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Dreamer in der Zeche (Foto: Sabine Michalak, FotoDesignBochum)

TOFFBLOG - Sa, 03.12.2016

Bonn (Nordrhein-Westfalen) - Harmonie
Wenn ich richtig mitgezählt habe, ist dies unser viertes Gastspiel in Bonn. Beim letzten vor 22 Monaten haben wir hier Tom verabschiedet. Wo ist nur die ganze verdammte Zeit hingeflossen?
Zeit ist relativ, und wir spielen an diesem Winterabend relativ lang, nämlich drei Stunden ohne Pause bis kurz vor der Erschöpfungsgrenze. War auch so nicht geplant, aber shit happens - und shit fühlt sich in dieser Band sehr wohl. So sind wir dem kollektiven Wahn anheim gefallen, um Punkt zehn Schluß zu machen, weil ja die Harmonie bekanntlich in einem Wohngebiet im beschaulichen Endenich liegt. Wir beginnen bereits um halb acht (wie im Programmheft verkündet), brennen ein unerwartet fehlerfreies und mordsmäßig launiges Set ab, um dann tatsächlich um exakt 22:00 Uhr mit dem letzten Ton der Zugabe die obligatorische Verbeugung vor einem wieder mal SA-GEN-HAF-TEN Publikum auszukosten, erschöpft, aber glücklich.
Das ist jetzt der dramaturgisch richtige Moment für Clubmanager Kolli, die Bühne zu erklimmen und uns zuzuzischeln, warum wir nicht wie abgemacht bis halb elf spielen würden. Okayyyyyy... das sa-gen-haf-te Publikum erweckt nicht den Eindruck, schon heimgehen zu wollen, und so servieren wir ungeprobt noch ein paar Köstlichkeiten, die in der Nachlese mit einem guten Dutzend enthusiastischer Gästebucheinträge belobigt werden, danke mal wieder, ihr lieben schreibwütigen Bonn-Endenicher!

Im vorigen Blog habe ich die hirnerweichende Story vom jämmerlichen Bassistendasein erzählt. Eine kleine Bonner Ergänzung hierzu: nach dem Soundcheck machen wir es uns mit unseren Gästen (u.a. Daniels Bruder Dominik) in der Backstage-Lounge der Harmonie gemütlich, bestellen unser Essen, flachsen, relaxen, fachsimpeln, genießen das leckere Catering... nur ein Einziger unter uns wartet bis heute auf sein verdientes Schnitzel. Ratet, wer vergessen wurde!? Okay, zu einfach.
Essen wird aber auch überbewertet. Genau wie Proben. Der Drummer hat mal wieder die Generalprobe gesprengt, aber warum vollständig proben, wenn vollständig spielen so vollständig glücklich macht? Wir vertagen das Drummer-Problem bis zur nächsten G-Probe, die vermute ich mal Ende Februar wieder beherzt gecancelt werden darf.
Aber lasst uns zunächst mal alle froh und munter ins neue Jahr rutschen - dem zehnten seit unserer Gründung. Wo ist nur die ganze verdammte Zeit hingeflossen?


Dreamer in der Zeche (Foto: Sabine Michalak, FotoDesignBochum)

