Sie sind hier: D R E A M E R ToffBlogs 2015

DREAMER bedanken sich bei allen Fans für die grandiose Unterstützung im Jahr des Umbruchs 2015 (Foto: Alex, 03.10.2015, Kubana)



TOFFBLOG - Fr, 20.11.2015

Bochum (Nordrhein-Westfalen) - Zeche
Eine Woche nach den Terroranschlägen in Paris, als eine Horde geistesgestörter Irrgläubiger des "I.S." versuchte, in ihrer lächerlich-fanatischen Tunnelsicht die "Hauptstadt der Prostitution und Sünde" und die freie westliche Welt ins Mittelalter zurückzuschießen und u.a. im Konzerttempel BATACLAN ein Massaker anrichtete, exakt eine Woche später zeigt das Bochumer Publikum Flagge und füllt die ZECHE bis auf den letzten Rang der Galerie. Auch unsere Band zeigt Flagge - im wahrsten Sinne des Wortes - mit dem projizierten Cover des berühmten Livealbums PARIS (s.o.) und der von Mireille Mathieu geschmetterten Marseillaise als Konzertintro, gefolgt vom gefühlvoll intonierten halb-akustischen "Even in the quietest moments". Für einen ungewöhnlichen Zweistunden-Set ein ganz und gar ungewöhnlicher Einstieg, der bandintern heiß debattiert wird. Manch einem ist das zuviel der Symbolik, was unseren Lead-Keyboarder nicht davon abhält, in der Coda von "Rudy" gleich nochmal die französische Nationalhymne zu recyclen. Doppelt hält besser, das ist gelebte LIBERTÉ!
Für Blechi an den Reglern ist es gesundheitsbedingt der erste Zechen-Einsatz. Rainer tauft ihn in "Zechi" um, während Reiner K. hier im Vorjahr seinen Dreamer-Einstand blies und heute nur dank Antibiotika blasen kann ("zur Not kotz ich auf die Bühne").
Was das für ein Top-Laden ist, beweist einmal mehr die Technik-Crew, die in Windeseile die fehlende Leinwand (Thema: ein Anruf hätte genügt) durch zwei imposante Türme mit TV-Bildschirmen ersetzt, die Michis Schlagzeugpodest eindrucksvoll flankieren.
Das hat sicht- und platztechnisch zur Folge, daß wir alle (Haupt- und Nebenmusiker) nach vorne an die Bühnenfront rücken, wie an der Leine aufgezogen, ein einmaliges optisches Gleichgewicht, gelebte ÉGALITÉ!
Didier und Toff vorne an der Rampe - das bewirkt ungeahntes Feedback aus dem Publikum: "ich wußte gar nicht, daß ihr beiden soviel singt! Das ist mir jetzt zum ersten Mal aufgefallen!" Ergo: nur was man sieht, hört man auch, q.e.d.
Apropos Feedback: ich werde nach dem Konzert von der Dame aus der ersten Reihe um mein Plektrum gebeten. Wow! Nach 35 Jahren Musizieren eine echte Premiere! Ich rücke natürlich mein schönstes Plektrum raus, mit dem ich immer "Another Man's Woman" auf dem Rickenbacker dresche. Dummerweise fällt dieser Hammersong heute abend der Zeitschere zum Opfer, denn in der Zeche ist kurz nach zehn Schichtwechsel, es geht schlagartig weiter mit der 80er-Disco.
Ansonsten ziehen wir die Setliste nonstop und kompakt durch, so daß als erste Zugabe endlich "Rosie had everything planned" zu Ehren kommt, ein leicht entstaubtes Kleinod aus dem längst vergessenen zweiten Album "Indelibly Stamped", mit Toff an der 12-saitigen (und mit Plektrum), gefolgt vom brachialen "Crime of the Century", bei dem Daniel und Rainer wieder ihr Bad in der Menge nehmen.
Die überlange "Fools Overture" werden wir wohl bei diesem engen Zeitplan nie in der Zeche spielen können - es sei denn, der Wille des Volkes ist stärker, ab und an werden von uns ja auch Publikumswünsche erfüllt, siehe "Rosie", lassen wir es mal drauf ankommen ;-)
Zumindest für ein drittes Engagement 2016 in der Zeche haben wir die amtliche Zusage. Wir freuen uns schon darauf!
Die Techniker bestimmt auch, denn "in der Geschichte der Zeche gab es noch nie eine Band, die schneller abgebaut hat als ihr!"
Um Viertel nach elf starten wir bereits vollbeladen Richtung Saarland. Nach all der Hektik der vergangenen Stunden kommt allmählich die Erkenntnis: Was für ein scharfes Konzert! Was für ein scharfes Publikum!Was für eine sauscharfe Currywurst!
Immer wieder erstaunlich, wie diese Chaotentruppe mit nicht vorhandener Probenkonstanz solche Konzertabende stemmt - die letzte vollständige Zusammenkunft seit dem Kubana-Gig war der Kubana-Gig. Das ist gelebte FRATERNITÉ!
Manchmal wünschte ich mir, in einer strukturierten, exzentrikerfreien, bestens durchorganisierten, extrem erfolglosen Band zu spielen.
Aber umgekehrt is' schon geiler.


