Lambchop - 18.11.06 Garage Saarbrücken

Die Konzertkritik von Eric
Konzerte wecken im Vorfeld meistens Erwartungen, die im nachhinein dann enttäuscht werden. Am 18. November anno 2006 war dies nicht der Fall – im Gegenteil: der Auftritt der Nashville Band Lambchop in der Saarbrücker Garage hat einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen und hat, einfach gesagt, alle Erwartungen bei weitem übertroffen. Schon beim Betreten der (bestuhlten) Halle und beim ersten Blick auf die mit Instrumenten vollgestellte Bühne wurde das Kribbeln spürbar.
Um Punkt 20.00 Uhr begann dann das Konzert, das mich knappe zweieinhalb Stunden in einen tranceartigen Rausch versetzte. Erst erklommen die (Lambchop-) Musiker Jonathan Marx (electr.), Ryan Norris (keyb, electr.) und Wiliam Tyler (gtr.), die sich „Hands off Cuba“ nennen, die Bühne, und begannen, ihre Früh-Siebziger-Anzüge und Krawatten musikalisch umzusetzen. Norris „bediente“ ein Bontempi-ähnliches Gerät, auf dem „Ace Tone“ stand. Vielen kleinen geheimnisvollen Kästchen in verschiedenen Formen und Farben, verkabelt und verdrahtet, wurden krautrockartige Töne und Rhythmen entlockt, Tyler, umgeben von unzähligen Fußpedalen, streichelte die Gitarrenseiten mit ebenso geheimnisvollen Kästchen. So muss es gewesen sein, als der Krautrock Anfang der 70er Laufen lernte. Kurz danach kam das polnische „Dafo String Quartett“ hinzu und geigte uns eine unruhige Weise. Danach wieder Elektronik, immer mehr Musiker erklommen die Bühne, Sam Baker (dr.), Matt Swanson (b.), Alex McManus (gtr.), auch Mastermind Kurt Wagner, der in der Mitte auf einem bequemen Bänkchen Platz nimmt, direkt neben seinem kongenialen musikalischen Partner, dem Pianisten Tony Crow. Aus dem Gewaber schält sich langsam der erste Song des Abends, das elegische „Paperback Bible“. Wagners Stimme ist rauer und manchmal sogar aggressiver als auf Platte. Die Band, spielt sich traumwandlerisch, oft von den Streicherinnen begleitet, bei nahezu glasklarem Sound, überwiegend durch das Repertoire Ihrer letzten vier Langspielplatten, mit Schwerpunkt auf dem neuesten Album „Damaged“. Grandios vor allem das fast hymnische „Nashville parents“ oder das zeitlupenartige „my blue wave“. Immer wieder kredenzen uns „Hands off Cuba“ kurze elektronische Interludes, wie es bereits von „Damaged“ bekannt war.
Das Konzert endete mit einer fast wütend vorgetragenen Zugabe, bei der die Band richtig losrockte und die zu dreiviertel gefüllte Halle in Ekstase versetzte. Selbst der aus „Heimat“ bekannte Glasisch (er heißt bürgerlich, man glaubt es kaum, Kurt Wagner) verlor alle Hemmungen und ließ vor der Bühne den Zappelphilipp raushängen. Das Volk tobte, selbst dann noch, als das Saallicht bereits wieder brannte. Weinige Minuten später stand ein sichtlich erfreuter Kurt Wagner bereits am Merchandising-Stand und signierte artig und redselig die nur auf den Konzerten erhältliche Live CD (70 Minuten). Zusätzlich erwarb ich auch noch die „Hands off Cuba“-EP (22 Minuten). Was wäre ich ohne Wowbi, der mir die für beide CDs benötigten 20 Euro leihen musste....
In der ersten Euphorie lasse ich mich zu den Worten hinreißen „dies war das beste Konzert, das ich jemals gesehen habe“. Nachdem ich nun bereits mehrfach drüber geschlafen habe und meine berauschten Sinne wieder zur Ruhe gekommen sind, stelle ich nüchtern fest, dass meine Einschätzung nicht korrigiert werden muss.

(Eric Brill 21.11.2006)