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Zwischen die Augen ......... oder: ein Platz für Sati(e)re


Alle Übel auf unserer Welt - Klimakatastrophen, Kriege, Hunger, Terror, religiöser Fanatismus, Intoleranz etc. - lassen sich auf zwei hauptsächliche Ursachen zurückführen: Überbevölkerung und Unterbelichtung. Mit anderen Worten: Dummheit rules!
Dagegen wehre ich mich hin und wieder mit einer gepfefferten Polemik.


Toffs Null-Bock-EM-Blog (ironiefreie Zone)


Blog I

Gibt es intelligentes Leben bei der EM in Frankreich?
Bei der Begegnung England gegen Russland in Marseille jedenfalls nicht. Die Massenschlägereien in den Straßen der Hafenstadt enden unentschieden. Das Spiel auf dem Platz ebenfalls, wobei die Russen - Achtung Kalauer! - mit einem blauen Auge davonkommen.
Schade, daß es immer die Idioten mit den kleinen Schwänzen sind, die die großen Fäuste schwingen statt ein gesamteuropäisches Sportereignis zu feiern, und kaputtmachen, was die gigantische Marketingmaschine der UEFA nicht schon längst kaputtgemacht hat.
Wie friedlich hingegen das Eröffnungsspiel, das die Equipe Tricolore mühsam gegen Außenseiter Rumänien gewinnt - trotz aller Streik- und Terrorwarnungen und den fruchtlosen Versuchen des ZDF-Kommentators Bela Réthy, die Namen der Equipe richtig auszusprechen. „Wenn Réthy spricht, stirbt irgendwo ein Französischlehrer“ (11 Freunde).
Apropos UEFA: ist schon mal jemandem aufgefallen, daß die Marketing-Jungs das EM-Logo bei den Grateful Dead geklaut haben? Vielleicht sollte man mal eine Urheberschaftsklage ins blaue Auge fassen und stinkereich werden? Werde mal meine Marketingmaschine anwerfen…
Allez les bleus! Vive la trance!

12-06-2016
-> Grateful Dead vs. EM-Logo


Blog II
Gibt es intelligentes Leben bei der EM in Frankreich?
Gegenbeweis: die offiziell anerkannten Hauptsponsoren heißen CARLSBERG und McDONALD'S. Also offiziell anerkannte Gesundheitsrisiken. Kein Grund zur Aufregung. Stattdessen regt sich alles über Jogis Glockenspiel auf. Weil er mal zu tief in der Hosentasche gekramt hat. Sahen ja nur 27 Millionen zu. Poldi hat‘s dann auf der Pressekonferenz wieder zurechgejuckt.
Ausschreitungen von Hooligans, Rechtsradikalen und anderen Gehirnlobotomierten, ein totgesoffener Nordire, ein schwerstverletzter Engländer, ein feige ermordetes Polizistenehepaar, latente Terrorgefahr, Streiks mit gewalttätigen Demonstranten – die französische Polizei macht zur Zeit keinen beneidenswerten Job. Dennoch schiebt der russische Verband die Schuld für die Ausschreitungen der russischen Stadionschläger auf die französischen Ordnungskräfte. Dieselbe Gesinnung schiebt bei Vergewaltigung die Schuld auf die Frau. Der Allgemeinrusse verteidigt ja auch nur die Ehre des Landes. „Unsere Jungs haben das (Prügeln) gut gemacht. Es ging nicht, dass die Briten in irgendeiner Weise unsere Heimat verunreinigen" (Zitat Igor Lebedew). Was gibt es bei diesem Haufen Scheiße noch zu verunreinigen? Die UEFA hat das gebührend belohnt – mit Androhung des Turnierausschlusses. Und es gibt noch weitere Gründe zur Freude. Schweinis Jahrhunderttor nach Özils Jahrtausendflanke im Turnierauftakt gegen die Ukraine! Die als "Altherren" diffamierten Italiener, die Gehheimfavorit Belgien elegant mit dem Pizzaroller sezieren! Fehlt nur, daß der Isländer Sigthórsson heute noch das Siegtor schießt…
Allez les bleus! Vive la chance!

14-06-2016


Blog III
Gibt es intelligentes Leben bei der EM in Frankreich?
Man mag das bei den zahllosen hirnfreien Randalen sog. „Fans“ generell zwar ausschließen, doch es gibt eine perfide Ausnahme: die kroatischen Randalierer, die 5 Minuten vor Abpfiff der sauspannenden Partie gegen Tschechien fast den Abbruch provozierten, machten das bei vollem Bewußtsein, um den eigenen korrupten, faschistischen Verband zu schädigen. Zu dumm, daß das selbst den eigenen Fans zu perfide war, die das nicht verstanden und sich deshalb gegenseitig die Fresse poliert haben. 2:2 endete die Schlacht, das Spiel mit den bislang meisten Toren, ein Armutszeugnis.
Apropos geistige Armut: bei der Frauenfußball-WM im vergangenen Jahr gab es keine sexistischen Verbalattacken und Beschimpfungen, weil ein Mann ein Spiel kommentierte. Warum wird jetzt Claudia Neumann - die es wagt, 2 Spiele der Männerfußball-EM fürs ZDF zu kommentieren - sexistisch attackiert und verbal vergewaltigt? Herrenrasse. Willkommen im 19. Jahrhundert, ihr Dumpfbacken.
Und endlich sind auch die 80 Millionen Bundestrainer aus ihrer Flüchtlingskrisenparanoia erwacht und überschlagen sich im Besserwissen, wie Jogis Jungs die Polen hätten schlagen MÜSSEN. Aber vielleicht haben sie einfach nur saugut gespielt, diese Polen!? Vielleicht sieht man sich ja wieder, später im Turnier. Jetzt erstmal die Nordiren schlagen, und Mittwochnacht dürfen dann endlich 8 von 24 Teams nach 36 Spielen die Heimreise antreten. So ein bescheuerter Modus kann auch nur von Männern erfunden werden.
Allez les bleus! Vive la difference!

19-06-2016


Blog IV
Gibt es intelligentes Leben bei der EM in Frankreich?
Rein modisch betrachtet ein entschiedenes Jein. Die Trikots: mal platzen sie aus allen Nähten (Schweiz-Frankreich 4:0, nach zerrissenen Leibchen), mal ist der Designer verstorben; meine Lieblingspostings über die Auswärtstrikots der Spanier: sehen aus wie Nasenbluten/ ausgekotzte Paella/ versehentlich in die Nacho-Salsa getunkt.
Bärte sind die neuen Tattoos! Hilfiger goes Taliban. Was soll diese grassierende Haarvermummung im Gesichtsacker? Warum die Kulturgeschichte der Rasur um ein Jahrhundert zurückwerfen? Hierzu zwei cosmopolitische Meinungen: "Männer ohne Bart sind ungläubige Weicheier" (sagt der Islamist). "Männer mit Bärten haben keine Geheimnisse" (sagt Helga, ihrem Gatten Hägar, dem Schrecklichen, beim Essen zusehend).
Last but not least: der Herren-Dutt, neudeutsch "Man-Bun", von Game of Thrones und dem Waliser Gareth Bale rekultiviert. Männer, traut euch, zeigt eure bessere, eure weibliche Seite! Mein Schatz meinte neulich, meine Haare wären jetzt lang genug für einen Dutt. Das gibt mir zu denken. Zurück zum Thema.
Was war das nochmal? Fußball! Prima gespielt, Jungs! Nur 0:1 gegen den Weltmeister verloren und die K.O.-Runde erreicht! Wackere Nordiren, und gleich nach dem Brexit dann gegen Wales (neuerdings Bales) spielen!
Und Deutschland? Mault natürlich. Gegen Polen zu wenig Torchancen, gegen Nordirland zuviele - ein 26-facher Coitus interruptus! Wie immer hierzulande: Jammern auf höchstem Niveau. Leider endet die deutsche Reise spätestens im Viertelfinale, bei dem zu erwartenden Gegner (Pizza oder Paella). Sagt die Statistik. Laßt sie uns fälschen!
Allez les dutts! Vive la balance!