Zeche Bochum, Gruppenfoto von der saarländischen Band, die die Hütte voll macht

TOFFBLOG - Sa, 03.10.2015

Siegburg (Nordrhein-Westfalen) - Kubana
Das halbe Dutzend ist voll. Zum sechsten Mal reisen wir nach Siegburg in unseren Lieblingsclub aller Lieblingsclubs, und Kubana-Chef Jürgen Hoffmann begrüßt uns mittlerweile wie gute alte Bekannte, was wohl daran liegt, daß wir gute alte Bekannte geworden sind.
Beim diesjährigen Gastspiel treten Dreamer nicht gegen Conchita Wurst an, heute spielt parallel auf dem Siegburger Brauereifest die Kölner Tributeband MAM (und ich überlasse es eurer geschätzten Fantasie herauszufinden, wem diese Band ihren Tribut zollt). Das - und die Verlegung unseres Slots in den Herbst - kosten uns mutmaßlich eine halbe Hundertschaft an Zuschauern. Trotzdem ist der Laden wieder angenehm gefüllt, und überhaupt ist so ziemlich alles hier ANGENEHM: die Zuwegung vom Parkplatz zum Backstagebereich und der chilligen Künstlergarderobe (im Gegensatz dazu wirken die 7 Eichen in Affalterbach wie ein Dschungelcamp), die helfenden Hände, der flockige Soundcheck, die rockende Lightshow, und darf ich nochmal die unglaubliche Salsa Camagüey erwähnen, mit der ich mich regelrecht einschmieren könnte? Ich kann nur auf höchstem Niveau beanstanden, daß die Platzverhältnisse am Urinal im Künstlerklo etwas beengt sind. Mehr fällt mir nicht ein.
Nach der Spätsommershow im heimischen Dillingen sind wir mit dem kompletten Proberauminventar nach Saarbrücken umgezogen. Zum Proben selbst blieb da keine Zeit, und das merkt man an diesem Abend auch. Also WIR merken das, wissen DAS aber wieder durch die enorme Spiellaune zu kompensieren. Unser stoischer Drummer Michi pflegt dann immer zu reüssieren: "Mir sinn halt e Laifbänd!"
Auf der Heimfahrt in den nachtschwarzen Regen genießen wir den ersten Gästebucheintrag. Gerd (danke!) lobt darin "die Musiker und die Sänger". Diese Unterscheidung beflügelt immer wieder Rainers philosophische Natur: er stellt die These auf, die Sänger seien die ersten Musiker der Weltgeschichte gewesen; da unsere äffischen Vorfahren noch zu hummelbrunsblöde waren, um sich Instrumente zu bauen, haben sie diese gesungen. Denkt mal drüber nach.
Vor dem Konzert werde ich von Hans-Peter und Franz angesprochen, die uns im Kölner Großraum schon oft besucht haben: "hallo Toff, wir lesen immer deinen Dreamerblog". Hammer, danke, dieser Gruß geht speziell an euch! Wir sind die Band, die nicht nur gehört und gesehen, sondern auch gelesen wird. In diesem Sinne: auf Wiederlesen!