TOFFBLOG - Fr, 21.10./Sa, 22.10.2016

Bochum (Nordrhein-Westfalen) ZECHE / Ahaus (Nordrhein-Westfalen) Kulturcafé LOGO
"Am besten gefielen mir auf unserer Tournee das Eröffnungs- und das Abschlußkonzert" reüssiert Daniel scherzkeksend nach unserem Trip ins nördliche West-Westfalen (geografische Verwirrungen nicht ausgeschlossen). Zwei Shows an aufeinanderfolgenden Abenden, zwei Übernachtungen, drei Tage im Bus on the road, ein komplettes Lost Weekend mit dem DREAMER-Tross unterwegs - ein Novum im neunten Bandjahr!
Die 900 km-Tour beginnt Freitags mit den üblichen Staus auf der A1 hinter dem Kölner Ring und der schon traditionellen verspäteten Ankunft in der Zeche. Der Soundcheck geht in Rekordzeit über die Bühne, jedoch ohne Michael, Nici und die Mudis, die immer noch im Stau stecken. Dafür erwartet uns backstage das mittlerweile schon legendäre Currywurstbüffet und der mit Bochumer Fiege-Pils gefüllte Kühlschrank, that’s Rock’n’Roll!
Als wir (dann doch noch in kompletter 8-Mann-Besetzung) die Bühne des ruhmreichen Clubs erstürmen, ist der Saal prall gefüllt, über 500 Zuschauer sind gekommen, um uns zu sehen. Keine Zeit, um innezuhalten, festzustellen, daß DAS vielleicht der Zenit unseres Tribute-Projektes ist, mehr geht nicht, doch die Zeit drängt, wir spielen ein pausenloses zweistündiges Powerprogramm von Punkt acht bis Schlag zehn, das enthusiastische Publikum hätte gern noch mehr DREAMER bekommen, doch in der Zeche geht es Schlag auf Schlag – nach dem Konzert ist vor der "Ladies Night".
Ein begeisterter Zuschauer macht einige sehenswerte Nahaufnahmen von der Band. Will sagen, von der Band abzüglich Drummer und Bassist.
Der Drummer und der Bassist, Fundament jeder Band, sind keine Motive für Fotografen. Oder für Groupies. Ein Fundament liegt unsichtbar unter der Erdoberfläche. Hier kommt niemand auf die Idee zu fotografieren. Geschweige denn zu baggern. Sie laborieren verborgen im Untergrund. Der Bassist, der nicht beachtenswerte Nebenmusiker, der es nie zum bewunderten Gitarristen geschafft hat, versucht nun irgendwie Herr zu werden über seinen trutzigen Tieftöner in der irrigen Annahme, sein pickeliges, lemmingbleiches, krummbuckeliges Äußeres porentief schönschwitzen zu können und durch ungelenkes Manövrieren in den Dunkelzonen der Bühne für die Beleuchter, Fotografen und Engelsgesichter in der ersten Reihe irgendwie sichtbar zu werden.
Ein noch bemitleidenswerteres Dasein fristet lediglich der Drummer, ein Möbelstück, nein, eine Immobilie, die selbst von den Bandmitgliedern in den seltensten Fällen erkannt und angesprochen wird. Aber ich schweife ab.
Die Nacht wird in der Bar des Achat-Hotels eingetrunken, während Stefan mit einer Kiste voller Eiswürfel versucht, die Verbrühungen zu lindern, die ihm ein arglistiger Teebeutel verabreicht hat.


Samstags rollen wir weiter nordwärts ins Münsterland. Tina und Dieter, die beiden größten DREAMER-Fans des Universums, haben uns zum Brunch eingeladen. Es wird eine richtig emotionale Wiedersehensfeier, denn mit dem Besuch des bevorstehenden Gigs in Ahaus sehen sie uns zum sage und schreibe fünfundzwanzigsten Mal live - ein Grund mehr zum Feiern!
(Danke Tina, und gute Besserung Dieter!)
Die Karawane zieht weiter, 40 km Nordwest. Check-in im Landhotel Elkemann in Graes, kurz vor der holländischen Grenze Richtung Enschede. Landluft. Um 17 Uhr entern wir das Kulturcafé LOGO in Ahaus, ein im Vergleich zur Zeche beschaulicher Club, jedoch mit allem ausgestattet, was das Künstler- und Freischnitzlerherz begehrt. Die Dimensionen sind etwas beengt, dennoch können wir auch hier unsere Videoshow als Konzertbegleitung präsentieren (was leider in vielen Locations an der Technik scheitert).
Heute abend spielen wir das volle Programm, 2 Sets, 165 Minuten, und wer meint, am zweiten Abend passieren dann keine Fehler mehr, der wird überrascht sein, an welch ungeahnten Stellen man noch Fehler einbauen kann. Wir überraschen uns ja gerne selber, das hat mittlerweile System und hält frisch. Leider zieht das Ahauser Publikum nicht annähernd so enthusiastisch mit wie die Bochumer Fangemeinde, was jedoch schon rein zahlenmäßig ein hinkender Vergleich ist. Natürlich macht es Laune, hier zu spielen, auch wenn diese Laune etwas getrübt wird: die Stadt wird die Pacht für das Kulturcafé erhöhen, was zur Folge hat, daß das LOGO Ende des Jahres schließen wird. Bei einem so hohen Arschlochfaktor im Stadtrat muß der Kulturbetrieb in dieser ländllichen Gegend in die Knie gehen. Traurig, aber wahr!
Die Graeser Dorfjugend frönt ebenfalls der Kultur – neben unserem Landhotel bollern die Bummsbässe bis tief in die Nacht. Der Oropax-Industrie verdanke ich einen störfreien Schlaf.
Sonntagmorgen. Landluft. Nach dem Frühstück lotst Kaleu Blechi den vollgeladenen Tourbus butterweich zurück in heimische Gewässer. Leicht übermüdet verabschieden sich Haupt- und Nebenmusiker herzlich voneinander, sogar der Drummer wird nicht vergessen. Der verlorene Schlaf und die gewonnenen Eindrücke halten sich merklich die Waage.


