversum sein. Halb neun setzt sich der vollgeladene, aber wieder nicht vollbesetzte Dreamer-Sprinter in Bewegung gen Oberbayern; Tom, Didier und die vier Münsters (zwei Zwei- und zwei Vierbeiner) reisen aus verschiedenen Gründen und Richtungen an oder sind bereits im Landkreis Altötting nahe des Chiemsees. Wir haben 530 km vor uns bis kurz vor der österreichischen Grenze; zwischen Karlsruhe und München zählen wir 11 Baustellen, kommen aber einigermaßen störungsfrei durch. Die restlichen 80 km jenseits von München gehen übers Land (das hier noch erstaunlich flach ist), die Straßen werden in gleichem Maße schmäler wie die Landschaft schöner. Alles picobello hier. Eine Weißbierwerbung will einem da nicht mehr aus dem Kropf. Meinetwegen auch aus dem Kopf.
Steuermann Blechi und die vorlaute Schnalle von Navi bringen uns sicher zum Brauereigasthof Wiesmühl in Garching, wo uns Didier und Martina bereits sehnsüchtig erwarten. Oder zumindest erwarten. Nach kurzem Batterieaufladen mit süffigem bayerischen Gerstensaft gehts weiter ins eingemeindete Wald an der Alz zum Gasthaus "Bräu", das die kommenden Stunden zu unserer Heimstätte wird: ein ehemaliges Sudhaus aus dem 18. Jahrhundert mit wuchtigem Deckengewölbe, urigen Kronleuchtern und schattigen Nischen. Hans, das P.A.-Team und die Gasthöfler nehmen uns herzlich in die Mitte, trotz des gnadenlos Oberbayerischen gibt es keine Verständigungsprobleme, wir rhein/moselfränkeln gnadenlos zurück.
Die Bühne hat eine stattliche Fallhöhe, auch schall- und lichttechnisch alles im grünen (oder weißblauen) Bereich. Tom erwartet uns schon mit komplett justiertem Equipment, und auch die Eheleute Münster samt zwei pechschwarzen Schwanzwedlern (Fluke und Yoda) stoßen alsbald zum Familientreffen. Was für eine Idylle!

Nach dem mühseligen Bühnenaufbau (es ist eng, aber nicht zu eng) freuen wir uns auf den Soundcheck, denn NACH dem Soundcheck ist VOR dem Essen. Als besonderes Lekkerlein gibt es für alle Interessierten noch einen Kurztrip zu einem Aussichtspunkt, von dem aus die Alpen zu sehen seien. Daß es hier Berge geben soll, halte ich für ein Gerücht, ich halte mich lieber an das Gericht mit Bergen von Pommes und einem tellergroßen, unfassbar dünn geklopften Wiener Schnitzel - was sind das für Tiere, aus deren Rippen man solche Tranchen schneiden kann!?
Ab 20 Uhr strömen die Massen aus dem Umlandpanorama in den Gewölbesaal, ein annähernd volles Haus erwartet uns, während unsre Körper noch mit Verdauen beschäftigt sind. Einige beachtliche Schnitzelhälften bleiben vorerst unzerkaut, werden liebevoll eingepackt und hadern ihrem Schicksal entgegen.
Werden alle noch verschlungen werden? Werden wir es in diesem Blog noch erfahren? Gibt es noch wichtigeres zu berichten?
Nachdem Hans Wiesmüller seine Ansage gemacht hat, die wir auch rein sprachlich kaum verstehen (die 200 Zuschauer aber sehr wohl), geht es gladiatorengleich durch die Publikumsmassen hindurch hoch zur Bühne und rein in die Show. Blechi an den Schaltern und Reglern hat wieder alles im Griff, genau wie Dreamer das Publikum. Schon nach 2 Songs ist die sympathische oberbayrische Audienz vehement auf unserer Seite. Es wird - ungeachtet aller Strapazen - ein irre schöner Abend, wie auf Daniels mittlerweile üblichem Facebook-Publikums-Schnappschuss gut zu sehen ist. Wer also mal vorhat, ein Dreamerkonzert im Krankenschein zu besuchen, sollte vorbereitet sein und vermummt kommen.
Der schweißtreibende Gig verläuft einigermaßen reibungslos, mit den üblichen Malaisen. Daß Didiers 12-Saitige bei Give a little bit wieder einmal ausfällt, weil abermals ein Kabel zum Teufel gegangen ist und wir erneut total unplugged im Publikum spielen, was wieder total gut ankommt, ist nichts Neues. Es gibt Dinge in dieser Band, auf die ist einfach Verlaß! So könnte z.B. das schrottige Keyboardständerwerk und erbarmungswürdige Notenblattgehäuf das chaotische Seelenleben unserer Tastengötter widerspiegeln, aber das ist natürlich nur eine Mutmaßung. Oder z.B. unser lieber Gebläsemann, der so richtig (aber so RICHTIG) überhaupt keinen Bock auf so weite Entfernungen hat - kaum hat er eines seiner tausend Saxophone umhängen, mutiert er jedesmal zum Sexiest Man Alive und uneingeschränkten Publikumsliebling, ob er will oder nicht. Auch darauf ist Verlaß. Da können unsere beiden Sänger soviel zappeln, wie sie wollen. Und sie zappeln viel!
Natürlich wird es wieder locker Mitternacht, bis wir das Crescendo der Narrenouvertüre aushauchen. Die Setlist-Diskussion ist stets eine der heißesten hinter den Dreamer-Kulissen. Es ist nicht möglich, alle Perlen von der Kette zu lassen, doch der Harem an Lieblingssongs, die einfach ständig bespielt werden wollen, ist zu üppig, um auch mal vor Mitternacht fertig zu sein.
Noch schnell ein Erinnerungsfoto mit einer feschen Bajuwarin, bevor wir im Nieselregen das Equipment wieder in den Sprinter verstapeln und die Erschöpfung unsere Knochen durchdringt. Mit schwindenden Kräften erreichen wir unsere Garchinger Schlafstatt, manche fallen ohne Bedrängnis sofort in die Federn, manche versorgen ihr liebevoll verpacktes Schnitzelstück fein säuberlich in der Nach(t)tischschublade, manche nehmen noch an einer Whiskyverkostung teil, wie es Brauch ist in dieser Familie.