Reiner im Kubana (03.10.2015; Foto: Alex)

Didier im Kubana (03.10.2015; Foto: Alex)

Rainer im Kubana (03.10.2015; Foto: Alex)

Michael im Kubana (03.10.2015; Foto: Alex)

Daniel im Kubana (03.10.2015; Foto: Alex)

Stefan im Kubana (03.10.2015; Foto: Alex)

Toff im Kubana (03.10.2015; Foto: Alex)

Michael im Kubana (03.10.2015; Foto: Alex)

DREAMER auf der Dillinger Kulturbühne (Foto: Winfried Hoffmann)

TOFFBLOG - Do, 03.09.2015

Dillingen (Saarland) - Kulturbühne
Ich appelliere vor dem Konzert an meine Kollegen, mich heute nicht zu blamieren, wenn wir in meinem Wohnzimmer spielen.
Seit drei Jahren wohne ich in Dillingen - einer Stadt mit außerordentlich hoher Musikantenquote. Vor zwei Jahren habe ich uns für die Kulturbühne beworben, dieses Jahr hat es dann endlich funktioniert: DREAMER spielen am Abschlußabend der diesjährigen Open-Air-Reihe - jeden Donnerstag im Sommer ein Free Concert in der Dillinger Innenstadt - und die imposante Kulisse beeindruckt Band, Publikum, Bürgermeister Berg und die anwesende Musikerpolizei gleichermaßen, geschätzte 1000 Zuschauer säumen den "Roten Platz". Es wird ein gravitätisches Finale - zu allem Überfluß auch noch ein kleines Jubiläum, nach Stefans Rechnung begehen wir den 75. Dreamer-Auftritt - und natürlich blamieren mich die Jungs vor heimischem Publikum nicht! Blechi wird würdig vertreten durch Wolfgang Müller (ShowSound Medientechnik), der nach Meinung vieler Besucher seinen besten Job bei der diesjährigen Kulturbühne abliefert. Trotz abendlicher Septemberfrische bleibt uns der Wetterfrosch gewogen – es passt also so ziemlich alles an diesem linden Abend auf dem Marktplatz, den wir von sieben bis zehn Uhr beschallen, bevor uns der städtische Bauhof die letzte Kulturbühne dieser Saison unterm Hintern abbaut. Fast alles – nicht auszudenken, Michael Münster hätte noch sein Plastik-Umhängekeyboard in Gang gebracht und wäre damit in die ersten Sitzreihen gehechtet. Man kann nicht alles haben. Dafür war es ein rundum gelungener, hochkonzentrierter Gig mit großem Spaßfaktor und zwei reaktivierten Glitzerzylindern, unserem neuen Presse(Akt)foto geschuldet.
Tags drauf sieht mein Wohnzimmer wieder richtig aufgeräumt aus.


Blick von der Dillinger Kulturbühne (Foto: Daniel Bauer/ DREAMER)

