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02.06.2013 Ziggo-Dome, Amsterdam

Jetzt aber RUSH - mit siebenköpfigem Streichquartett (Foto: Didier Quint, hartelijk bedankt)

A Show of Strings

An diesem Frühsommerabend in Amsterdam beweisen RUSH trotz fortgeschrittenen Alters (man geht geschlossen auf die 60 zu), daß sie not just another band from Canada sind, sondern das größte optisch-akustische Gesamtkunstwerk, das dieses kleine Land zu bieten hat.
Geddy, Alex und Neil begrüßen die tosenden Tausende auf holländisch und spielen wie gewohnt mit Händen, Füßen und allerhand Köpfchen. Immer noch sind sie die Nerds unter den Rock'n'Roll-Kapellen, aber längst nehmen sie sich selbst nicht mehr allzu ernst und machen sich in den langen Filmsequenzen mit Genuß über sich und andere lustig: diesmal schlüpfen sie in die Rolle dreier zwergenhafter, haariger Gnome, die einen bemitleidenswerten Schlipsträger in einem labyrinthischen Gebäude kirre machen. Der tiefere Sinn bleibt bei diesem Multimediaspektakel obskur, denn ganz nebenbei gibt es fast drei Stunden Musik auf die Ohren.

Schlag acht startet die Show im gigantischen Ziggo-Dome direkt gegenüber der Ajax-Fußball-Arena nach dem obligatorischen Introvideo mit den drängenden Synthieklängen von Subdivisions, das wie eine Fanfare den einstündigen Ritt durch das großartige 80er Jahre-Ouevre einleitet - die stärkste schöpferische Phase der Herren Lee, Lifeson und Peart - getoppt durch das Instrumental Where's my thing? vom '91er Roll the Bones-Album. Das alles läuft routiniert, elanvoll, man ist beeindruckt, aber der Funke mag noch nicht recht überspringen.
Das ändert sich mit dem ersten Ton nach der Pause. Ich habe RUSH bereits viermal live erlebt (1983, '87, '91, 2007) - und jedesmal haben sie ihren Nerd-Status schon dadurch gefestigt, alle Instrumente, Maschinen und Samples auf der Bühne selbst anzusteuern, mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Gliedmaßen ohne die Zuhilfenahme von Gastmusikern.
Heute ist alles anders: ein quicklebendiges Streichseptett - das Clockwork Angels String Ensemble - flankiert Neil Pearts ehrfurchteinflößendes Drumset und begleitet das Trio auf der abenteuerlichen Reise durch weite Teile des aktuellen Albums Clockwork Angels mit Geigen, Bratschen und Celli. Das ist eine echte Überraschung, eine frisch gestrichene Bereicherung, alleine optisch schon ein Genuß. Die Soundtechnik bleibt leider hinter den Erwartungen zurück - das optimale Klangerlebnis wird man erst auf der Tour-DVD erleben (und dann auch das Treiben der Gnome besser verstehen) können.

Der Rest des Programms bleibt den Klassikern vorbehalten - u.a. Neil Pearts Drumsolo, gesplittet in eine akustische und eine elektronische Leistungsschau, virtuos, virulent und wohldosiert auf zwei Solopassagen über den Abend verteilt - und hat mit dem Streicher-unterstützten Yyz ein echtes Highlight zu bieten. Die Zeitreise endet in den 70ern und der obligatorischen Achse Tom Sawyer - Spirit of Radio - 2112...
Geddy, Alex und Neil verteilen Tulpen an Amsterdam, zum Abspann verabschieden sich die Rush-Gnome auf der gigantischen Leinwand.
Schwer zu sagen, ob, wann und in welcher Reinkarnation sie zurückkehren werden.

Setliste Amsterdam 2013

Set One

Subdivisions
The Big Money
Force Ten
Grand Designs
Limelight
Territories
The Analog Kid
Bravado
Where's My Thing? (incl. Drum Solo)
Far Cry

Set Two, with Clockwork Angels String Ensemble
Caravan
Clockwork Angels
The Anarchist
Carnies
The Wreckers
Headlong Flight
(Drum Solo 2)
Halo Effect (incl. Alex Lifeson Guitar Solo Intro)
Seven Cities of Gold
The Garden
Manhattan Project
The Percussor (Drum Solo 3)
Red Sector A
YYZ
The Spirit of Radio

Encore
Tom Sawyer
2112 (Overture / The Temples of Syrinx / Grand Finale)