22-06-2016


Blog V
Gibt es intelligentes Leben bei der EM in Frankreich?
Bela Réthy jedenfalls versucht, intelligentes Leben vorm Mikrofon zu simulieren, wenn er Dinge sagt wie „Thomas Müller sieht aus, als wolle er gleich ein Tor schießen.“ Kommentator Réthy hört sich zeitweise an, als wolle er gleich kommentieren.
Kollege Tom Bartels ist ebenfalls keine Plattitüde zu schade: die „Fußballmacht“ England verliert gegen den „Zwerg“ Island, wo doch die Isen (oder heißt es Isländer, so wie bei den Irländern?) gerade mal „soviel Einwohner wie Bielefeld“ haben. Mein Gott Bartels, jeder weiß, daß es diese Stadt nicht gibt. JEDER. Ihr Feiglinge von ARD und ZDF, laßt einfach mal mehr Frauen in die Sprecherkabine - und nicht nur zum Putzen!
Und statt der stocksteifen Phrasenmäherei der Experten Kahn und Effenberg bitte nur noch Mehmet Scholl, auf ARD, ZDF und allen anderen Kanälen ausschließlich Mehmet Scholl, rund um die Uhr.
Warum befremdet es mich, wenn ich auf den Trikots der Ungarn, Polen, Slowaken „Respect! No Racism!“ lese? Es müßte doch vielmehr die Ungarn, Polen, Slowaken selbst befremden. Aber man soll ja nicht alle Bewohner eines Landes über einen Kamm scheren; nicht alle Deutsche sind Nazis, nicht alle Russen Arschlöcher, nicht alle Engländer Idioten. Obwohl - nach Brexit und Sigthórssons Siegtor doch schon ein wenig. Womit sich die Prophezeiung aus Blog II erfüllt und dieses Turnier allmählich doch noch märchenhafte Züge bekommt.
Allez les bleus! Vive la Contenance!

27-06-2016


Blog VI
Gibt es intelligentes Leben bei der EM in Frankreich?
Rein wissenschaftlich am Beispiel Deutschland-Italien betrachtet, ja: die Chance, daß eine Mannschaft weiterkommt, die im Elfmeterschießen drei mal verschossen hat, ist so gering, daß sich beim bloßen Versuch, dies durch eine Wahrscheinlichkeitsrechnung zu simulieren, das Raum-Zeit-Kontinuum krümmen und zu Verwerfungen des Ereignishorizontes führen würde, mit schrecklichen Auswirkungen in der Jetzt-Zeit wie z.B. einer Aufstockung der EM von 16 auf 24 Mannschaften oder anderen physikalisch völlig unerklärlichen Phänomenen.
Oder ist die Tatsache, daß Wales im Halbfinale nicht einer Rugby-, sondern Fußball-EM steht, der Beweis dafür, daß sich Raum und Zeit bereits gekrümmt haben?
Mein Rücken jedenfalls hat sich beträchtlich gekrümmt beim Viertelfinal-Schocker Schland-Italien, was sage ich: mein ganzer Körper fühlte sich tags drauf geschunden und verkatert an (von den seelischen Blessuren mal ganz abgesehen), als hätte ich selbst in Bordeaux auf dem Platz gestanden, um der unbezwingbaren Squadra Azzurra Paroli zu bieten. Aber für diesen einen Glücksmoment nach schlappen 46 Jahren wars eigentlich ganz okay.
Leider ist jetzt auch der gute Mehmet verschollen im Schwarzen Loch des "wir-sind-alle-Bundestrainer-und-wissen-es-besser-als-Jogis-gesamter-Trainerstab"-Universums. Umso erfreulicher, wenn Teams wie Island uns verzaubern und allen Experten auf der Nase herumtanzen.
Allez les bleus! Vive la Danse!

06-07-2016


Blog VII
Gibt es intelligentes Leben bei der EM in Frankreich?
Nicht wirklich, sonst würde ein grenzdebiler Interviewer Manuel Neuer nicht fragen, ob es immer blöd sei, im Halbfinale zu verlieren. Klar, Deutschland war die bessere Mannschaft. Aber die Franzosen waren die noch bessere Mannschaft, und damit Punkt! Jogis Jungs hätten noch zwei Stunden lang gegen Hugo Lloris‘ Tor anrennen können, ohne das Runde in das Eckige zu kriegen. Was solls - unsere Jungs haben ein tolles Tournier und mal wieder den schönsten Fußball gespielt, und wir können halt nicht immer gewinnen, das sollten wir seit dem 2. Weltkrieg verinnerlicht haben. Und unseren 80 Millionen Bundestrainern, die es selbstverständlich besser machen würden als Jogi Löws Trainerstab, möchte ich nur sagen: wenn man so viel Ahnung hat, einfach trotzdem mal die Fresse halten.
Die beiden kommenden Weltmeisterschaften finden in Ländern statt, die die Menschenrechte mit Füßen treten. Kann man dann die „No racism“-Armbinden einsparen? Die kommende Europameisterschaft 2020 wird auf ein Dutzend Länder zerfasert und vollinhaltlich dem Mammon geopfert. Werden dann Nationalismus und Rassismus endgültig salonfähig sein? Umso mehr freue ich mich auf die Frauenfußballeuropameisterschaft 2017 in den Niederlanden. Ganz ohne Häme. Und wer wird bei den Herren der Schöpfung Meister über Fußballeuropa? Ronaldos Minimalisten oder Griezmanns Multikultitruppe? Auch diese Frage lasse ich hiermit - sozusagen als Cliffhanger für die nächste Staffel - offen.
Allez les bleus! Vive la France!

10-07-2016







Offener Brief an den Erdogan-Anwalt


Sehr geehrter Hubertus von Sprenger,

Sie beabsichtigen also, im Namen Ihres ehrwürdigen Mandanten Herrn Erdoğan bei der Bestrafung des Satirikers Böhmermann "bis zur letzten Instanz" zu gehen. Für die völkerrechtlichen Vergehen Ihres werten Mandanten sind Sie hingegen auf beiden Augen blind. Aber Frau Justitia hat ja ebenfalls die Augen verbunden. In meinen (unverbundenen) Augen und eingedenk des Artikel 5 des Grundgesetzes wirkt Ihr Geschäftsgebaren zutiefst amoralisch. Werter Herr von Sprenger, warum machen Sie zur Abwechslung nicht mal was Ehrenhaftes und verfolgen die Nazis, die sich hierzulande wieder ungeniert breit machen, "bis zur letzten Instanz"? Oder demontieren mit dem juristischen Schraubenzieher die Briefkästen unserer XXL-Steuerhinterzieher in Panama? Oder verhindern die Zulassung von Glyphosat, TTIP oder anderen Schä(n)dlichkeiten? Stattdessen haben Sie keinerlei Probleme damit, Holocaustleugner und Menschenrechtsverletzer zu vertreten. Als Anwalt ist es nun mal nicht zwingend erforderlich, ein Gewissen zu haben.

"Was sind 1000 Anwälte zusammengekettet auf dem Meeresgrund? Ein guter Anfang." (Tom Hanks in "Philadelphia")

(April 2016 - der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan fühlt sich durch ein Schmähgedicht von Jan Böhmermann in der preisgekrönten Sendung "Neo Magazin Royale" beleidigt und fordert dessen Bestrafung)



Don Blatter - der Pate

"Das nächste Lied ist der nervigsten und korruptesten Person der Welt gewidmet: Sepp Blatter".
Mit diesen Worten kündigte die britische Sängerin Lily Allen beim Glastonbury Festival 2014 unter großem Jubel ihren Song "Fuck You" an. Das läßt irgendwie keinen Zweifel aufkommen, was die Welt vom Paten der Mafia hält, der kurz vor der unvermeidbaren Wiederwahl steht.
Tahiti und Tuvalu haben das gleiche Stimmrecht wie Deutschland oder Brasilien, lassen sich aber viel besser schmieren. Der afrikanische Fußballverband, gewiß eine völlig korruptionsfreie Zone, steht quasi geschlossen hinter dem schweizer Dinosaurier. Das sind jetzt nur Beispiele, machen das System der Mafia aber locker verständlich und erklären die Unmöglichkeit, einen dermaßen verhaßten, korrupten und zurecht kritisierten Machtmenschen wie Herrn Blatter vom Thron zu stoßen.
Der russische Korruptionsbeauftragte Wladimir Putin wittert nach der Verhaftung von sieben hohen Mafia-Funktionären kurz vor Blatters Wiederwahl natürlich eine Verschwörung der (Achtung: Brüller!) USA, um Russland die Austragung der WM 2018 abzuerkennen.
Dabei sagt uns der gesunde Menschenverstand, daß eine WM-Vergabe an autoritäre Staaten wie Russland oder Katar, die Menschenrechte mit Füßen treten, im Kern nicht nur amoralisch und unverantwortlich ist, sondern schlichtweg UNDENKBAR.
Aber machbar.
Soweit muß es also kommen, wenn die dereinst schönste Nebensache der Welt (und es ist ausnahmsweise nicht Sex gemeint) in die Hände der Mafia gerät.
Wie... die Weltfußballorganisation heißt gar nicht Mafia?
Fifa, Mafia - wo ist da der Unterschied?