DREAMER in Dillingen - Fotostrecke und Video von Winfried Hoffmann


TOFFBLOG - Fr, 28.08.2015

Ludwigsburg-Affalterbach (Baden-Württemberg) - 7-Eichen
Ein mächtiger Vollmond hängt über Ludwigshafen, als der halbleere Dreamerbus nachts um halb drei in einen Megastau hineinfährt und mehrere Stunden steckenbleibt. Vier Kilometer vor uns räumt die Feuerwehr bis zum Morgengrauen ein kolossales Trümmerfeld, weil ein LKW ungebremst ins Stauende einer Nachtbaustelle gerast ist (2 Schwerverletzte, eine halbe Million Euro Sachschaden), Darüber erfahren wir erst am Folgetag. Die Nacht im Stau wird lang und immer länger, wir sind erschöpft von den zurückliegenden Strapazen, Stefan windet sich mit Magenkrämpfen auf der Rückbank – ein Wunder, wie er diesen Konzertabend durchgestanden hat – bis es um fünf Uhr morgens endlich weitergeht. Um halb acht bin ich zuhause. Ich muß völlig bescheuert sein, womit ich meine kostbare Freizeit vergeude. Spaß geht eindeutig anders.
Schon die Hinfahrt ist wenig spaßig. Deutsche Autobahnen bestehen z.Z. nur aus Staus, Baustellen und Geschwindigkeitsbegrenzungen, scheint es. Und im Großraum Stuttgart sowieso. Dreieinhalb Stunden brauchen wir für die 230 km ins Schwabenländle. Fehlt nur noch, daß es als Catering Maultaschen gibt...
Die idyllisch an einem Weinberg-Wanderpfad gelegene Höhengaststätte "7 Eichen", die es schon seit 1951 gibt, ist Bernd "Feini" Feinauers kultiger Biergarten mit Open-Air-Bühne. Der letzte Streckenabschnitt auf dem Lemberg geht folgerichtig bergaufwärts durch einen dichten Wald über gestampften Boden, fernab von Zivilisation, Asphalt oder Strassenleuchten. Seid ihr mal den Saaarbrücker Urwaldpfad gewandert? Jetzt stellt euch vor, dort mit dem Sprinter durchzufahren. Get the Picture? Und dann bitteschön die letzten 100 m auch noch rückwärts einen Hohlweg hinab! Und dann das gesamte Equipment vom keuchenden Bus quer durch den Biergarten zur Bühne schleppen! Aber Jeanette Biedermann und Fish mußten da auch durch.
Blechi hätte seine Freude gehabt. Aber Blechi liegt frisch operiert im Krankenhaus (und wird auch für Dillingen absagen müssen). Gottseidank hat Feini einen kompetenten Techniker engagieren können - Sven macht einen echt coolen Job an diesem schwülen Abend. Er hat sich sogar extra vorbereitet und vorher ein paar SUPERTRAMP-Sachen angehört. Danke, Sven, wo immer du rummischst.
Der Backstage-Bereich: eine archaische Holzhütte ohne sanitäre Anlagen, aber mit Kinderschaukel und vollem Kühlschrank. Haben sich Jeanette Biedermann und Fish hier auch in die Büsche geschlagen? Nach dem Soundcheck das Catering. Es gibt Maultaschen...
Die Bühne: ein überdimensionaler Holzkasten, beidseitig mit mächtigen Klappläden versehen. Wir flachsen: wenn wir Scheiße spielen, dreht Feini den Strom ab, macht die Klappläden zu und projiziert ein Rockvideo drauf. Aber wir spielen nicht Scheiße, sondern einen trotz Probemangel und Urlaubszeit hochkonzentrierten ersten Set, dem ein etwas schludriger zweiter folgt, bei dem das Publikum aber endlich die Bierbänke verläßt und ausgelöst vor der Bühne tanzt. Das sind die Momente, in denen alle Strapazen und Mühsal von einem abfallen und man WEISS, warum man das alles auf sich nimmt. Zwei neue Songs feiern Premiere im Dreamer-Programm: IN JEOPARDY von Hodgsons ‘84er Solo-Debüt sowie – als ausgleichende Gerechtigkeit – BETTER DAYS (’85 vom ersten Supertramp-Album ohne Hodgson). An letzterem haben wir drei Jahre rumgefeilt, eine schwere Geburt, abgefedert durch Reiners quirlige Querflöte.
Um Viertel nach elf verabschieden wir uns passenderweise mit DON’T LEAVE ME NOW. Die übliche FOOL’S OVERTURE muß wegen Blechis Vakanz zuhause bleiben. Der nächtliche Wald dampft und trübt den mächtigen Vollmond. Wieder beginnt die Plackerei, bis der Bus vollbeladen durch den dichten Wald den Lemberg hinabschlingert. Stefan krümmt sich auf der Rückbank (waren es die Maultaschen?), Daniel erhält eine Trauernachricht, und Toff am Steuer freut sich darauf, über leere nächtliche Straßen zu fegen und bald zuhause im Bett zu liegen, wenn alles glatt läuft…