Viertel nach sechs klingelt der beschissene Scheißdreckswecker, der Wald steht still und schweiget und aus den Kissen steiget mein siecher Körper und fragt mich, ob ich sie noch alle habe. Der harte Kern ist früher am Tisch als die Frühstückssemmeln fertig sind. Der getrocknete Hopfen am Gebälk sieht pittoresk aus. Rainer vermeldet, er hätte auf bayrisch geträumt. Die Eheleute Münster schlafen fest, mitsamt dem Spritgeld für unsere Rückfahrt. Wir überlegen nach diversen gescheiterten Anrufversuchen, einen Zettel unter der Zimmerür durchzuschieben. Daniel schlägt vor, ein Stück Wurst unter der Tür durchzuschieben, um Fluke und Yoda aufzuwecken. Schließlich gelingt es Rainer mit der göttlichen Eingebung, einfach mal an der Tür zu klopfen, und wir können endlich monetär gestärkt die lange Heimreise antreten.
Was bleibt ... vom Dreamer-Besuch in Garching an der Alz?
Verblassende Erinnerungen an ein strapaziöses Weekend, die Bergsilhouetten am Horizont, die oberbayrische Gastfreundlichkeit ... und natürlich das Schimmelbiotop der verwesten Schnitzelhälfte, die irgendjemand im Nachttisch vergessen hat.

TOFFBLOG - Sa, 10.05.2014

Siegburg (Nordrhein-Westfalen) - Kubana
Obwohl wir auch die ein oder andere Diva im Gepäck haben, können DREAMER an diesem Abend nur abstinken gegen Conchita Wurst, den österreichischen Transvestiten, der im Handstreich den Eurovision Song Contest gewinnt ("The Wiener takes it all") und uns vermutlich fünf bis zehn Zuschauer im Kubana kostet. Es sei ihm/ ihr gegönnt. Genauso sei uns das Kubana gegönnt, unser heimlicher Lieblingsclub und Tempel der Lust. Es wird langsam schierig, beim fünften Mal noch was Neues zu schreiben, und so ist das Beste, daß alles beim Alten ist: die üppige Bühne, die fette Lightshow, die kompetenten und hilfsbereiten Techniker, der geräumige und bühnennahe Backstagebereich, der gefüllte Getränkekühlschrank und natürlich - ihr kennt uns mittlerweile - das unfassbar leckere Catering. Die Salsa Camagüey (Mango-Avocado Dip) und das Carne Habana kann ich wärmstens empfehlen! Die Stärkung ist auch nötig: zweieinhalb Stunden Anfahrt und nochmal zweieinhalb Stunden Bühnenaufbau in Tateinheit mit einem an Störgeräuschen reichen Soundcheck (bei dem Blechi am Ende wieder Punktsieger bleibt) liegen hinter uns, fast drei Stunden "Crime"-Show (inkl. Pause) sowie die nächtliche Rückfahrt sind noch zu absolvieren. Da läßt man sich zwischendurch nur allzu gerne im Kubanischen Restaurant nieder.
Das komplette zweite Set ist wieder dem Geburtstagskind gewidmet ("40 Jahre Crime of the Century"); die über zweihundert Zuschauer kommen auch in den Genuß von DSDSLCN (s. Bel Étage) und der mal wieder ziemlich hemmungslosen Spielfreude dieser Band, bei der ich ab und an gerne selber mal im Publikum stehen würde, um mitzuerleben, was da auf der Bühne an geordnetem Gezappel abgeht.
Es gibt keine besonderen Vorkommnisse. Außer, daß es immer und immer wieder ein besonderes Vorkommnis ist, hier zu spielen.

