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20.09.2009 Rockhal-Club, Esch/Alzette

ARCHIVE in Esch - die härteste Versuchung, seit es Blockschokolade gibt (Foto: Toff)

Unerhörte Verdichter, ungehörte Lichter

Was ist das doch für eine Band: spielt ein Stück, geht dann von der Bühne, um anschließend noch 5 Zugaben zu spielen.
Besagtes "Stück" heißt "Controlling Crowds (I-III)" und ist nicht mehr und nicht weniger als die komplette aktuelle CD, das gleichnamige Konzeptalbum, vom ersten bis zum letzten Ton, pralle 80 Minuten lang. Starker Toback, starke Performance - und genau wie auf dem Album ist es auch LIVE das erste Drittel, das mich einfach wegfegt!!!
Aber ARCHIVE sind so drauf - das britische Kollektiv um die kreativen Köpfe Darius Keeler und Danny Griffiths, die rechts und links am Bühnenrand eher unauffällig reagieren und das Agieren ihren Sanges- und Gitarrenkollegen Berrier, Pen und Harris überlassen. Aber auch die sind keine Freunde der theatralischen Pose, sondern gehen ekstatisch in der Musik auf, jener dräuend-walzenden Dampframme mit TripHop-Puls, ArtRock-Kaskaden, Hypno-Beats und Rap-Einlagen (Rosko John kommt dafür dreadgelockt 3x auf die Bühne), alles gedeckelt von Drum-Loops und Sound-Samples und geerdet von einer brachialen Rhythmusgruppe - das Gesamtpaket kommt mit ungemeiner Dichte daher und ist trotz strengem Konzeptualismus und bar jeden solistischen Gegniedels in jeder Sekunde ROCK.

Der ROCKHAL-CLUB, der kleine Saal des Konzertmekkas in Esch sur Alzette, ist an diesem Abend ausverkauft. Nahe an der Bühne erlebe ich Pollard Berrier, der wie schon auf den Alben "Lights" und "Live at the Zenith" mit klarer, kraftvoller Stimme überzeugt; Dave Pen - der eine echt harte Schicht fährt, nachdem er mit seinem Postrock-Trio BIRDPEN bereits das Vorprogramm bestritt - macht marginale Defizite in der Tongenauigkeit durch ekstatischen Körpereinsatz wett. Konzept hin oder her - daß die hervorragende weibliche Stimmkomponente Maria Q. nicht live dabei ist, ihre Stimme vom Band und ihr lippensynchrones Antlitz uns beim ellenlangen "Collide/Collapse" von der riesigen Leinwand entgegensingt, ist dann vielleicht doch ein wenig zuviel des Guten. Schade auch, daß ARCHIVE diesmal ihr viertelstündiges Opus "Lights" nicht im Programm haben - eines der großartigsten Musikstücke der 00er Jahre durfte ich also nicht miterleben, eine Scharte, die es beim näxten Archive-Konzerttrip auszuwetzen gilt ... denn Wiedersehen/-hören macht Freude! Die 120 Minuten waren unterm Strich einfach zu gut, um der Band - um den Titel eines weiteren nicht-gespielten Highlights zu beleihen - ein "Fuck U" entgegenzuschreien.

Line-Up:
Pollard Berrier - vocals, guitar; Dave Pen - vocals, guitar; Steve Harris - guitar; Jonathan Noyce - bass; Darius Keeler - synth, piano; Danny Griffiths - synth, bass; Smiley - drums; Rosko John - Rap; (Maria Q - vocals)

ARCHIVE in Esch - Steve Harris, Pollard Berrier & Dave Pen bei der Akkordarbeit