Schwäbische Impressionen (7 Eichen-Fotos: Toff und Didier)



DREAMER 2015 (Foto: R. Eisenbeis, Bearbeitung: D. Quint)

TOFFBLOG - Sa, 18.07.2015

Endlich - es gibt neue Bandfotos! Kaum, daß Reiner K. bei uns eingestiegen ist (vor 10 Monaten), haben wir uns vollzählig zusammengefunden, um Pressefotos der aktuellen DREAMER-Besetzung zu machen: bei hochsommerlichen Temperaturen treffen wir uns in Didiers Garten und lassen in Anspielung auf das berühmte Back-Cover des Supertramp-Klassikers Crime of the Century aus dem Jahre 1974 (s.u.) alle Hüllen fallen. Es ist nicht auszuschließen, daß das Foto zu einer Massenhysterie führen wird ..... ;-)

Original und Fälschung

Links das Original-Backcover des Albums Crime of the Century, rechts die Dreamer-Fälschung. Es kann auch umgekehrt sein...


TOFFBLOG - Sa, 16.05.2015

Wissen ist Macht (Foto: Reiner K.)

Wissen (Rheinland-Pfalz) - Kulturwerk Wissen
Oh du schöner Westerwald, was pfeift hier der Wind so kalt. So richtig warm werden wir nicht mit dem Kulturwerk Wissen, auch wenn die Bühne die spektakulärsten Ausmaße unserer bisherigen Hallenkonzerte hat (Open Airs ausgenommen). Bis dahin gilt es zweieinhalb Stunden Busfahrt zu bewältigen, bis zum nördlichen Ausläufer des Westerwaldes. Das bedeutet: viel Landschaft, keine Autobahn, weit und breit. So zäh wie der Weg läßt sich auch der Kartenverkauf an, es wird nicht ausverkauft sein, was bei dieser Hallendimension eh illusorisch scheint: ein ehemaliges Walzwerk wurde zur Kulturfabrik umgebaut. Hallenmanager Dominik Weitershagen hat über die Beschallungsmöglichkeiten dieser außergewöhnlichen Örtlichkeit seine Diplomarbeit verfasst. Das ehem. Stahlwerk hat einen eigenen Förderverein, der mit dem pfiffigen Slogan "blechen Sie mit" dafür sorgt, daß in dieser eher strukturschwachen Region zumindest die Kultur weiterhin Funken schlägt. Wir bemühen uns dann ab 20:15 Uhr ebenfalls im Fachgebiet Funkenflug, aber sie mögen zunächst nicht so recht überzuschlagen, die Funken. Nur ca. 80 Zuschauer im Innenraum gehen nicht so sehr mit, wie wir das allenthalben gewohnt sind; ein (teil)bestuhlter Saal ist der Rudelstimmung zumeist abträglich. Stefan resümiert später, daß wir zwar eine Turniermannschaft seien, dennoch hier an der Sieg keinen Auswärtssieg landen konnten. Die Tagesform war für Dreamerverhältnisse auch eher unterirdisch, vielleicht war die eine Stunde Probe in Komplettbesetzung im vergangenen Monat doch etwas wenig... Wobei sich nach dem Konzert das Westerwälder Publikum als überaus dankbar erwies, was es uns in vielen erwärmenden Gesprächen hinter der Bühne in Wissen auch wissen lies. Und da auch ein paar saarländische Auswanderer darunter waren, wars im Endeffekt vielleicht doch ein kleiner Heimsieg.


