Bei den XXI. Olympischen Winterspielen vom 12. bis 28. Februar 2010 fielen in Vancouver, Whistler und Cypress Mountain an Kanadas Westküste 86 Entscheidungen. Die wichtigste Entscheidung hierbei war sicher mein Entschluß, die olympischen Ideale mit meinen Blogs satirisch zu torpedieren ;-)


Blog 1 - am 13-02-2010 um 17:06 Uhr

Die Spiele haben begonnen - Ski und Rodel gut!? Ski fällt aus, Rodeln ist tödlich. Ein katastrophaler Beginn für Spiele, die im Kern zu den besten Ideen der Menschheit gehören. Hat jemand die Eröffnungsfeier gesehen? Eigentlich ertrage ich solche Pompveranstaltungen nicht, aber die ersten Goldmedaillen gehen eindeutig an die Kanadierinnen Joni Mitchell und KD Lang in den nicht-olympischen Disziplinen Choreografie und Gesang.


Blog 2 - am 15-02-2010 um 12:06 Uhr

Hundertstelsekunden - eine Maßeinheit, die nur aus dem einen Grund erfunden wurde:
um junge Sportler bis aufs Blut zu quälen und den Psychologen in die Hände zu treiben. Daniela Anschütz-Thoms verpasst im 3000 m Eisschnellauf um drei Hundertstel die Bronzemedaille. Bestell mal in der Kneipe drei Hundertstel Urpils. Aber die Daniela soll sich mal nicht so dranstellen: sie hätte auf jedem Meter der Eisbahn satte 0,00003 Sek. gutmachen müssen - das sind dreissigtausend Nanosekunden... das schafft kein Mensch!!!
Im witterungsbedingt irre(guläre)n 10 km-Biathlon-Sprint trifft keiner, nicht mal Einar. Narhallamarsch! Der Kroate Jakov Fak gewinnt die Bronzemedaille - ich freue mich schon auf die Siegerehrung, wenn sein Name vor Millionen Fernsehzuschauern aus den Lautsprechern tönt ;-)


Blog 3 - am 18-02-2010 um 12:29 Uhr

Maria Riesch hat alles rieschtig gemacht. Fünfmal vor ihrem Start wurde der Abfahrtslauf unterbrochen. Ein paar Meter neben ihr wurde ein Sturzopfer mit heftig blutender offener Oberschenkelfraktur behandelt hätt ich jetzt beinah geschrieben. Hat aber nicht viel 'zu gefehlt: Anja Paersons Horrorsturz war die quotenträchtige Krönung unzähliger Horrorstürze bei der Horrorabfahrt auf "Franz's Run". Die Strecke ist viel zu heavy für die Mädels, heißt es. Dabei fahren einige (wie Lindsey Vonneproppen) auf Herrenskiern. Edith Miklos hätte besser gleich ihren Herren-Avatar fahren lassen sollen, dann hätte der sich die Kreuzbänder gerissen. Womöglich nahm der Mensch in der Maria-Riesch-Maschine Überhand und zeigte beim Start so etwas wie ...Angst?!? Mein Gott, was fällt der denn ein!? Sogesehen hat Maria alles richtig gemacht. Und konnte damit nur verlieren.


Blog 4 - am 19-02-2010 um 17:39 Uhr

Pechmarie . . . . . . . . . . . . . Goldmarie!!!!!!!!
Soviel Zeit muß sein ;-)


Blog 5 - am 22-02-2010 um 12:08 Uhr

Kann mir mal jemand erklären, was es mit diesen Körnern auf sich hat?
Von Eisschnell- und Skilangläufern hab ich das jetzt schon öfter gehört, und auch unsere bronzene Simone meinte, während des 12,5 km Biathlon-Massenstaus hätte sie durchaus noch ein paar Körner gehabt. Die nicht wirklich schmächtige Frau Hauswald - eine Körnerfresserin? Oder hat Doping einen neuen Namen? Müßte man jemanden fragen, der sich damit auskennt, Österreicher zum Beispiel. Bei der letzten Fußball-EM hab ich schon das mit dem Pfund nicht verstanden. Da hieß es ständig, was für ein Pfund dieser Schuß war. Und jetzt die Körner. Ich weiß ja auch nicht, was ein Checker ist. Das Wort hab ich im DSDS-Kinderzoo gehört (zufällig natürlich), aber keiner erklärt mir, wer oder was ein Checker ist. Ich bin jetzt auch langsam in dem Alter, wo ich gar nicht mehr alles wissen WILL, aber ich schweife ab. Werde mal checken, obs im Reformhaus ein Pfund Körner gibt...