(Mai 2015 - kurz vor der Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten; drei Tage nach Veröffentlichung dieser Glosse kündigte Josef Blatter seinen Rücktritt vom Amt des (frisch wiedergewählten) FIFA-Präsidenten an. Mit soviel Zuspruch hätte ich nie gerechnet!)



-> Toffs feiner Fifa-Frauen-Fußball-Fee-M-Blog

(Juni-Juli 2015 - die Toffblogs zur Frauen-WM)


(Januar 2015, Grafik: Toff )

Was für ein blutiger Jahresbeginn - das islamistische Attentat auf die Redaktion des religionskritischen Satiremagazins CHARLIE HEBDO in Paris ist ein Anschlag auf die Pressefreiheit, auf das gesamte freie Europa, auf uns. Fassungslos stehen wir vor diesem brutalen feigen Akt geistesgestörter mittelalterlicher Weltanschauung.
Gehab dich wohl, freie Welt, und hebe solidarisch deinen Bleistift.



Neujahrsansprache 2015

Schlimme Dinge mußten wir 2014 ertragen - das Mittelmeer als Flüchtlingsgrab, Ukraine, Putin & Putinversteher, Islamischer Staat & Boko Haram, Recep Erdoğan, AfD, Pegida, Helene Fischer, Gaza, Ebola, die Ermordung von Tuğçe Albayrak...
Freudige Dinge durften wir 2014 erleben - Malala Yousafzai, Conchita Wurst, 25 Jahre Mauerfall, Mario Götzes Finaltor in der 113. Minute, die Zivilcourage von Tuğçe Albayrak...
Ich begrüße herzlich alle Zuwanderer in unserer bunten Republik Deutschland und danke allen, die schon vor vielen Jahren eingewandert sind, insbesondere den Familien Boateng, Khedira, Podolski, Klose und Özil.
Ich wünsche uns allen ein gesundes neues Jahr 2015, an das wir in zwölf Monaten mit schönen Erinnerungen zurückdenken werden!

(1. Januar 2015 - noch guten Mutes, das neue Jahr betreffend)




Aggressor im Abseits

Endlich erwägen Politiker und Sportfunktionäre öffentlich, die kommende FIFA-WM in Russland zu boykottieren, ja neu zu vergeben. Es ist ja auch schlichtweg undenkbar, ein solches Großereignis in einem Regime auszutragen, daß korrupt und großmachtgeil genug ist, selbst die FIFA in den Schatten zu stellen. Daß in einem völkerwiderrechtlichen Akt die Krim annektiert hat, weil sie früher zu Mütterchen Russland gehört hat (...aha, wenn das so ist, was ist mit Namibia, Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika? Dürfen wir die jetzt auch straffrei annektieren? Aber ich schweife ab). Daß den Krieg in der Ukraine befeuert, indem es die sog. "Prorussischen Separatisten" mit Waffen, militärischem Know-How und Söldnern beliefert - jene pietätlosen Milizen, die sich in den eroberten Gebieten vermummt und mit Kalaschnikow im Anschlag wie neue Herrenmenschen gerieren und nicht einmal vor dem Abschuss einer Passagiermaschine zurückschrecken. Diese "Separatisten", nennen wir sie der Einfachheit halber mal "Russen", behindern nach dem (versehentlichen???) Abschuss vor den entsetzten Augen der Weltöffentlichkeit tagelang die Bergungsversuche der OSZE, tolerieren Plünderungen, vernichten Beweise, verzögern die Herausgabe der Black Box und lassen keine Gelegenheit aus, um als Verursacher und Terroristen hingestellt zu werden.
Diese "Russen" sind die Geister, die Wladimir Putin gerufen hat und mit deren Krieg er angeblich gar nichts zu tun hat. Putin, nennen wir ihn der Einfachheit halber mal "gewissenlosen eiskalten Despoten", unterstützt vor den Augen der Welt seine "Russen", anstatt gerade jetzt ein Machtwort zu reden, das so dringend nötig wäre im Angesicht des Massenmordes an 300 unschuldigen Passagieren der MH17. Stattdessen wirft er Nebelkerzen, gibt Scheinangebote, scheisst auf ukrainische Unabhängigkeitsbestrebungen, vertuscht seinen Kontrollverlust und spielt den Unschuldswolf im Schafspelz. Für ihn sind WIR die Schuldigen, die Aggressoren, die Nazis. Er tanzte uns bei seinen 35-Milliarden-Spielen olympisch auf der Nase herum und wird das auch weiterhin ungestraft tun, Gasprom sei dank! Es wird Zeit, die Dinge beim Namen zu nennen. Es wird Zeit, dem "gewissenlosen eiskalten Despoten" mit einer großen Tube Strafraumspray Einhalt zu gebieten.

(Juli 2014 - Russische Urlaubssoldaten besetzen Teile der Ukraine)





The Wurst Case

Als "Kulturelle Legitimierung der Sünde in Westeuropa" bezeichnet die vorsintflutliche russisch-orthodoxe Kirche die Entscheidung beim diesjährigen Eurovision Song Contest. Der Sieg der österreichischen Kunstfigur Conchita Wurst muß für sie wie ein vorsintflutlicher Schlag in die Fresse gewesen sein - und das ist GUT so!
Man(n) kann zu dieser Mischung aus Jennifer Lopez, Shirley Bassey und Harald Glööckler stehen, wie man will, aber dieser Sieg ist der bestmögliche politische Beitrag zum Thema Europa - ein Fanal der Toleranz und Gleichberechtigung in einem geeinten Völkerbund, und ganz nebenbei großartig gesungen: die glamouröse Performance einer Drag Queen, die wie eine unumstößliche Statue ihr Manifest der freien Willensentscheidung würdevoll und (sich)selbst-bewußt vorträgt. Das muß nicht jedem gefallen, aber es läßt auch niemanden unberührt. Auch nicht Putin, für den es jetzt langsam eng wird. Da versucht Wladimir Wladimirowitsch jahrelang mit lächerlichen Machoposen, als wolle er von einer latenten Homosexualität ablenken, und wenn es um die Wurst geht, vergibt sein ach so homophobes Russland 5 Punkte an einen österreichischen Transvestiten! Da predigt sein orthodoxer Partiarch Kyrill von der "Homosexualität als einer Sünde von apokalyptischer Qualität", was sich der kleine Großmachtträumer gerne in sein Gebetsbuch schreibt, und als Dank wählt der Rest Europas geschlossen eine bekennende Transe zur Königin!
Man darf befürchten, daß der Zauber bald verfliegt und es beim kommenden Grand Prix vor bärtigen Frauen wimmeln wird, aber für einen kurzen Augenblick war die Welt eine bessere.

(In der Nacht zum 11. Mai 2014 gewinnt Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst in Kopenhagen den Eurovision Song Contest)





Schwarz-Grüne Visionen

Schwarz-Grün - warum eigentlich nicht?
Nach dem spannenden Wahlabend des 22. September und der wundervollen Entgleisung des einstmals bedeutsamen liberalen D-Zuges sprechen alle von der sich anbahnenden Großen Koalition. Hier ein paar demagogische Gründe dagegen:
Angela Merkel, die neue und alte Miss Germany, war früher mal Umweltministerin und hat mit Atomausstieg und Ausbau der regenerativen Energien bewiesen, daß sie einen grünen Daumen hat. Eine Koalition mit den Grünen käme der Vision - die man bei ihr bislang vergeblich suchte - sehr sehr nahe. Die an linksdrehender Ausschliesseritis erkrankte SPD weiß, welche Quittung sie nach der letzten Großen Koalition bekam: das Wahldebakel 2009. Sie hätte es verdient, ihre Reha vier Jahre lang auf den Oppositionsbänken neben der einzig weiteren Oppositionspartei - genau, den Linken - abzusitzen, Zeit genug zum über-Schatten-springen-üben, ich freu mich schon auf die Gesichter. Und das allerblödeste Gesicht würde CSU-Dobermann Dobrindt machen, der größte aller Schwachmathen, der vor laufenden Kameras vorrechnete, daß die (verhassten) Grünen die Verlierer der Wahl wären mit den gewaltigsten Stimmverlusten (minus 2,3 %, demgegenüber schlappe minus 9,8% bei der FDP). Ein BSE-verdächtiges Dobrindtvieh und ein vegetarischer Trittinburger an einem Verhandlungstisch - eine lukkulische Vision, die meinen verhärteten mentalen Stuhlgang schlagartig verflüssigen würde! Schwarz-Grün - warum also nicht?

