Do, 04.03.2010, Jahrhunderthalle, Frankfurt

Dave Matthews Band (Alle Fotos: Toff)

Diese Band füllt in den Staaten locker die großen Stadien, und das mit einem lodernden Funkjazzrockgebräu mit ausgebufft rhythmischen Strukturen, die kaum nachzuvollziehen sind. Aber die haben ja auch da drüben Ballsportarten, die bei uns keine Sau versteht.
Die Jahrhunderthalle jedenfalls war - bei der ersten Deutschlandtour der DMB seit 10 Jahren - proppenvoll. Wie schon beim genialen FEIST-Konzert war auch diesmal die Akustik bestechend, schon die Anheizer von ALBERTA CROSS wußten dahingehend zu überzeugen. Und dann der Meister und seine treuen Vasallen (seit dem ersten Album 1993 in der gleichen Besetzung) - zweidreiviertel Stunden dermaßen kraftstrotzende Mucke, daß es fast zuviel des Guten ist. Am Tag nach dem Konzert habe ich mir nochmal das Debütalbum "Remember Two Things" angehört - schon damals war alles da, was diese unfassbare Band ausmacht, nur leichter, luftiger, geschmeidiger, eine extravagante Rockband mit angejazzten Arangements. Auf der Bühne der Jahrhunderthalle stehen indes sieben Jazzer, die funkigen Rock spielen.

Dave Matthews hat sein Gastspiel als Patient bei Dr. House gut überstanden - es musiziert sich offenbar auch mit nur einer Gehirnhälfte hervorragend. Spässle g'macht.
Die Setliste variiert: beim Tourstart in Hamburg wird "Burning Down The House" gecovert, wir bekommen dafür als Zugabe "All Along The Watchtower" serviert. Ausgelutscht bis dorthinaus, klar, aber was die DMB daraus macht, hat Klasse. Weltklasse. Das große Plus dieses fantastischen Septetts - die unkonventionelle Besetzung mit Violine, Bass, Drums, Trompete, Saxofon, akustischer und elektrischer Gitarre - ist zugleich das einzige Handicap: hin und wieder wünschte ich mir ein paar Keyboardteppiche, die die messerscharfen Riffs und Stakkati abrunden und die im Überfluss vorhandenen Ecken und Kanten sanft überhobeln.
Nein, im Ernst: wenn dieser musikalische Dampfkessel loskocht, die Songs in Jams mäandern und wieder zurück finden, wie Dave Matthews am Mikrofon seine Seele nach außen kehrt, gurgelt, greint, flüstert, sich selbst regelrecht in Extase singt und jeden gottverdammten Ton trifft, sei er auch noch so abwegig gesetzt - es ist ehrfurchteinflößend, überbordend, und ...simply too much

Dave Matthews Band (Foto: Toff)