Sie sind hier: KONZERT.KISTE Sigur Rós

18.11.2008 Rockhal, Esch/Alzette

SIGUR RÓS in Esch/Alzette (18.11.08, Foto: Toff)

Ein SIGUR RÓS-Konzert zu beschreiben muß scheitern, weil es keine passenden Worte dafür gibt. Eric hat es versucht: „Ich stehe immer noch unter der Einwirkung dieses zweistündigen Trips aus Klang, Farben, Bildern. Aus meiner Sicht war das kein normales Konzert, es hatte etwas Übersinnliches, auch diese gespenstische Atmosphäre beim Umbau, untermalt mit dieser wunderbaren Musik.“

Esch sur Alzette, Avenue du Rock’n’Roll – eine in Kunstlicht getauchte unwirkliche Kulisse, als hätte jemand das Völklinger Weltkulturerbe auf den Potsdamer Platz gebeamt. Oder umgekehrt.
Die ROCKHAL – eine Konzertfabrik mit pangalaktischen Ausmaßen (im Vergleich zu Den Atelier in Luxemburg-Stadt); die gefühlten 2000 Zuschauer finden mühelos im bestuhlten scharzen Kubus Platz. Mit einem Dröhnen beginnt das isländische Quartett FOR A MINOR REFLECTION seinen hypnotischen halbstündigen Set, der nur Raum für vier (!) Lieder lässt, die mit solcher Inbrunst vorgetragen werden, dass wir erst mitten im zweiten Stück merken, dass sie völlig ohne Gesang auskommen. 2 Gitarren, Bass, Drums. Krach kann so betörend sein.
Vom ersten Ton ihres zweistündigen Sets an merkt man, wie groß SIGUR RÓS geworden sind. Man kann sie nicht als „gut“ oder „schlecht“ bezeichnen – sie sind Isländer, also „anders“. Der Titel ihres 5. Albums lautet „Með suð í eyrum við spilum endalaust“, und wenn man das grob übersetzt ("Mit einem Summen im Ohr spielen wir endlos weiter"), kommt man der Musik schon recht nahe. Sie changiert zwischen zerbrechlichem Plirren, brachialem Stampfen und viel Raum dazwischen. Schubladendenker sprechen von epischem Post-Rock. Wir reden von Island. Macht diese sonderbare Insel die Menschen, ihre Musiker zu dem, was sie sind? Würde jemand im Ernst Björk Gudmundsdottir als normal bezeichnen? Ist es das Auseinanderdriften der Nordamerikanischen und der Eurasischen Platte, deren Trennlinie quer durch die Insel verläuft und sie irgendwann spalten wird? Gebiert das per se gespaltene Persönlichkeiten mit so enormer positiver Kreativität?
Jonsí Birgisson, der womöglich bescheidenste Musiker der Welt, wird auf der Bühne mit seinem Falsettgesang, der geigenbogengestrichenen E-Gitarre, am Pedalharmonium und Vibraphon zum Titan der Sphärenklänge. Wer seine Lieder “Gobbledigook“ oder “Hoppipolla“ nennt, kann kein schlechter Mensch sein.
Zum dröhnenden Abschluß kommen auch die vier von FOR A MINOR REFLECTION wieder – mit Trommeln bewaffnet – zu SIGUR RÓS auf die Bühne, im Konfettiregen und einer Mitklatschorgie des Publikums endet der Zauber und lässt uns zunächst sprachlos zurück.
Und diese Sprachlosigkeit hält – trotz vieler Worte – immer noch an.

Alle Fotos zeigen SIGUR RÓS, außer unten links FOR A MINOR REFLECTION
Copyright: Toff

-> Sigur Rós - Gobbledigook @ Rockhal, Luxembourg 18/11/08 (YouTube)

-> Sigur Rós - Sæglópur @ Rockhal, Luxembourg 18/11/08 (YouTube)