Kultur im alten Stahlwerk (Dreamer in Wissen, Foto: Reiner K.)

TOFFBLOG - Fr, 20.03.2015

Saarbrücken (Saarland) - Bel Étage
Aller guten Dinge sind fünf. Diese Band neigt ja zur Übertreibung, und da man vorher nie weiß, wann einmal der Blitz einschlägt und es vorbei ist mit der Herrlichkeit, spielen wir beim fünften Gastspiel im Penthouse der Saarbrücker Spielbank den längsten Clubset unserer Geschichte, von Punkt acht mit kurzer Vers(chn)aufpause gegen halb zehn bis zur erschöpfungsbeseelten Verbeugung um Viertel nach elf vor der nächtlichen Kulisse des Deutsch-Französischen Gartens. Die morgendliche Kulisse hatte bereits das Spektakulum einer partiellen Sonnenfinsternis beschert, die ich mir genüßlich im heimischen Garten auf die Netzhaut brannte, sozusagen als Mutter Naturs verspätetes Geburtstagsgeschenk. Danke, Mutter!
Bühnenaufbau und Soundcheck, alle Jahre zuvor in der Bel Étage eine entspannte Formsache, werden heute unvermutet zum Stressfaktor Nr. 1: es zieht sich und zieht sich, es rauscht und rauscht, es hakt und öst, daß es keine Freude ist und wir allmählich Angst bekommen - schreckliche Angst! - daß unsere Schnitzel kalt werden. Einmal mehr ist Blechi der Ritter des Tages (ich habe gerade "Ritter" geschrieben, das soll dann wohl so sein), wie dereinst Herkules mistet er den Stall des Audios und sorgt für störfreie Schallwellen; bei den 300 Zuschauern (und 8 Musikern) erntet er den fettesten aller Appläuse. Zwei Premieren haben wir heute im Angebot: Mit "Even in the Quietest Moments" gelingt ein fettreduzierter, besinnlicher Einstieg in den Acoustic-Set, veredelt durch das lyrische Klarinettenspiel Reiner Kuttenbergers, der damit seine erste Dreamerei vor heimischer Kulisse durchlebt. Bis wir das nächste Mal in der saarländischen Heimat spielen, werden mindestens vier Jahreszeiten ins Land gehen, wenn uns nicht zuvor der Blitz trifft. Man weiß ja nie...
Das Dreamer-Gefüge ist latent chaotisch, die Kommunikation beschwerlich, Terminfindungen kräftezehrend, Proben in Komplettbesetzung schiere Science Fiction, und dennoch spielen Dreamer immer wieder denkwürdige Konzerte. Manchmal staune ich, daß die ToffBlogs keine Fantasy-Literatur sind, sondern Tatsachenberichte.



