Im Schatten der Schneegans - CAMEL (Foto: Eric, 31.10.2013)

Camel - 31.10.2013, Alte Seilerei Mannheim


Konzertreview von Eric

Das alte Industriegebäude, ähnlich dem Exit07 in Luxembourg, nur etwas größer, bot wenig Komfort, dafür teure Getränke. Dennoch keine schlechte Location, ohne Navi allerdings kaum zu finden. Mit einem Altersschnitt von 50+ fanden sich rund 1.000 Besucher in der nicht ganz ausverkauften Halle ein (Kapazität 1.200 lt. Internet), darunter Leo, Jöbbe und ich. Unser guter Platz nahe an der Bühne sorgte für einen perfekten Sound (der weiter hinten immer schwammiger wurde). Pünktlich um 20.00 Uhr betraten Urmitglied Andy Latimer (64 Lenze, Gitarre, Gesang, Flöte, Keyb.) und Langzeit-Mitglied Colin Bass (62, Bass, Gesang, Gitarre) die Bühne, begleitet von Guy Leblanc (Keyb., Gesang), Jason Hart (Keyb., Gitarre, Gesang) und Dennis Clement (Drums, Bass). Mit einer unfassbaren Perfektion (nicht Sterilität) und Präzision spielte sich die Band zuerst 50 Minuten durch ihr komplettes ´75er-Opus The Snow Goose (auch Namensgeber der Tour). Während Colin Bass wie ein in Würde gealteter Gentleman seinen Bass streichelt, spielt der etwas wackelig auf den Beinen wirkende Latimer, in Jeans und Schlabber-Shirt, immer noch eine fantastische Gitarre, und gerät bei seinen Solos auf Fender Strat oder Gibson Goldtone, mit einem Habitus und Gesichtsausdruck wie Neil Young regelrecht in Ekstase (bei den seltenen Flötensolos vermisste vor allem Leo die „einbeinige“ Variante….). Nach einer viel zu langen Pause begann der zweite Set mit dem wunderbaren „never let go“ aus dem Debutalbum (1973). Dabei klang der Duett-Gesang (Latimer/Bass) wie in guten alten Zeiten. Überhaupt war die Stimmung hervorragend, vor und auf der Bühne. Vor allem Latimer wirkte sichtlich erfreut und gerührt ob der Ovationen. Mit „a song within a song“ von Moonmadness (1976), „echoes“ von Breathless (1978) und dem herrlichen „tell me“ aus dem wunderbaren Rain Dances Album (1977) folgten weitere Klassiker ohne jeden Makel. Die Stücke „the hour candle“ und „watching the bobbins“, beide aus dem ´96er Werk Harbour Of Tears, fehlte etwas die kompositorische Klasse, waren dennoch von höchstem Unterhaltungswert. Für mich zu den Highlights zählten die beiden Songs aus dem Album A Nod And A Wink (2002): zum einen das mit einer Orgelbegleitung wie aus Genesis’ „the knife“ munter musizierte „the fox“, gesungen und in fast perfektem Deutsch anmoderiert von Colin Bass, versetzte uns mit typisch englischen Erzählstil ins Fabelreich von Meister Reineke – witzig und höchst unterhaltsam! Zum anderen das finale „for today“, mit sanftem, wehmütigem Beginn und ekstatischem Ende – wow! Natürlich bestand die Zugabe aus dem unvermeintlichen Klassiker „lady fantasy“ aus Mirage (1974), einem Song, bei dem mir nur die Hauptmelodie gefällt und dessen Hype ich bis heute nicht nachvollziehen kann. Kurz vor 23.00 Uhr war dann Schluss mit einem nahezu ohne Abstriche famosen Konzertabend.

Gesattelte Kamele - Andrew Latimer & Co. in der Alten Sattlerei (Foto: Leo, 31.10.2013)