So, 17.04.2011 Kleiner Klub Garage, Saarbrücken

So High im Kleinen Klub

Meine Güte, was für ein grunzympatischer Typ, dieser Herr Ich. Macht ein ganz großartiges Debütalbum mit pathetischen deutschen Pophymnen, schluckt die bittere Pille, daß das Abschlußkonzert seiner ersten Tournee von der Garage in den kuscheligen Kleinen Klub verlegt wird, weil das Saarland nun mal eine verdammte Musikprovinz ist, läßt als Support die beiden Jungs von "You can say you to me" (sic!) eine Dreiviertelstunde lang angenehm zeitlos klampfen, besetzt mit seinem Keyboard-Ufo knapp die Hälfte der Kleinen Klubbühne und ist nach weiteren gut 80 Minuten der persönliche Freund sämtlicher Zuschauer, ca. 150 an der Zahl und durch die Bank begeistert.
Herr Ich, der sein Pseudonym hegt und pflegt und seine Identität bis heute nicht freigibt, überzeugt mit makellosem Tenor, keine falsche Note schleicht sich in die kraftvolle Liveperformance des Trios, das sämtliche Kitschklippen der komplex-raffinierten Songs geschickt umschifft und mit dem Abschluß-Brecher "High" schlußendlich auch mal so richtig auf die Kacke hauend zu enthusiasmieren versteht.

Doch richtig heimelig wird es erst, als seine Begleitmusiker sich nach der Zugabe "Du, Es und Ich" verabschieden und der von den Anstrengungen kaum gezeichnete Herr Ich uns erklärt, das er die letzten Minuten seiner Tournee nun alleine mit uns verbringen will und einfach noch keine Lust hat, aufzuhören. Zunächst spielt er eine anrührend mißratene Version von Lionel Ritchies "Easy", die er mittendrin abbricht, dann erzählt er uns folgende Geschichte: daß er das letzte Stück nur heute abend und dann erst wieder in 25 Jahren spielen wird, auf seiner Jubiläumstour in der O2-Arena Saarbrücken, die bis dahin gebaut sein wird, und er wird dann vor seinen tausenden Fans dieses Lied mit den Worten ansagen, er hätte es nur ein einziges Mal, vor genau 25 Jahren, in einem winzigen Club gespielt, und die Dame hier in der ersten Reihe würde jauchzend ihrem Begleiter ins Ohr kreischen, sie sei damals, vor 25 Jahren, in genau diesem Kleinen Klub dabei gewesen, als er dieses Lied zum ersten und einzigen Mal gespielt hätte, und in genau dieser Stimmung, die ihm jetzt bereits eine Freudenträne bereite, spiele er uns nun das Stück "Hand in Hand"...

Tatsächlich war dies eine der reizendsten, anrührendsten Zugaben, die ich jeh erlebt habe.
Gez. Ich