(September 2013 - farbige Gedankenspiele zum Ergebnis der Bundestagswahl)





Die Qual der Wahl

Bayern-Wahl. Generalprobe vor der Bundestagswahl. Politiker-Geblubber auf sämtlichen Kanälen. Jeder darf einmal phrasenmähen. Manche auch mehrmals: Döring, Vollpfosten-Sekretär der 3%-Partei FDP (die schönste Meldung des Abends) wiederholt dreimal auf allen Sendern, daß Seehofer der beliebteste Konservative und der beliebteste Sozialdemokrat in einer Person ist. Schwachsinnige Wiederholungen sind offenbar nicht strafbar. In Visagen wie Alexander Dobrindt darf leider nicht reingetreten werden, weil DAS strafbar wäre. Aber gerecht. Dabei ist dieser CSU-Rotzlöffel immer noch unterhaltsamer als die manisch humorfreie Grünen-Zicke Steffi Lemke, die vermutlich eine schwere, Veggiburger-lose Kindheit hatte. Was haben wir für eine Wahl? Rechtslastige Einthemaparteien ("Volksabstimmung"! "Raus aus dem Euro"!), Proletarier oder Piraten? Ein kantiger Sozialdemokrat, der den Stinkefinger zeigt, wäre eine Erfrischung für dieses Land. Aber seine Partei ist so hummelbrunsdumm, die einzig rechnerisch mögliche Machtoption von vorneherein auszuschließen, weil sie sich vor lauter rot-rot-grüner Schnittmengen in die Hose scheißt. Das ist wie ein Fußballteam, das sich im Finale weigert, Elfmeter zu schießen. Warum tragen die Nahlesse und Gabriels nicht gleich Große Koalitions-Buttons am feisten Revers? Warum darf Sahra Wagenknecht nie ausreden, ihre Meinung offenbaren oder ihre Frisur offen tragen? Warum darf Philipp Rösler IMMER ausreden, obwohl jeder weiß, was er als nächstes sagen wird – nämlich „jetzt erst recht!“ (gerade hat er‘s wieder getan)? Warum durfte Unionslaller Profalla nicht reden? Nicht mal diesen Ärger gönnt man mir. Warum stehen ein halbes Dutzend kleine braune Drecksparteien mit rechtsradikalen Tendenzen auf den Wahlzetteln? Warum fliegt Außenminister Westerwelle als letzte Amtshandlung nicht endlich nach Moskau, um sich schon auf dem Flughafen als Schwulenpropagandist verhaften zu lassen und damit zum allerersten Mal - als unFreier Demokrat sozusagen - Rückgrat zu beweisen? Diese Vorstellung, dazu Putins verblüffte Despotenfresse, und trotzdem ein Bundestagswahlergebnis für die „Liberalen“ unter 5 % - und mein verhärteter mentaler Stuhlgang würde sich sofort verflüssigen.

(16. September 2013 - die Bundestagswahl kündigt sich auf sämtlichen Kanälen an; Peer Steinbrück steht gegen Angela Merkel auf verlorenem Posten)





Rechts-Verdreher

Die Anwälte der mutmaßlichen Terroristin Beate Zschäpe im NSU-Prozess heißen Stahl, Heer und Sturm.
Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen!
Verteidiger von Rechtsradikalen müssen Stahl, Heer und Sturm heißen, das sehe ich ein. Was ich nicht einsehe, ist daß rechtsradikalen Massenmördern in Deutschland soviel Verteidigung zusteht. Und daß sich Subjekt Zschäpe ungestraft im Medienpool wälzen darf wie ein Schnitzel in brauner Panade. Wo ist der Eimer zum reinkotzen?
Ach so, der ist ja randvoll mit Bayern-Auswurf.
Das mafiöse Münchner Meistermacher-Geschmeiss: Hoeneß, Rummenigge, Sammer, alles Helden meiner Jugend, jetzt arrogante multinationale Kotzbrocken (...okay, Sammer war schon immer ein verbissener Kotzbrockenh) - moderne Sklavenhändler und Wurstfabrikanten, die ihren stärksten Gegner zeitnah vorm anstehenden Gipfeltreffen gezielt durch bloßes Zücken der Scheckkarten zugrunde kaufen, wie es schon seit Jahrzehnten bayrischer Brauch ist. Ein Verein, der einen geständigen Verbrecher und reuigen Sünder als Präsidenten bestätigt, stellt selbst die katholische Kirche in den Schatten. Eine nicht planmäßige Niederlage im ChampionsLeague-Finale gegen die Dortmunder Bayernfiliale, und mein verhärteter mentaler Stuhlgang würde sich schlagartig verflüssigen.

(Mai 2013 - Beginn des NSU-Prozesses; unser Autor wirft den Nationalsozialistischen Untergrund und den Vorstand des FC Bayern München (unzu-)lässigerweise in den gleichen Topf)





Un-Resolution gegen Syrien

Wieder unzählige Tote und Verletzte bei Protesten der Opposition in Syrien. Man kann es fast täglich sehen, aber nicht mehr hören. Nichts ist selbstverständlicher als eine UN-Resolution gegen das Massenmörderregime Baschar Hafiz al-Assads. Und nichts unverständlicher als das Veto aus Russland und China. So wird die UN-Resolution zur (Achtung, Wortspiel) Un-Resolution. Begründung: der russische UN-Botschafter Witali Schurkin (Name von der Red. nur leicht verändert) findet den Entwurf „unausgegoren“. Aha. Unausgegoren ist bei ihm offensichtlich nur das Verhältnis zwischen Gehirnmasse und Gewissen. Sein chinesischer Kollege Li Baodong befindet, die Resolution würde nicht zur Konfliktlösung beitragen. Also lieber nichts tun als etwas versuchen.
Klar, die Machthaber der westlichen Welt reagieren „empört“, zeigen sich „enttäuscht“. Gibt es da nicht andere Worte? Z.B. die der US-Botschafterin Susan Rice, die „angewidert“ sei durch die Tatsache, der Weltsicherheitsrat „werde seit Monaten in Geiselhaft gehalten von zwei Ländern, die nur an ihre eigenen Interessen denken.“
Klingt schon besser. Aber ich wünsche mir einen Außenminister, der einfach mal sagen würde: „Es gibt überall auf der Welt Idioten. Die größten sitzen zur Zeit in Damaskus, Moskau und Peking.“ Sowas aus dem Munde Westerwelles, und mein verhärteter mentaler Stuhlgang würde sich schlagartig verflüssigen.

(Februar 2012 - Für die syrische Opposition ist Russlands und Chinas Veto gegen eine neue Uno-Resolution ein "Freibrief für ungestraftes Töten")





Schwule, Schläger, Schlecker-Schande

Die Preisträger der begehrten Trophäe „gehirnamputierte gewissenlose Idioten der Woche" sind:
Geeintes Russland! Die Putin-Partei beschließt ein Gesetz gegen „Schwulenpropaganda“. Öffentliches Reden über Homosexualität soll künftig überall mit hohen Geldstrafen geahndet werden. Die russisch-orthodoxe Kirche ist begeistert. Westerwelle nicht. Zumal Weißrusslands Oberirrer Lukaschenko über unseren Außenseiterminister äußerte, er sei lieber Diktator als schwul.
Die Richter des Berliner Landgerichts! Sie verurteilen die Berliner U-Bahn-Schläger, deren 23-jähriges Opfer Giuseppe Marcone in Todesangst flüchtete und auf dem Kaiserdamm von einem Auto erfasst wurde, zu Bewährungsstrafen. Eine Art Freispruch für zwei Mörder. Eine Art Freibrief für die nächsten U-Bahn-Schläger.
Die FDP! Für den Euro-Rettungsschirm flattern Milliarden über den Tisch, doch Bayerns Liberale stellen sich bei der Bürgschaft für Schlecker quer und machen auf neokapitalistische Hardliner. 11.000 Schlecker-Frauen sind auf Gedeih und Verderb dem Votum einer Partei ausgeliefert, die in meiner Heimatstadt Elm bei der Saarlandwahl 0,6 % der Stimmen erhielt. Der größte Idiot in dieser Geschichte ist übrigens der Urheber der Wortschöpfung „Schlecker-Frauen“.
All diese Nachrichten gab es an einem einzigen Tag. Ein einziger Tag ohne solch einen Schwachsinn, und mein verhärteter mentaler Stuhlgang würde sich schlagartig verflüssigen.