TOFFBLOG - Sa, 28.02.2015

Oberwesel (Rheinland-Pfalz) - Kulturhaus
Wir müssen reden. Darüber, warum es am Rhein so schön ist. Warum geografisches Halbwissen sehr unterhaltsam sein kann. Und warum man immer in die Ferne schweifen muß, wenn das Gute liegt so nah.
Der einzige Störfaktor bei unserem spätwinterlichen Tagesausflug an den schönen Mittelrhein, eine Flussbiegung von der Lorelei entfernt, ist die problematische Beschallung des Oberweseler Kultursaales, in dessen schick restaurierten Wänden normalerweise Kleinkunst auf dem Programm steht. Die Pfeifer und Rückkoppler während des Soundchecks werden von Blechi schließlich gebändigt, so daß die 200 Zuschauer im ausverkauften Haus drei Stunden lang begeistert mitgehen können. In den vorderen Reihen wird ausdrucksstark getanzt, vielleicht auch angetörnt durch Rainers (mit A) Outfit - er hat sich heute mal die Haare gekämmt. Oder auch durch Reiners (mit E) Output - seine virtuosen Ausflüge auf Klarinette und Saxofonen lassen kein Auge trocken. Und so gelingt denn auch die erste Zusammenarbeit zwischen neuem Bläser und altbewährtem Techniker formidabel, die Zukunft leuchtet und kann nur durch uns selbst versaut werden - worin wir ja wahre Meister sind ;-)
Das Team um Kulturhausleiterin Irene Busch trumpft mit unwiderstehlicher Gastfreundlichkeit auf, man/frau plant bereits ein Wiedersehen. Und das trotz der verbalen Ungereimtheiten und geografischen Verwerfungen, die unser Zeremonienmünster dem amüsierten Publikum serviert: stürzt sich die von Didiers Gitarrensolo aphrodisierte Lorelei tatsächlich von ihrem Felsen in die Mosel? Fliesst diese tatsächlich bei Konz in die Saar und am Deutschen Eck der Rhein ebenfalls? Und mündet die Niedersaar schlussendlich in einem Meer aus Ungereimtheiten? Das Kulturhaus verzeiht uns alles an diesem reibungslosen Tag, auch unseren herzlichen Dank für die edle Flasche "Moselriesling", die jeder Dreamer vor der Abfahrt noch überreicht bekommt. Warum es am Rhein so schön ist, werden wir erkunden, wenn wir dort mal spielen sollten.

Tom in der Harmonie (Bonn, 31.01.15, Foto: Alex)

TOFFBLOG - Sa, 31.01.2015

Bonn (Nordrhein-Westfalen) - Harmonie
Es ist nichts Ungewöhnliches, daß mir Michael Münster die Tränen in die Augen treibt. Sei es wegen seines latenten Hanges zu Hochnotpeinlichkeiten und politischen Unkorrektheiten, seiner beharrlichen Weigerung, Passagen auswendig zu spielen oder sich für Proben vorzubereiten, seines fassungslos machenden Verhandlungsgeschicks, seiner taktlosen Virtuosität - oder sei es wegen des wohligen Grausens, das uns beschleicht, wenn immer er sich dem Ansagemikrofon nähert. Am heutigen Abend jedoch in der Bonner HARMONIE macht er seine schönste (und längste) Ansage, denn er würdigt in ergreifenden Worten unseren Tom, den scheidenden Saxofonisten und Multiinstrumentalisten, der sieben Jahre lang ein Eckpfeiler der DREAMER-Erfolgsgeschichte gewesen ist und nun nicht länger "unser Tom" sein will. Nicht nur mir zieht es dabei ein paar Tränchen aus den Säcken - auch dem wieder einmal ganz famosen Bonner Publikum entreisst es einen tiefen Gemeinschaftsseufzer und lange anhaltenden Applaus für den Ex-Dreamer Thomas Lay, der selbstlos für den verhinderten Reiner eingesprungen ist und noch ein neunundsechzigstes, ein allerletztes Mal mit uns auf der Bühne steht.
Über dreihundert Zuschauer sind auf diese Art Abschiedsfete gekommen, sie danken uns mit der fettesten Gästebuchliste aller Zeiten (über 15 Einträge!), denn fast drei Stunden spielen wir hochmotiviert und ohne Pause durch, bis Mütterchen Erschöpfung sagt: jetzt aber ab marsch ins Bett! Doch bis dahin vergehen noch viele strapaziöse Stunden, die nächtliche Heimfahrt in die saarländische Schneehölle (der Running Gag an diesem Konzertabend) nimmt teils alptraumhafte Züge an: ein umgestürzter Baum auf der Autobahn, geschlossene Schneedecke, ein steckenbleibender Tourbus am Sulzbacher Berg gehören nicht ins Standardrepertoire unserer virilen Amateurkapelle, deren einziger Profi in drei Wochen wieder an Bord sein wird. Welcome back, Reiner. Farewell, Tom!

Konzert-Review im Feuilleton des BONNER GENERAL-ANZEIGER [75 KB]


-> D R E A M E R - T o f f B l o g s - 2 0 1 4