Ein Abend voller ÜberRUSHungen (Fotos: Didier Quint, 04.06.2013, Köln)

Fotostrecke zum Amsterdam-Konzert: http://www.nufoto.nl/tag/rush/


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21.10.2007 SAP-Arena, Mannheim

Rush-Hour (21.10.07 Mannheim, SAP-Arena; Foto: Charly)

One likes to believe in the freedom of music

Mindestens jeder Zweite im Publikum ist der größte Rush-Fan der Welt. Diese Band wird geehrt, ja geliebt wie kaum eine andere, und sie hat es sich verdient! Seit fast 30 Jahren begleitet sie mich durch mein Leben wie eine kanadische Bank, auf die vor allem eins ist: Verlaß!
Die gut gefüllte SAP-Arena glänzt mit perfekter Organisation und Verkehrsanbindung. Unsere Sitzplätze sind vom Feinsten - bühnennah und auf Augenhöhe mit den Musikern. Das Programm läßt kaum Wünsche offen - von Schlag acht bis fünf vor halb zwölf (mit exakt 30 Min. Intermission) präsentieren Rush bei angenehmer Lautstärke das gelungene neue Album Snakes & Arrows (wobei "Far Cry" und "The Larger Bowl" das Zeug zu Favorites haben - letzteres auch optisch mit bewegenden Bildern unterlegt ein ergreifendes Highlight), sie behandeln das Oeuvre der 70er und 90er eher stiefmütterlich (der älteste Song ist "A Passage to Bangkok") und verabreichen eine Breitwand-Medikation aus meinen Lieblingsalben Permanent Waves, Moving Pictures und Signals, die alle Alltagsleiden vergessen lassen. Das sehr selten gespielte "Entre Nous" entpuppt sich dabei als wahre Perle unter Perlen.

Eigentlich können Rush bei mir keine Fehler machen. Warum mir mein viertes Konzert (nach 1983, '87, '91) wieder unvergessen bleiben wird? Wegen dem Drachen, der von der Leinwand herab echtes Feuer speit (und danach einen kläglichen Hustenanfall bekommt), wegen Geddys Henhouse, seiner Bassanlage, diesmal keine Mega-Waschmaschinen, sondern Glasvitrinen mit sich drehenden Brathähnchenspießen, die regelmäßig eingepinselt werden, wegen den South Park-Animationsfiguren, die versuchen, "Tom Sawyer" zu proben und fälschlicherweise Huckleberry Finn zitieren, wegen Alex's Arsenal an Fußpedalen und Plastikdinosauriern, wegen der blendenden Spiellaune der drei alten Herren, wegen der Lightshow, Videoeinspielungen und Live-Cams - und wegen der Musik, ja doch, die mir mehr als einmal meine Augen nässt. Es ist eine SHOW mit grandioser Choreografie, die jeden Euro wert ist.
Geddy ist bestens bei Stimme, seine gute Laune ansteckend, Alex mit einer Heerschar an Geklampfe ganz bei sich und mit ungewohntem Zug zum Mikrofon (als bislang nie erlebten echten Backing-Vokalisten), und Neil als gewohnten Fels in der Brandung mit dem heutzutage einzigen ersehnten Schlagzeugsolo der Musikbranche, das wieder einmal beweist, wer der Beste seines Fachs auf diesem Planeten ist.
Auch wenn manche Passagen an diesem Abend äußerst routiniert klingen, diese Band kann keine Fehler machen! Denn ich bin der größte Rush-Fan der Welt, und ich liebe diese Band.

Alle Live-Fotos 2007: Charly

Setliste Mannheim 2007

Set 1:

Video Intro

01. Limelight
02. Digital Man
03. Entre Nous
04. Mission
05. Freewill
06. The Main Monkey Business
07. The Larger Bowl
08. Secret Touch
09. Circumstances
10. Between The Wheels
11. Dreamline

Intermission

Set 2:

Video Intro

12. Far Cry
13. Workin' Them Angels
14. Armor And Sword
15. Spindrift
16. The Way The Wind Blows
17. Subdivisions
18. Natural Science
19. Witch Hunt
20. Malignant Narcissism
21. Drum Solo
22. Hope
23. Distant Early Warning
24. The Spirit Of Radio
25. Tom Sawyer

Encore:

26. One Little Victory
27. A Passage to Bangkok
28. YYZ