Sa, 15.10.2011 Thalia-Kino, Bous

Kölsche Jung in Bous (Foto: Toff aus der Köllner Str.; Widmung: Wolfgang N. aus K.; Ablichtung mit überaus freundlicher Genehmigung des Verlags Hoffmann und Campe)

Lesershow im Wohlfühlkino

Uli hat seine Eintrittskarte vom legendären BAP-Konzert in der Saarbrücker Uni-Aula aus dem Jahre 1982 mitgebracht (Eintritt 10,- DM). Wenn ihm damals jemand erzählt hätte, sein Jugendheld würde ihm 30 Jahre später in seiner Heimatstadt BOUS an der Saar genau diese Karte unterzeichnen, er hätte alle Contenance verloren.
Wolfgang Niedecken gastiert ein komplettes Wochenende im herrlich altmodischen Thalia-Lichtspielhaus: zwischen zwei abendfüllenden Autorenlesungen steht er auch noch in der Radiosendung FRAGEN AN DEN AUTOR am heiligen Sonntagmorgen eloquent, charmant und unterhaltsam Rede und Antwort.
Auch ich war damals in der Uni-Aula, es war eines jener unvergesslichen Konzert-Erlebnisse meines Lebens. Den Protagonisten am Sonnabend hautnah im Nachbarort zu erleben, hat dennoch nichts Surreales, denn Niedecken ist wohltuend bodenständig und normal, der Kölsche Jung von nebenan. Die dreieinhalbstündige Lesung aus seiner Autobiographie "Für 'ne Moment“ – die leider im ersten Teil von den geistesgestörten Zwischenrufen einer Angetrunkenen gestört wird – würzt er reichlich mit musikalischen Breaks, mit Gitarre, Mundharmonika und Baskenmütze bewaffnet, wobei Neil Youngs "Cowgirl in the Sand“ Ausgangs- und Schlusspunkt bildet (vor den Zugaben, versteht sich). Dabei greift er z.T. tief, sehr tief in die Klamottenkiste, spielt Songs aus der Urzeit von BAP, aber auch einige Solostücke, wobei "Nie met Aljebra“ an Intensität (und Länge) dem grandiosen Original von "Schlagzeiten“ in nichts nachsteht.
Doch der Star des Abends ist das Gesprochene Wort. Und dieser Mann hat etwas zu sagen. Und viel zu erzählen, sei es über sein Werk als Musiker oder bildender Künstler, seine Aktivitäten für Hilfsorganisationen in Afrika oder seine Kindheit in Köln, sei es über urige Rock'n'Roll-Eskapaden oder körperlichen und seelischen Mißbrauch im katholischen Internat. Eigentlich ist der frei redende Niedecken noch besser als der vorlesende. So oder so - dem Bann seiner sonoren Stimme, seiner Geschichten, seiner Lieder kann sich an diesem Abend niemand entziehen.

Uli S. aus SLS mit Jugendheld kurz vorm Signieren einer historischen Konzertkarte

Fotos oben: Toff
1000 Dank an Uli für die Einladung!

Niedeckens BAP-Blog vom Saarland-Besuch (Bous und Elm!):
http://www.bap.de/start/aktuell/logbuch/samstag-15oktober-2011-und-sonntag-16oktober-2011-%E2%80%93-bousthalia-kino-%E2%80%93-montag-17oktob

Impressionen ...
von Niedeckens Besuch in Bous

Toff im Thalia-Kino 10 Sekunden vorm Kauf des Niedecken-Buches (Foto: Verlag + Druck LINUS WITTICH)