Sie sind hier: KONZERT.KISTE Silly

Mo, 29.11.2010 Garage, Saarbrücken

Silly Unplugged - Uwe, Anna, Jäcki & Ritchie bei der Arbeit

Alles gute kommt von drüben

SILLY sind ja sowas wie der FC Bayern der deutschsprachigen Rockmusik, oder besser: Dynamo Ostberlin - man liebt sie oder man hasst sie. Saarbrücken liebt sie. Und Bochum, wo unsere Münsteraner Freunde zu SILLY-Fans wurden. Und Deutschland, wo sie beim Bundesvision Song Contest zweite Sieger wurden. Kaum eine Band spielt auf so hohem Niveau ohne Allüren oder protziges Gehabe, souverän und grundsympathisch.
Gitarrist Uwe Hassbecker ist eine Klasse für sich - und spielt doch mannschaftsdienlich. Nur sehr dosiert geht er aus sich heraus mit dem ein oder anderen Solo, das einem dann mit Nachdruck das Wasser in die Augen treibt und der Heerschar seiner Zunft dezent andeutet, sich hinten anzustellen. Und wenn er in der letzten Zugabe "Sonnenblumen" - der Widmung an die verstorbene Tamara Danz - zur Violine greift, verliere sogar ich ein wenig die Contenance. Ritchie Barton an den Keyboards beherrscht die rechte Bühnenseite und ist zudem ein Meister der omnipräsenten zweiten Stimme. Jäcki Reznicek am Fretless und Contrabass hat eh den größten Fanclub. Und dann natürlich die blonde Anna, zur Brünetten gewandelt und zur exzellenten Live-Sängerin gereift: selbstbewußt und kraftvoll ist ihr Vortrag, ihr Überschwang ungebremst, als wolle sie uns sagen: ist das geil, in meiner Lieblingsband mitmachen zu dürfen! Und wenn sie manch Ansage enthusiasmiert verholpert, schmunzelt die Band, als wolle sie uns sagen: ist das geil, nach 14 Jahren endlich wieder auf große Tour gehen zu können. Anna Loos sei dank – sie meistert das aktuelle Album „Alles Rot“, das fast komplett gespielt wird, sowie die älteren Stücke mit Bravour, manchmal klingt es tatsächlich nach Tamara.

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Ein echter Traum ist das Acoustic-Set in der zweiten Hälfte, wo einige ältere Stücke reduziert und entbeint vorgetragen werden. Da haben SILLY fast was kammermusikalisches – nur um bei „SOS“ oder „Mein Kapitän“ dann vollelektrisch umso mehr auf die Kacke zu hauen. Sympathisch auch die Begleitmusiker: Die Söhne von Hassbecker (key, g, cello) und Reznicek (dr) sowie Herr Petereit (g) komplettieren die "Familie Silly" (wie die Band zum Karrierebeginn in der DDR Ende der Siebziger Jahre noch hieß). Erstaunlich und bezeichnend, was in der zweiten Zugabe geschieht: SILLY holen ihr Vorprogramm auf die Bühne, den überzeugenden Singer/Songwriter BOSSE, und spielen mit ihm eines SEINER Lieder. Unprätentiöser geht es nimmer!
Highlight des Konzertes ist die überlange Version von „Alles Rot“, in der es Ritchie an die Gitarre verschlägt, Anna sich am Klavier austoben darf und Uwe zeigt, wo der Hammer hängt. Ein Hammer, dieses Konzert, bestechend auch der Sound in der vollen Garage – so glasklar hab ich ihn hier noch nie erlebt! Hier waren Profis am Werk, echte Meister. Dynamo Ostberlin.

Silly elektrisch - Grande Finale, 10 Minuten ist ALLES ROT und Anna haut in die Tasten

Fotos: Toff

P.S.
Auf der aktuellen SILLY-Tour sitzt Ronny Dehn am Schlagzeug, und nicht, wie fälschlich von mir angenommen, Sebastian Reznicek. Danke für die Info an den "Lone Reviewer"