(Dank an "re.daniel" für die Zeche-Fotos und an Heinz Strunk für die literarische Inspiration, das jämmerliche Bassisten-Dasein betreffend)



TOFFBLOG - Fr, 08.07.2016

Dreamer und der stählerne Keyboarder (Homburger Musiksommer, Foto: Toff)

Homburg (Saarland) - Musiksommer - Open Air auf dem Historischen Marktplatz
Ein angenehm lauer Sommerabend, gerade recht für unser einziges Open Air-Konzert in diesem Jahr - auf dem historischen Marktplatz im Herzen Homburgs. Diese Stadt ist ein Ring, geschmiedet aus Einbahnstraßen, mit Karlshöhlen und Karlsbergen, auf denen bitteres Bier gebraut wird. Warum immer in die Ferne scheifen, wenn die Heimat buchstäblich vor der Tür herumliegt? Tatsächlich haben wir noch nie in dieser Ecke gespielt (sofern man St. Ingbert nicht zu dieser Ecke zählt), jedoch auch nicht unbedingt zum letzten Mal, wie sich noch herausstellen wird. Witzige Geschichte am Rande: während die "Treff Regional"-Beilage der Saarbrücker Zeitung zum wiederholten Mal unser Aktfoto mit Hühnerbrust und Waschbärbauch als Veranstaltungstip präsentiert, verweigert die Homburger Redaktion die Veröffentlichung unserer nackten Haut in der Lokalpresse. Vive la pruderie!
Der Veranstalter sagt so erfreuliche Dinge wie "ich werde euch auch im kommenden Jahr wieder engagieren" oder "so viele Besucher wie heute waren noch nie auf dem Homburger Musiksommer". Gut und gern 1000 fröhliche und redselige Menschen bevölkern den Marktplatz, dessen schlichte Schönheit mir - Asche auf mein Haupt - bislang verborgen blieb und der immer wieder Freitags den Rahmen für den Homburger Musiksommer bildet. Dieser Platz ist eine schiefe Ebene, auf der geradeaus gerockt wird. Und die überschäumende Spielfreude, mit der wir das tun, liegt auch darin begründet, daß wir schon so lange nicht mehr zusammengespielt und so wenig geprobt haben. So klingt denn CRAZY, das wir nach langer Zeit mal wieder ausgepackt haben, wie ein Song, den wir nach langer Zeit mal wieder ausgepackt haben. Aber auch bei bewährten Gassenhauern fragen wir uns hinterher, ob wir die immer so gespielt haben. Dafür muß man diese Jungs einfach lieb haben.


TOFFBLOG - Sa, 02.04.2016

Siegburg (Nordrhein-Westfalen) - Kubana
Te queremos, Kubana! Wie oft schon hat der Verfasser die Vorzüge dieser Location gepriesen, zumal nur 6 Monate nach unserem letzten Besuch wieder weit über 200 Zuschauer den Weg in den Clubkeller des kubanischen Restaurants finden - und selbst die Platzverhältnisse am Urinal im Künstlerklo haben sich mittlerweile grundlegend verbessert. Wenn man im erklärten Lieblingsclub das siebte Jahr in Folge spielt, neigt sich das Haupt schon mal gemütlich zur Seite und die Vokabel "Routine" schippert wie ein Raddampfer auf den Wogen der Begeisterung vorüber. Könnte man meinen. Aber DREAMER kennt diese Vokabel nicht. Diese Band kann alles - außer Routine.
Warum proben, wenn man live spielen kann? Warum richtig spielen, wenn falsch manchmal spannender klingt? Und auch eine Setlist ist nicht immer das, was sie scheint. Wenn Blechi sechs Mal hintereinander den perfekten Sound kredenzt hat, kann trotzdem beim siebten Mal ein nicht fassbares Feedback den Abend unseres Schallwellendompteurs versauen (oder zumindest ansauen). Soviel zum Thema Routine und warum das berühmte siebte Mal auch gerne mit dem Beinamen "das Verflixte" dekoriert wird. Was dem Spaß auf und vor der Bühne nicht den geringsten Bruch beschert: selbst jene hartgesottenen Münsterländer Dreamer-Fans, die uns zum 23. Mal sehen und - was uns überhaupt nicht ähnlich sieht - die gleiche Setlist wie im vorigen Konzert (Bel Etage) aufgetischt bekommen, reiben sich an diesem Abend schon mal verwundert die Augen angesichts der humoresken Kapriolen, die das ehedem nie ganz bierernste Dreamer-Programm durchwuchern. Ich weiß nicht, wie wirs machen, aber wir machens immer wieder gut.


