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So, 01.06.2008, Jahrhunderthalle, Frankfurt

Die kanadische Sängerin / Musikerin Leslie Feist, die es spätestens seit "The Reminder" zu mittlerem Kultsatus gebracht hat, gab ihr einziges Deutschlandkonzert 2008 in der Jahrhunderthalle in Ffm/Höchst.

Ein Traum von einem Konzert

Leslie Feist beginnt ihr Konzert als Schattenspiel, singt ihr erstes Lied praktisch mit sich selbst im Echo-Duett als Scherenschnitt. Man muß das einfach gesehen haben, wie sehr die Kanadierin im Handumdrehen ihr vieltausendköpfiges Publikum beim einzigen Deutschlandkonzert verzauberte.
Zuvor betraten Schlag acht LAWRENCE ARABIA aus Neuseeland die riesige Bühne der Jahrhunderthalle. Die Band (mit Schnittmenge zu Okkervil River) wußte mit warmherzig-verschrobenen Pop-Kleinkunstwerken vom Fleck weg zu überzeugen, der teils fünfstimmige Gesang und die für eine Vorgruppe bereits phänomenale Akustik taten ein übriges: dies waren die Vorboten eines grandiosen Konzertabends. Überhaupt: die Jahrhunderthalle – hier gastierten laut Eric bereits 1972 die Grateful Dead, und das spricht gewiß nicht gegen diese Location ;-)

An den Autokennzeichen aus ganz Deutschland war abzulesen, welchen Status Frau Feist mittlerweile genießt: das hat nur noch wenig mit Independent zu tun, spätestens seit der i-Pod-Werbung („1-2-3-4“) hat sich das erledigt. Doch die grazile Kanadierin wird diesem Status , dieser Bühne und diesem Riesenpublikum absolut gerecht, mehr noch: sie verzaubert jeden einzelnen von uns mit ihrer sympathischen Art, ihren wundervollen Ansagen, ihrem völlig unprätentiösen und doch hochgradig künstlerischen Gitarre- und Klavierspiel und natürlich ihrem UNFASSBAREN glockenklaren Gesang, der absolut einzigartig auf diesem Planeten ist.
Mit vierköpfiger Begleitband spielt sich Feist quer durch ihre beiden offiziellen Alben, wobei JEDER Song live noch besser, frischer, knackiger, lebendiger klingt. Highlights gibt es nicht – das gesamte über zweistündige Konzert ist ein durchgehendes Highlight und Gesamtkunstwerk! Auch als Leslie für drei Songs ganz alleine auf der Bühne steht, hat sie ihr Publikum fest am Wickel: selbst das berühmte Mucksmäuschen ist still und hört ihr andächtig zu. Zau-ber-haft!
Genau dieses Wort muß auch auf die Leinwandprojektionen angewendet werden, die LIVE und für alle sichtbar auf der Bühne von einer Dame als SHADOW ARTIST installiert werden. Keine Lasershow, keine Diaprojektionen – Scherenschnitte!
Zum Finale holt Feist wieder Lawrence Arabia auf die Bühne zum vielstimmigen, rockigen Höhepunkt „Sealion Woman“; nach der Zusage laufen die Credits als Abspann im Scherenschnitt über die Leinwand.

Was für die Ewigkeit bleibt, ist die Erinnerung an eine Künstlerin, die es geschafft hat, mehr als dreitausend Besucher für Sekunden in einen perfekt-vierstimmigen Chor zu verwandeln. Alleine, ohne Anstrengung, ohne dumpfe Publikums-Anmache.
Uli gehen Tage später "immer noch wunderbare Leslie-Bilder durch Kopf & Sinn - Denkwürdiger Auftritt. Grooooooßartig. Kunst." Und Toff beendet hiermit seinen Bericht über eines der besten Konzerte, das er in den vergangenen dreissig Jahren gesehen hat.