(Januar 2012 - drei Meldungen, die unseren Autor kirre machen)





-> www.haustechnikdialog.de / Forum / Grosse Haufen

Ein treuer Toffonline-Gast regte die Einführung einer neuen Rubrik an: das Toff´sche Wort zur Woche gegen zu harten Stuhlgang. Diesem Aufruf ist der Webmaster seither eifrig gefolgt folgen und bedankt sich mit o.g. Link zum Thema Große Haufen (aber Vorsicht: akute Gefahr eines Zwerchfellrisses)




A b m a h n u n g ! ! !

Angelegenheit TOFFonline ./. Deutscher Sommer

Sehr geehrter sog. Deutscher Sommer,

sicher, manche sagen, die Natur braucht den Regen. Andere wiederum entblöden sich beharrlich mit der Weisheit, es gäbe gar kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und bald werden sich die noch nicht inhaftierten Meteorologen zu Wort melden, die Temperaturen und Niederschlagsmengen in diesem Juli lägen im mittleren Bereich ohne Auffälligkeiten. Außerdem hatten wir im April ja schon Sommer, und der Herbst (von Mai bis Dezember) hat ja auch seine schönen Seiten ... achrutschmirdochdenBuckelrunter - ich mahne dich hiermit ab, du armseliger Deutscher Hoch-, was sag ich, TIEF-Sommer!
Ich fordere dich als Wiedergutmachung zur sofortigen Zahlung einer Vergleichssumme i.H.v. 5000 zusätzl. Sonnenstunden auf! Wir sind es leid, mit unseren Nachbarn das Spiel zu spielen, "wer als erster Ende Juli die Heizung anmacht, hat verloren"! Wir sind es leid, die Pullover, die wir im April eingemottet haben, im Juli wieder auszumotten!
Es macht mich richtig aggressiv, daß man für diese Wetterkrise weder Griechenland noch die FDP verantwortlich machen kann! Auch Gaddafi, Blatter, Berlusconi und Silvia Neid sind diesmal nicht schuld, obwohl die eigentlich immer schuld sind. Daß man mich wegen 192x192 Pixel abmahnt, das deutsche Wetter hingegen draußen frei rumlaufen darf, macht mich kirre! Krieg endlich den Arsch hoch, sonst werde ich Rudi Carrell ausbuddeln, damit er sein blödes Lied vom "richtig Sommer" trällern kann!!!

Das mußte einfach mal gesagt werden. Scheißwetter...

(Stammt eindeutig aus dem Sommerloch 2011)



Tor des Jahres 2011

„Wer nichts bereut, ist entweder ein Gott oder leidet an Größenwahn“. Das ist ein Zitat aus Niedeckens „Für ’ne Moment“. Ich habe es - wie alle anderen Zitate auf dieser Homepage - als solches gekennzeichnet.
Das ist nicht allen aus unserer koch-mehrinierten Politprominenz gelungen. Der begehrte „Tor des Jahres“ verleiht sich 2011 wie von selbst an Karl Theodor zu Guttenberg. „Vorerst gescheitert“, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft veröffentlicht, ist das eitle Protokoll eines Größenwahnsinnigen, der nichts bereut. Was auch!? Er, KTG, der Brisko Schneider der CSU, ehem. Fels in der Brandung der Politikverdrossenheit, konnte auf dem Weg zur Apotheose nur durch seinen eigenen Hochmut zu Fall gebracht werden. Genau wie sein medienwirksamer kindstrotziger Abgang verbleibt dieses Buch ein Dokument des Realitätsverlustes, vergleichbar mit einem Kokainsüchtigen, der sich eine Überdosis Ego eingepfiffen hat.
Auch ich bin anfänglich auf den aalglatten, renitent pomadigen „Lügenbaron“ reingefallen, fand die mediale Treibjagd wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen kolossal kleinkariert. Bis ich selber eine Copyright-Affäre am Hals hatte. Im direkten Vergleich hatte mein gutgläubiger Leichtsinn jedoch gegen KTGs Arroganz und Selbstherrlichkeit nicht den Hauch einer Chance.

(2011 wird Politikern wie Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, CSU, und Silvana Koch-Mehrin, FDP, wegen Plagiatsvorwürfen der Doktorgrad aberkannt)




2011 - Das Jahr der Abmahnung

Verdunkelungsgefahr - Gewitterwolken über TOFFonline im Sommer 2011

Wir werden 2011 nicht in bester Erinnerung behalten.
Die Natur mahnt uns ab.
Fukushima wird nach dem unfassbaren Tsunami zum noch unfassbareren Symbol für den Atomausstieg. Eine bemerkenswerte Kehrtwende der Merkel-Regierung. Da wartet und hofft man jahrelang darauf, und wenn er plötzlich da ist, glaubt man es nicht. Das ist wie mit einem neuen Kate Bush-Album.
Die Natur des Menschen mahnt uns ab.
London und Manchester brennen. Oslo, Utøya und Lüttich im Bomben- und Kugelhagel.
Und Deutschland? Demonstriert und kopiert. Es gibt neue Städte („Stuttgart 21“), neue Verben („guttenbergen“), neue Unworte („Dönermorde“), neue Gefahren („Zwickauer Terrorzelle“) – dabei ist der rechtsextremistische Terror sooo neu nun auch wieder nicht: offiziell eingeführt wurde er 1933, offiziell abgeschafft nie. Sonst gäbe es nicht solch ermutigende Randnotizen:
Auf dem von der NPD organisierten rechtsextremen Musikfestival "Rock für Deutschland" in Gera werden kostenlose T-Shirts an die Neonazis verteilt mit der Aufschrift "Hardcore Rebellen - National und Frei". Doch zuhause nach dem ersten Waschgang dann die Überraschung: der Aufdruck ist verschwunden, und jetzt ist zu lesen "Was dein T-Shirt kann, kannst du auch - Wir helfen dir, dich vom Rechtsextremismus zu lösen".
www.exit-deutschland.de. Den hirnlosen Braunkack mit den eigenen Waffen zu schlagen - dafür verleihe ich den goldenen Masseltoff für die Idee des Jahres.
Aber viel lieber reibt man sich ja an den deutschen Katastrophen: ein beschissener Sommer. Regenschirme, Rettungsschirme. Das Viertelfinal-K.O. der DFB-Mädels bei der WM im eigenen Land. Die Wetten, dass…-Frage: wer folgt auf Gottschalk, der sofort aussteigt nach der fahrlässigen, unfallbedingt abgebrochenen Januarsendung - und für diesen Sofortausstieg weitere zehn Monate und gefühlte 25 Abschiedssendungen benötigt. Nicht einmal auf Unsterbliche ist Verlaß: Jopi Heesters verglüht mit 107 Lenzen an Heilig Abend kometengleich am Firmament. Aber der war ja auch Holländer, und die sind beim freundschaftlichen 0:3 gegen Jogis Jungs ebenfalls respektabel verglüht. Die Katastrophenmeldung 2012 wird lauten: Deutschland nicht Europameister! Abwarten.

In meinem nächsten Leben werd ich eine Rating-Agentur, die dürfen offenbar ungestraft alles und jeden abmahnen! Zunächst werden nur Banken auf ihre Kreditwürdigkeit hin abgestuft. Dann ganze Länder (Italien: Ramsch; Portugal, Spanien, Ungarn: Ramschramschramsch; Griechenland: die Mutter des Ramsches!) Was kommt noch? Wann wird der Planet Erde herabgestuft? Ist unser Sonnensystem noch kreditwürdig? Und wann dürfen wir diese Rating-Idioten endlich alle auf den Mond schießen?
Andauernd erhält die Vernunft eine Unterlassungsklage.
Das IOC hat bei der Vergabe der Winterspiele nach Südkorea eindrucksvoll bewiesen, daß es der korrupten FIFA in nichts nachsteht: man kann weder bei 16 Grad auf einem Hügel Ski fahren noch bei 40 Grad in der Wüste kicken. Das haben Katar und Pyeongchang gemeinsam. Nicht zu verwechseln mit Pyŏngyang - das ist die Hauptstadt von Nordkorea, jenem Sozialstaat, der seinen bedauernswerten WM-Fußballmädels sozialistische Einheitsfrisuren in Tateinheit mit sozialistischem Einheitsdoping verpasst hat. Aber wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Abmahnungen schmeissen: ein Land, dessen schwarzgelbe Bundesregierung 200 Kampfpanzer in eine Krisenregion der arabischen Welt verkauft, steht per se unter dringlichem Dopingverdacht.