Tierisches Vergnügen im Kubana (Foto: Nici)

TOFFBLOG - Fr, 04.03.2016

Saarbrücken (Saarland) - Bel Étage
Das halbe Dutzend ist voll: wir spielen das sechste Jahr in Folge in der ehrenwerten BEL ÉTAGE, dem schmucken Penthouse des Saarbrücker Spielcasinos am Deutsch-Französischen Garten - ohne die gewohnte Ansage von Herrn Bruch, ohne Video-Show, ohne "Fools Overture", ohne den Saal ausverkauft zu füllen, ohne ein neues DSDSLCN-Kapitel, ohne eine einzige vollzählige Probe seit Bensheim und ohne daß die Ersteller der Bel Étage-Flyer die Ankündigung "spielen das komplette Crime of the Century-Album am Stück" aus ihrem Bel Étage-Flyer herausgenommen hätten (wo dieser Spruch schon im dritten Folgejahr hartnäckig klebt). Und doch, liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung, liebe 40-somethings, liebe Lesebrillenträger, die ihr die Original-Supertramp-Alben zuhause auf zerkratztem Vinyl herumstehen habt - es wird wieder einer dieser Abende, die man so schnell nicht vergißt! Viele Freunde sind im Publikum, auch solche, die ich eine halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen habe, und sie klatschen, singen und tanzen sich die Last der Arbeitswoche von den Schultern, daß es eine wahre Freude ist, zuzuschauen. Tatsächlich ertappe ich mich oft "da oben", daß ich denen "da unten" erfreut zuschaue, wo doch eigentlich wir es sind, denen zugeschaut wird.
Wir haben uns zwischen den Tagen wieder gebührend angegiftet und zu verbalem Hack verarbeitet, wie es Brauch ist in der Dreamer-WhatsApp-Gruppe, über die Video-Problematik gezofft, über die Unmöglichkeit, einen gemeinsamen Probetermin oder die perfekte Setlist zu finden oder über die fatale Tendenz, das Programm zu kürzen - nur um dann wieder punktgenau in hemmungslos-vereinter Musikvernarrtheit auf der Bühne zu materialisieren und zweidreiviertelstundenlang unser geliebtes frenetisches Publikum zu befeuern. Und unter anderem das beste "School" aller Zeiten abzuliefern. Das Leben ist einfach zu kurz, um schlechte Hackschnittchen zu essen.

Bel Étage Saarbrücken an einem ausgelassenen Abend im März 2016 (Foto: Daniel Bauer)

TOFFBLOG - Sa, 13.02.2016

Bensheim (Hessen) - Musiktheater REX
Das neunte Dreamer-Jahr beginnt mit einem klemmenden Schlüsseltresor im Busdepot und endlosen winterkalten Regengüssen.
Ansonsten ist aber alles Gold an diesem Trip ins südliche Hessenland - nach Bensem an der Bergstraße.
Irgendwie bringe ich dann doch den passenden Schlüssel ins Zündschloß und unseren Tourbus on the road und wir erreichen wie verabredet und sekundengenau um vier Uhr nachmittags unser Ziel. Es war nicht einfach, einen Fuß in die Tür des Musiktheater REX zu bekommen, aber steter Daniel hölt den Stein, und nach unserem Gig steht bereits dessen Wiederholung im Folgejahr fest. Sowas nennt man wohl Start-Ziel-Sieg. Überhaupt passt nahezu alles heute. Das REX ist vor ein paar Monaten in neue Räumlichkeiten umgezogen, die sich sehen lassen: ein properer Club prächtiger Größe und praller Ausstattung, eine geräumige Bühne mit unmittelbarem Zutritt zum niegelnagelneuen Garderobenbereich, der Busparkplatz in der momentan populären Armlänge Abstand - Roadieherz, wat willste mehr!?
Das ganze Drumherum mit Bühnenaufbau, Verkabelung, Monitoring und Soundchecking gestaltet sich dermaßen entspannt und reibekuchenlos, daß wir uns - und das ist nicht unbedingt immer der Fall - voller Gemütsruhe auf das Konzert einstellen können. Um halb neun entern wir Bühne und Publikum sozusagen im Handstreich. Es wird ein toller Abend frei nach dem Motto "wir kamen als Gäste und gingen als Freunde", eingerahmt durch zwei Songs vom Album "Even in the quietest moments" - dem Titelstück als Opener und der seit einiger Zeit ungespielten "Fools Overture" als Zugabe. Eine runde Sache. Nur in zwei Punkten müssen wir klitzekleine Minuspunkte vergeben: die fehlende Videoshow mangels Leinwand (was auch ein Fan im Publikum beanstandete) sowie - ungleich schwerwiegender - der fehlende Nachschub im Bierregal. Nicht auszudenken, wenn der Kühlschrank nach dem Gig plötzlich wieder voll gewesen wäre... wir hätten Sturzbäche geheult vor fassungslosem Glück.
Der Tag endet tiefschwarz in der Nacht bei endlosem winterkaltem Nieselregen.


Die Bühne ist angerichtet... T. Rex (Toff im Rex, Foto: Reiner K.)






Original und Fälschung



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