TOFFBLOG - Sa, 05.04.2014

Rüdesheim (Hessen) - Hajos Hotel Germania
Das Spektakulärste an diesem Day-Out sind der schockbunte Toilettenraum im Gasthaus Marianne in der weinseligen Drosselgasse und der Augsburger Sieg gegen die doofen Bayern. Dummerweise ist Hajos Irish Pub eine Bayern-Fankneipe, fällt mir nach meinem hämischen Jubel auf. Keine gute Basis für einen gedeihliche Zusammenarbeit. So ist denn auch der Dreamer-Auftritt merkwürdig spannungslos und eher unter "ferner liefen" zu verbuchen. Die Bühne hat sich seit vergangenem Jahr nicht wesentlich vergrößert (Sardinenbüchsenfeeling), die Störgeräusche der benachbarten Bahnlinie sind zu vehement, der Publikumsandrang zu überschaubar, als daß im kommenden Jahr eine dritte Auflage unseres Rüdesheim-Gastspiels blühen könnte. God only knows...
Zudem weiß ich nun, was es bedeutet, um fünf Uhr morgens den (Aus-)Lay-Bus vollgetankt und leergeräumt nach Püttlingen zurückzubringen. 17 Stunden unterwegs... From Dusk Till Dawn... wie ein Untoter falle ich zuhause ins Koma.

Crime of the Century in 3D - optisches Highlight der Bel Étage-Performance (Foto: Nici)

TOFFBLOG - Fr, 21.03.2014

Saarbrücken (Saarland) - Bel Étage
Dieser Abend steht unter dem Motto "40 Jahre Crime Of The Century", und die Zeit ist reif für ein neues Kapitel DSDSLCN (Dreamer-stellen-die-Supertramp-LP-Cover-nach). Im zweiten Set führen wir das berühmte Album komplett am Stück in Original-Reihenfolge auf (und vergessen auch nicht, nach Asylum die knisternde Schallplattenseite umzudrehen). Während Toms geisterhafte Mundharmonikaklänge School ankündigen, wird die Bühne von einer schwarzen Leinwand verdeckt - der Weltraum, unendliche Weiten, der Hintergrund des Original-Plattencovers. Daniel (für das Publikum nicht sichtbar) streckt seine Arme durch zwei Schlitze im Prospekt und packt sich das überdimensionale Gefängnisgitter - fertig ist das Crime-Cover in 3D. Von der Idee bis zur Ausführung eine beeindruckende Teamarbeit des Ehepaars Münster, chapeau! Tatsächlich wird dieser (einmalige?) Showact erst zwei Stunden vorm Konzert zum ersten Mal installiert, geprobt und für gut befunden. Sage niemand, nach 60 Dreamer-Gigs fehle es dieser Band an Spontaneität.
Unterm Strich bleibt das Konzert ein wenig hinter der Bonner Harmonie zurück (was aber auch kaum zu toppen ist), doch das Saarbrücker Publikum, die warmen Worte von Manager Bruch und die stilvolle Location machen den Abend zu einem neuerlichen Erlebnis.
Unter den 300 Zuschauern ist auch ein gutes Dutzend meines Abiturjahrgangs (1982, ihr Vorwitztüten!) - ein wunderschönes Klassentreffen mit vielen nostalgischen Erinnerungen. Das hätte dir gefallen, Sabby, wir vermissen dich sehr.

TOFFBLOG - Sa, 11.01.2014

Bonn (Nordrhein-Westfalen) - Harmonie
Auch in dieser Band - wie in jeder besseren Familie - kann die Stimmung mal so richtig scheiße sein. Und viel scheißer als an diesem Nachmittag geht auch gar nicht. Bonner Disharmonie. Haussegen in Schieflage. Kaltstart ins bislang phetteste aller Dreamer-Konzertjahre. Das ändert sich alles schlagartig um Punkt acht mit den ersten Tönen unseres Intros aus Brother Where You Bound: wie verwandelt ziehen wir am unsichtbaren gleichen Strang auf die Bühne und machen zweieinhalb pausenlose Stunden lang das, was Dreamer am besten kann: ein musikalisches Feuerwerk abbrennen! Und das Publikum im randvollen Premiumclub feiert und feuert mit - von allen Dreamer-Gigs habe ich niemals eine solch euphorische Resonanz erfahren, es ist ein unvergessliches Erlebnis, hier und heute zu spielen, und selbst der sonst eher zurückhaltende Gesellschafter Wolfgang Koll läßt sich zu einem "so eine Stimmung habe ich hier noch nie erlebt" hinreißen. Ein hinreißender Abend, ganz nah dran an etwas, was man als den "perfekten Dreamer-Gig" bezeichnen könnte. Unglaublich, was ein paar Terzen und Subdominanten an der richtigen Stelle vermögen. Bonner Harmonie. Während unser Tourbus nächtens heimwärts fliegt, glaube ich im Hinwegdämmern die engelsgleichen Stimmen von Agnetha und Anni-Frid zu hören... Thank You For The Music

The Never Ending Schlampen-Tour (Dreamer im Kubana; Foto: Alex)


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