Mein Motto: nichts ist so scheiße, daß es nicht für irgendwas gut ist. Facebook z.B., das (a)soziale Netzwerk, das Menschen an entgegengesetzten Enden der Welt miteinander verbindet und reale Gegenüber immer weiter entfremdet, hat die arabische Revolution nicht nur beschleunigt, sondern vielleicht erst ermöglicht. Die erstaunlichen Entwicklungen in Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien und dem Oman bergen den Keim der Demokratie. Ob das eine gute Idee ist, wird sich noch zeigen…

2011 beginnt für mich im Krankenhaus, nach 48 Jahren erhalte ich einen neuen Bauchnabel - für kurze Zeit für mich der Nabel der Welt.
2011 endet für eine Freundin, Arbeits- und Theaterkollegin tragisch: Liz stirbt monatelang vor unseren Augen, ohne dass wir es wissen. Als ob das nicht schlimm genug wäre, gerät die Beerdigung zur Farce: von einer bigotten Mutter in die Klauen der radikalen Piusbrüder übergeben, erleben wir nicht weniger als den Bruch des Artikel 1 GG: Die Würde des Menschen ist über den Tod hinaus antastbar. Wir sind so fassungslos, ohnmächtig und wütend, daß es uns lange unserer Trauer beraubt.
Georg Danzer sang schon vor 30 Jahren „gebt uns endlich Gott statt Religion“. Doch die selbsternannten Glaubensritter sind überall: US-amerikanische evangelikale Christen leugnen die Evolutionstheorie und drillen Kinder in Jesus-Camps zu sog. Charismatikern. Salafisten erkennen in ihrer Auslegung des Islam, daß der Mann seine Frau mit Prügel züchtigen darf. Ultraorthodoxe Juden bespucken siebenjährige Mädchen, weil sie nicht auf der ihnen zugewiesenen Straßenseite gehen oder im Bus verbotenerweise vorne sitzen. Religiöser Fanatismus erscheint oft wie eine Form von Geisteskrankheit.

Es sind die falschen gestorben (Vaclav Havel, Steve Jobs , Loriot, Columbo, Amy Winehouse, R.E.M., Ludwig Hirsch, Liz).
Es sind die richtigen gestorben (Kim Jong Il, Gaddafi, Voldemort, Osama Bin Laden).
Und es stehen noch ein paar Untote auf der Wunschliste (Baschar al-Assad, Lukaschenko, Berlusconi, Orbán, Putin, Rösler, Nickelback).
Apropos Putin: Wladimir, der Unendlich Verlängerte, hält die vergangene Wahl in Russland für "korrekt" und wirft den Oppositionsparteien pure "Machtversessenheit" vor.
Klar, und Wodka kann in Spurenelementen Alkohol enthalten. Da haben wir Deutsche gehörigen autokratischen Nachschenkbedarf... aber gottseidank sorgen hierzulande schon kopierte Dissertatiönchen und private Kreditchen für Aufruhr und Rücktritt.
Dabei wird 2011 sogar Putin prominent abgemahnt: Michail Gorbatschow zürnt, 13 Jahre als Präsident, Ministerpräsident, Marionettenspieler und Erfinder neuer Staatsämter seien genug! Da hat jemand einem verarschten Volk aufs Maul geschaut. Eine meiner liebsten Randnotizen des Jahres!

Die unliebste kommt per Post:
Hätte mir im Juni 2006, beim Start meiner kleinen privaten Homepage, jemand den filmreifen Satz gesagt "Nimm dir einen Anwalt" - ich hätte Tränen gelacht. Meine Yacht. Mein Therapeut. Mein Golftrainer. Mein Anwalt.
Fünf Jahre später ist es soweit: pünktlich zum halbrunden Jubiläum von toffonline erhalte ich das höchst unerfreuliche Schreiben einer berüchtigten Karlsruher Kanzlei. Deren Anwälte weisen mich im Namen einer Nachrichtenagentur auf eine Urheberrechts- Verletzung hin. Nun gut, denke ich mir, danke für den Hinweis.
Doch dieses "hinweisen" entpuppt sich im weiteren Verlauf des fünfseitigen (!) Schreibens als eine handfeste schriftliche Abmahnung, in der "festgestellt" wird, daß ich Bildmaterial "unerlaubt verwende" (wir reden von einem 192x192 Pixel kleinen Foto), inkl. Unterbreitung eines "Vergleichsangebotes" im dreistelligen Bereich, eine "Unterlassungserklärung" mit Fristsetzung zur "Beilegung der Angelegenheit ohne Präjudiz" sowie die Vollmacht der Kanzlei zur "Geltendmachung von Ansprüchen gegen Schädiger, Störer und sonstige Dritte".
Was unternimmt man nun als Schädiger, Störer und sonstiger Dritter, wenn die Leichenstarre sich allmählich wieder löst?
Das falscheste, was du machen kannst, wenn du eine Abmahnung dieser Kanzlei bekommst, ist NICHT zu reagieren. Hier die wertvollsten Ratschläge:

1.) unterschreibe nichts.
2.) unterschreibe nichts.
3.) nimm dir einen Anwalt.

Ich nehme mir einen Anwalt. Die Saarbrücker Kanzlei DURY ist spezialisiert auf "Abmahnungsgeschichten", berät kompetent und unkompliziert und versucht, ein moderates Vergleichsangebot zu erwirken. Doch die Gegenseite schießt weiterhin unbeugsam mit Kanonen auf Spatzen: die Vergleichssumme könne keinesfalls gemindert werden, da die "hohe Besucherzahl" und die "professionelle Gestaltung" dagegen sprächen, daß es sich bei toffonline um eine rein private Homepage handele. Ihr habt richtig gelesen. Was nicht sein kann, darf auch nicht sein.
Bevor ich im Datenquantanamo dieser schönen, neuen Internet-Welt lande, zahle ich die Forderung, lege wochenlang diese Website auf Eis, überarbeite sie (und mich), berate mich mit DURY, was ich an Fotomaterial veröffentlichen darf (und was besser nicht) und habe seither meine Ruhe. Immerhin bietet sich ein treuer toffonline-Besucher an, für den entstandenen Schaden zu spenden (danke, Horschdl). Aber wichtiger als der halbe Tausender Vergleichssumme ist – das Lehrgeld.
"Drum schlaf schön ein und gute Nacht - wir werden alle überwacht
Kein Grund, daß man sich Sorgen macht - wir werden alle überwacht"
(österreichischer Dichter, ausgehendes 20. Jh.)

Die am häufigsten genannten Worte 2011 sind "Japan" und "Eurokrise". Zum Wort des Jahres wird „Stresstest“ gewählt - das hat es sich redlich verdient.
Mein eigenes heißt „Masel tov“ (מזל טוב). Das ist hebräisch und bedeutet „Viel Glück“.
Das können wir für 2012 gut gebrauchen - am 21.12. ist bekanntlich Weltuntergang.

(Satirischer Jahresrückblick 2011)