Blog 6 - am 23-02-2010 um 13:27 Uhr

Habt ihr auch schon eckige Ohren und Olympiaringe unter den Augen? Und klang das Jüngste Gerücht nicht wie eine Erlösung: daß unsere Goldmagd da, Lena Neuner, die Waffe abschnallen und als Langläuferin starten will? Dann hätten wir wenigstens EINE Gute. Seit Montagabend darf man das wieder überdenken: die Claudia (die vorher praktisch nystadfand) und die Eva hatten wahrscheinlich dermaßen Angst vor der nächsten Tracht Prügel von Teamchef Behle (von dem man früher nicht immer wußte, wo er ist), daß sie im Teamsprint eine neue Taktik ausprobierten - und einfach mal gewonnen haben. Der Wahnsinn! Für unsere Adler hab ich mir folgende Skispitze für den Schluß aufgehoben: sie haben im Teamspringen die Silbermedaille gewonnen, nicht weil Martin Schmitt dabei war, sondern obwohl.


Blog 7 - am 25-02-2010 um 19:45 Uhr

Vancouver lehrt uns dieser Tage einiges, z.B. daß nicht Teutonia Ravensburg, sondern Victoria Rebensburg Gold gewonnen hat; daß man als Holländer nicht nur aufs Glatteis, sondern auch auf die falsche Bahn geraten kann; daß die beiden Sportarten, die in Punkto Tempo und Äkkschen nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, zu den Gewinnern dieser Spiele zählen: Skicross und Curling; und dass Skilanglauf stinklangweilig ist, es sei denn, deutsche Mädels gewinnen. Der ZDF-Sprecher hat gerade wortwörtlich gesagt: so ein Skispringer ist ja äußerst sensibel, den wirft schon ein laues Windchen aus der Bahn. Na dann würd ich doch als Springer kräftig Hülsenfrüchte essen und meine sensiblen Kollegen einfach wegwehen…


Blog 8 - am 27-02-2010 um 00:21 Uhr

Ich entschuldige mich für die folgenden verbalen Schneekanonen, aber das (sensationelle) Damenslalom-Ranking schreit regelrecht danach:
Kathrin hat sich verZettelt, Manuela Moelggt keine Kuh, Anja ist die Tapferkeit in Paerson, Elisabeth schnürt es die Görgl zu, Lindsey fährt auf und daVonn, Marlies führt Gold im Schild, das Sandrine auch gern erAubert hätte, während Fannys Chancen Chmelar werden, nur Maria Riescht nach dem Duft des Erfolgs, sagt sich: Puh, geschafft, da antwortet Tanja: Poutiainen gewinnen, tianderen verlieren…


Blog 9 - am 28-02-2010 um 01:38 Uhr

"Ladies' Team Pursuit" - das ist die offizielle Bezeichnung für den spannendsten Wettbewerb der gesamten Spiele in Vancouver: die Teamverfolgung der Damen im Eisschnellauf. Konkurrenzlos irrwitzig, wie die deutschen Kufengöttinnen im Finale zwei gottverdammte Hundertstel Sekunden vor den Japanerinnen ins Ziel kuften. Manch einer würde ja gerne unsere Edelzicke Annie Friesinger am Boden sehen - doch wie sie im Halbfinale bäuchlings ins Ziel ruderte, definiert den Begriff Dramatik völlig neu! Noch ein solches Rennen, und ich muß auf die Intensivstation...


Blog 10 - am 01-03-2010 um 00:02 Uhr

„Vancouver Shakedown“ (Nazareth, Album "Close enough for Rock'n'Roll", 1976)
Ein letzter Blick über den Großen Teichmann: nach zwei Wochen Olympia beraten mein Therapeut und ich, was mich an diesen Spielen eigentlich so maßlos fasziniert. Mir fällt dazu nichts ein, außer dass es meiner Vorstellung von Weltfrieden sehr nahe kommt. Mehr isses eigentlich nicht. Ein nationen-, rassen- und weltanschauungsübergreifendes freundschaftliches Miteinander im sportlichen Gegeneinander (von den Toten und Verletzten mal abgesehen). Ähnlich naiv sieht das unser NOK-Präsident Thomas Bach: auf die Frage, ob ihn die ca. 2000 allesamt negativen Dopingproben nicht stutzig machten, meint er, das sei gut für den Sport. Er ist schneeblind für die subtileren, nicht (oder erst nach Jahren) nachweisbaren Dopingmethoden. Die russischen Athleten (bzw. das, was von ihnen übrig bleibt, wenn Putin mit ihnen fertig ist) haben da immensen Nachholbedarf – Sotschi steht quasi vor der Tür.
Was bleibt?
Erinnern wir uns in zehn Jahren noch an Teutonia Rebensburg, die sensationell den Riesenslalom gewonnen hat? Geben wir Männer - unseren Eishockey-desinteressierten Frauen gegenüber - irgendwann vorbehaltlos zu, dass auch wir den Puck nicht sehen? Während ich diese olympischen Zeilen schreibe, fällt in Vancouver bereits der Schnee von gestern…