2010 - Das Jahr Lena

Gießen wir Feuer ins Öl: die Strategie der Firma BP war 2010 äußerst explosiv. Nie zuvor ist es Menschen gelungen, ein riesiges Ökosystem wie den Golf von Mexiko dermaßen zu ruinieren. In Zeiten, da an allen Ecken und Enden gespart wird, zuallererst bei der Sicherhet, dürfen wir getrost davon ausgehen, daß Deepwater Horizon nur der Anfang war. Schöne neue Welt.
Da sind zum einen die Länder, die ihre Regierungen verdient haben. Russland zum Beispiel, wo Putin nach Ablauf seiner Amtszeiten ganz demokratisch immer wieder neue Machtpositionen und Staatsämter für sich erfindet, die es ihm und seinen Marionetten ermöglichen, unliebsame Mäuler wie Chodorkowski, Politkowskaja oder Estemirowa mundtot zu machen. Oder mausetot, je nachdem.
Italien natürlich, wo man als Ministerpräsident nur genügend viele Stimmen kaufen muß, um ein Mißtrauensvotum wegen Korruptionsverdacht zu überstehen. Eine Vorgehensweise, die die FIFA verinnerlicht hat, um ganze Weltmeisterschaften nach Russland zu verschachern oder gleich ganz in die Wüste zu schicken. Berlusconi, Blatter, wo ist da der Unterschied? It’s money that matters. Oder wie die Werbung sagt: Nespresso, what else!?
Wenigstens Roland Koch haben wir hinter uns. Und Günther Oettinger. Bedauernswerte EU, die nun sein Englisch-Gestammel ertragen muß. Auf das Gestammel der Margot Käßmann nach ihrer 1,5-Promillefahrt hätten wir gerne verzichtet. Aber nur, weil sie ein Gewissen hat und damit moralisch der politischen Kaste Lichtjahre voraus ist. Ihr tiefer Fall war der traurigste 2010. Der von Julian Assange der verstörendste. Daß die Staatsanwaltschaft gegen den Gründer von WikiLeaks ermittelt, ist, nun ja, dubios? Wer steckt dahinter? Hollywood? „Auf Wikileaks lassen sich Dokumente einsehen, die eigentlich nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Das ärgert viele, doch es ist gut für die Welt."
Ist Diktator Lukaschenko gut für die Welt? Upps, hab ich jetzt Diktator geschrieben? Wie unsachlich, sorry. Ist der Faschist Lukaschenko gut für Weißrussland oder werden wir sein bedauernswertes Land demnächst in Braunrussland umtaufen müssen? Aber jetzt bitte kein schlechtes Wort über Nordkoreas Menschenfreund und Atomsprengkopf Kim Jong-Il. Sein Nationalteam spielte echt scheiße bei der Fußball-WM und gehörte selbstverständlich ins Arbeitslager, und daß er seinen Finanzminister wegen der fehlgeschlagenen Währungsreform hinrichten ließ, ist ein Beispiel, das Schule machen sollte. Seither ist die Weltwirtschaftskrise auch ein wenig vorsichtiger geworden.

Und da sind zum anderen die Regierungen, die ihre Bürger verdient haben. In Deutschland heißen die jetzt Wutbürger. In den 80ern waren das noch ganz normale Demonstranten. Hauptsache, sie gehen wieder auf die Straße und protestieren gegen Atommüll, Hartz IV, Stuttgart 21. Und gegen jene gewissenlose Veranstalter, die die Ideale der Loveparade in Duisburg mit Füßen traten. Vielleicht sollte ich meine Wortwahl überdenken…
Was lief noch schief, außer daß sich die Wohlstandsurlauber in der Dom Rep von den Folgen des Erdbebens in Haiti ein wenig belästigt fühlten? Ist ja auch ärgerlich, wenn das alles auf einer Insel liegt. Mein Wort des Jahres ist ja „Eyjafjallajökull“. Daß isländische Vulkanasche fast den gesamten europäischen Luftverkehr lahmzulegen vermag, hat fast etwas tröstliches in Zeiten, da jeder und alles nur noch zu funktionieren hat. Da bleibt dem Controller in uns nicht anderes mehr übrig, als die Grenzwerte so weit herunter zu schrauben, bis der Vulkan nicht mehr gefährlich ist. Wie gefährlich die Importsteigerung gewürzten Fleisches für einen Politiker werden kann, bewies Hans-Rudolf Merz im Schweizer Bundesrat: seine mittlerweile berühmte Bündnerfleisch-Rede gehört zu den schönsten Lachflashs des Jahres.
Aber kehren wir vor der eigenen Tür: bei den Schreckgestalten, die wir zu bieten hatten, war der Intellekt so ungerecht gestreut wie selten: am einen Ende der Skala Daniela Katzenberger, ein mediales Kunstobjekt, an dem nichts echt ist, mit deren offensiver Hummelbrunsdummheit wir torpediert werden und die die Rehabilitierung weiblicher Blondheit um Jahrzehnte zurückwirft; am anderen Ende der Nationenspalter Thilo Sarrazin, der zwar behauptet, dass durch die ständige Produktion „neuer kleiner Kopftuchmädchen..." wir „auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer" werden, sich selbst aber von dieser These ausnimmt. Jeder hat mittlerweile seinen Sarrazin-Favoriten, meiner ist der: "Hartz-IV-Empfänger sind erstens mehr zu Hause; zweitens haben sie es gerne warm, und drittens regulieren viele die Temperatur mit dem Fenster". Wir wollen Bischof Walter Mixa nicht unerwähnt lassen für seine unermüdlichen Verdienste, durch Reden, Schweigen und Handanlegen ein anderes Unwort des Jahres geprägt zu haben: „Mißbrauch“. Applaus, Applaus. Diesbezüglich hatte Herr Kachelmann auch keinen Vorbildcharakter; kaum war er inhaftiert, wurde das Wetter schlechter. Die goldene Leberwurst geht an unseren beleidigten Bundes-Hotte Köhler, dessen Nachfolger im Schloss Bellevue trotz öffentlichen Drucks leider nicht Horschdl Adam vom Hammersberg wurde.
Aber wir hatten auch Gründe zum Jubeln: wir spielten 2010 den schönsten Fußball der Welt, das viertbeste Eishockey, fuhren den schnellsten Ski, den heißesten Reifen und haben nach 28 Jahren wieder eine strahlende Siegerin beim Eurovision Song Contest, eine 18-jährige Abiturientin, die mit unverstellter Lockerheit und verdammter Axt ganz Europa verzaubert (außer Weißrußland natürlich). Nein, Thilo, wir brauchen keine Angst zu haben: Deutschland schafft sich nicht ab. Es erfindet sich neu!
Und das Beste zum Schluß: ich habe kein einziges Mal Westerwelle erwähnt.

(Satirischer Jahresrückblick 2010)





Ungern nach Ungarn

Die EU käme nie auf die Idee, ein Land aufzunehmen, das solche Mediengesetze einführt wie Ungarn, wo die Presse-Freiheit praktisch abgeschafft wird. Dummerweise IST Ungarn bereits in der EU. Noch dümmererweise übernimmt deren Philisterpräsident Orban zum 1. Januar den Vorsitz der EU. Bravo. Warum nicht gleich den weißrussischen Diktator Lukaschenko für den Friedensnobelpreis vorschlagen? Oder Jörg Haider posthum für Völkerverständigung? Für den wurde übrigens ein eigener Artikel im EU-Recht geschaffen, demzufolge sogar die Möglichkeit bestünde, Ungarn das Stimmrecht zu entziehen. Ja doch! Wenn nämlich die "eindeutige Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der europäischen Werte bestehe". Warum tun unsere europäischen Vertreter das nicht? Des lieben Friedens willen? Wessen? Sagte nicht schon vor zweitausend Jahren jemand: „Fürchtet euch nicht"...?

(Dezember 2010 - der umstrittene ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán verabschiedet ein umstrittenes Mediengesetz)




-> Der Olympische Toff

(Februar 2010 - die ToffBlogs zu den XXI. Olympischen Winterspielen in Vancouver)





Giessen wir Öl in den Po

In Genf findet der vierte Weltkongress gegen die Todesstrafe statt. Der schwedische Biathlet Björn Ferry fordert die Todesstrafe für Doper. In Italien kippen Umweltverbrecher gezielt vier Millionen Tonnen Altöl in den Po, der damit im Arsch ist, während in Silvios staatlichem TV halbnackte Hupfdolen das verblödete Volk ablenken. Meine Wunschliste: schafft die Todesstrafe ab, gleich NACHDEM ihr Berlusconi gehängt habt, legalisiert Doping im Sinne der Chancengleichheit, bis es niemand mehr nimmt und gebt den skrupellosen Umweltkriminellen ihr Öl zurück - intravenös.

(Februar 2010 - die Abschaffung der Todesstrafe macht für unseren Autor nicht in allen Fällen Sinn)





Liberal - fatal - scheissegal

In Deutschland läuft seit Oktober 2009 ein bundesweiter Test, der belegen soll, für wie dumm man von einer Regierung verkauft werden kann (... okay, für unsere ostdeutschen Mitbürger ist das ja nix Neues). Der Test beginnt mit einer blaugelbbeschlipsten blonden Fönwelle, die Steuererleichterungen erquengelt, wohl wissend, dass diese in Zeiten wie diesen völlig undurchführbar sind, dennoch trotzig beharrend wie ein Kind, dem man sein Spielzeug wegnehmen will, diesem liberalen Rotzbengel. Dessen Partei erhält fette Schecks von Hoteliers und senkt daraufhin deren Mehrwert-Steuersatz. Natürlich zum Wohle der Verbraucher, an den diese Vergünstigungen weitergegeben werden.
Hhhhhhha! Reingefallen, stimmt gar nicht, ihr naiven Windbeutel! Es kommt aber noch besser: Der Chef des obersten Arzneimittel-Prüfinstituts, Peter Sawicki, gefürchteter Kämpfer gegen Machenschaften der Medikamentenmafia, muß seinen Stuhl räumen, weil er ein Dorn im Auge der Pharmaindustrie ist, in deren Aufsichtsräten sich FDP-Politiker tummeln. Das riecht nicht nach Klüngel, nein, wo denkt ihr hin. Das stinkt zum Himmel! Das Raffinierte ist: es geschieht so unmittelbar vor unserer Nase, dass wir darüber hinwegschielen. Aber es will sie ja wieder niemand gewählt haben, diese Westerwellenreiter, diese Rösler auf der Heiden…

(Januar 2010 - Peter Sawicki, Chef des IQWiG, wird Opfer der neoliberalen Klientelpolitik)





Immer Ärger auf Schalke

Endlich rollt das Leder wieder - die Bundesligasaison hat begonnen. Werden wir kommende Woche bei Schalkes erstem Heimspiel die Vereinshymne hören, die seit den späten 50er Jahren vor jedem Spiel gesungen wird?
Dort heißt es "Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht. Doch aus all der schönen Farbenpracht hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht". Das ist zweifelsohne hirnlos, wird aber getoppt durch neuerliche Proteste empörter Muslime wegen „Verhöhnung des Propheten Mohammeds”. In Online-Foren heißt es, die Liedzeile sei "beleidigend" und missbrauche den „gesegneten und geheiligten Name des Propheten”.
Es kommt aber noch besser: mittlerweile ermittelt der Staatsschutz; laut Vereinsführung solle ein Gutachter die Liedzeilen prüfen und der Grüne Özdemir sich mit den "Betroffenen" an einen runden Tisch setzen und über die Sache reden. HALLO!? Der Prophet Mohammed lebte im 6. Jahrhundert nach Christus (Entschuldigung für das "nach Christus", sollte keine Wertung sein) - lange VOR der Erfindung des Fußballs. Was kommt als nächstes? Unser gesamtes Volksliedgut vorauseilend gehorsam auf etwaige Mißverständlichkeiten abklopfen? Oder die Option, anstatt des Staatsschutzes einfach mal das Gehirn einzuschalten?
Wie fragte SWR3-Kolumnist Stefan Reusch so treffend: Warum immer Gesprächsbereitschaft zeigen? Warum nicht einfach mal den Vogel?

(August 2009 -> www.direkter-freistoss.de/Blog für den kritischen Fussballfreund)





Beating around the Bush

Amerika, Land der begrenzten Unmöglichkeiten: hier wurde manch bedeutender Politiker Opfer eines blutigen Attentats: JFK, Abraham Lincoln, Martin Luther King, Robert Kennedy. Nun wurde also auch George W. Bush kurz vor Ablauf seiner ruhmreichen Präsidentschaft in aller Öffentlichkeit attackiert - aber er hat den Angriff überlebt: er ist den Wurfgeschossen des irakischen Journalisten geschickt ausgewichen.
Was lernen wir aus dieser historischen Anekdote?
Dieses Attentat ist weder „empörend“ noch „bedenklich“ noch „ungeheuerlich“. Das einzig passende Wort hierfür ist „adäquat“!
Ein erwiesener Vollpfosten und selbsterklärter Weltordner wie George Wanker Bush hat nicht die tödliche, unsterblich machende Pistolenkugel verdient; die miefigen Schlappen des aufgebrachten Korrespondenten waren dem Zielobjekt absolut angemessen.

(Dezember 2008 - der irakische Journalist Muntazer al-Zaidi erlangt internationale Berühmtheit, als er in einer Pressekonferenz Präsident George W. Bush mit zwei Schuhen bewirft... seinen eigenen, versteht sich)





Haider ist tot - gottseidank...

...hat er bei seiner 1,8-Promille-Kamikazefahrt Samstag Nacht keine Unbeteiligten mit in den Tod gerissen!
Die Polizei entzog ihm jetzt posthum den Führerschein - den entsprechenden Kalauer verkneife ich mir jetzt.
Jörg Haider hinterließ eine Spur der Verwüstung - im Tod wie im Leben. Zum Hinscheiden des Kärtner Landeshauptmanns sagt man aus Pietätsgründen besser nichts oder nichts schlechtes. Jetzt sitzt er bei Gott ... vermutlich zu dessen Rechten.

(Oktober 2008 - Rechtspopulist Jörg Haider stirbt bei selbstverschuldetem Autounfall)




Bush rettet das Weltklima

Der Führer der freien Welt hat beim dritten Treffen der Major Economies eine neue "Strategie" gegen die Erderwärmung vorgestellt. Demnach wollen die USA erst nach 2025 den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren und plane bis dahin auch keine gesetzlich festgelegten Obergrenzen.
Der Rantanplan unter den Staatsherren dieser Welt meiselt sich sein eigenes "Denkmal", vermutlich, um wenigstens einmal etwas mit "Denken" zu tun zu haben. In 17 Jahren also will er mit der Verringerung der CO2-Emissionen beginnen. Welch Lachnummer! Wenn wir so weitermachen, wird es bis dahin keine Welt mehr geben, in die er seine verbale Dünnsäure verklappen kann. Al Gore erhielt den Oscar und den Friedensnobelpreis für das exakt reziproke Handeln. Wäre er damals statt Bush Präsident geworden, hätten wir weniger zu lachen. Denkt mal drüber nach.

(April 2008 - George W. Bush stößt in Paris auf internationale Entrüstung)




The Next Roland Koch

Nicht nur der Scharlatan Uri Geller darf sich hierzulande ungestraft entblöden ("The Next Uri Geller"), auch das politische Kasperletheater in Hessen fördert die Bildung von Magensäure: Die Liberalen wollen nicht mit der SPD, weil sie das schon vor der Wahl gesagt haben und Charakter beweisen wollen, wo doch jeder weiß, wie hinderlich Charakter in der Politik ist. Die SPD will keine Pflichtehe mit Koch, weil niemand freiwillig mit seinem Vergewaltiger ins Bett geht. Niemand will mit den Linken, weil Niemand den geistigen Horizont hat zu erkennen, daß die Linken eine demokratische Partei sind.
Zu soviel blühendem Schwachsinn fällt mir wieder mal nur Nuhr ein: "Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, muss aber nicht."

(Januar 2008 - nach den Wahlen zum 17. Hessischen Landtag scheitern sämtliche Koalitionsverhandlungen, der Landtag wird im November 2008 aufgelöst)





Der Aufschwung ist da!

Garanten des Unwohlstands (Artwork: Toff)

Die WestLB, drittgrößte Landesbank Deutschlands, muß wegen Fehlspekulationen einen Verlust von einer Milliarde Euro melden. Kurzfristig sollen 1500 Arbeitsplätze gestrichen werden. Um mit der Kunkurrenz mithalten zu können, baut Autobauer BMW 7500 Stellen ab. Bei Siemens sind es 3200 Stellen. Henkel nannte den steigenden Kostendruck als Grund für den geplanten Abbau von 3000 Stellen. Kahlschlag bei der Deutschen Telekom: der Konzern will bis Ende 2008 insgesamt 32.000 Stellen streichen. Nokia handelt zeitgemäß: nur 7 Milliarden Gewinn im vergangenen Jahr - das ist eine Sieben mit neun Nullen! Klar, daß sie dann als erstes mal die Nullen in BOCHUM liquidieren und gleich ein komplettes Werk schliessen. Der Aufruf "Deutsche, kauft nicht bei Finnen!" juckt die skrupellosen Vorstände ebensowenig wie alle Apelle der machtlosen Politiker. Was haben sie auch zu befürchten - außer Gewinnwarnungen!?
Staatsfeindliche Regulativa wie die R.A.F. sind ebenso überholt wie das revolutionäre Fallbeil oder die sozialverträglich-moralische Selbsttötung. Früher hätte man diesen asozialen Zeitgenossen "dezent eine Pistole auf den Tisch gelegt" (H. D. Hüsch). Heute setzen sie DIR das Messer an den Hals. Andere Zeiten - andere Requisiten.

(Frühjahr 2008 - trotz Rekordgewinnen streichen deutsche Großunternehmen massenhaft Stellen)





Geschichte wiederholt sich nicht

Die Weltfinanzkrise ist ein Symptom unserer Zeit.
Ist sie das wirklich? Das folgende Gedicht könnte dein Weltbild erschüttern:


Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.


Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"