Vom 7. Juni bis 6. Juli 2015 fand in Kanada die siebte Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen statt - zumeist nachts unter Ausschluß der Öffentlichkeit. In meinen Blogs habe ich versucht, gerade der männlichen Sichtweise den satirischen Spiegel vorzuhalten.



Blog I

Laßt uns wieder sachlich über Fußball reden.
Célia Okoyino da Mbabi.
Célia Okoyino da Mbabi. Mehrere Monate habe ich gebraucht, um mir das zu merken - den Namen der deutschen Vorzeigestürmerin. Jetzt kann ich ihn im Schlaf, er kommt mir locker vom Fuß, so locker wie eines ihrer vielen Tore bei der Eröffnungsschlacht gegen die Elefantinnen: Célia Okoyino da Mbabi.
Nur um zu erfahren, daß sie geheiratet hat und jetzt [Schaschitsch] heißt. - Gedankenstrich. Wie geht DAS denn? Wie kann man denn eine dermaßen wohlklingend hochmelodische Komposition von Selbst- und Mitlauten eintauschen gegen einen Namen, der wie Schaschlik klingt? Ist das die neue Art der Emanzipation, aus seinem, 'tschuldigung, ihrem Mädchennamen Hackfleisch zu machen? Respektive Schaschlik? Schlimmer wurde es nur noch, als ARD-Moderator Claus Lufen nach dem höchst unterhaltsamen Spiel Schweden-Nigeria (3:3) auf sexuelle Nötigung im afrikanischen Frauenfußball zu sprechen kam und Expertin Nia Künzer fragte, ob sie diese Erfahrung auch schon gemacht hätte. Ich bin vor Schreck aus dem Sessel gefallen und habe aus lauter Protest dreimal Célia Okoyino da Mbabi gerufen.

09-06-2015



Blog II
Laßt uns wieder sachlich über Fußball reden.
Ist Frauenfußfall eigentlich Männersache? Von Männern kommen nämlich immer rein sachliche Kommentare, wenn über Damen-, 'tschuldigung, Frauenfußball gelästert wird: es geht um Viererkette, Doppelsechs, Pressing, Tackling, stabile Mittelachse, Flügelspiel, Raumdeckung und Kondition. Um Taktik, Technik, Trikotwechsel, um nur einige Defizite zu nennen. Die Stadien bei der Frauenfußball-WM in Kanada sind jedoch nicht leer, weil Frauen das alles nicht können oder es keine Sau (und keinen Eber) interessiert, wenn hochgewachsene deutsche Damen gegen kleine Thailänderinnen spielen (...obwohl...), sondern weil die FIFA die Eintrittspreise in horrenden Höhen fixiert hat. Wenn das die gleiche FIFA wie bei den Herren ist, wie soll da was vernünftiges bei rauskommen?
Der Weltfußballverband macht noch weitere sinnvolle Anordnungen: alle Teams müssen sich einem Geschlechtstest unterziehen. Wohlgemerkt nur Frauenteams. Der Test sieht folgendermaßen aus: den Spieler(innen) wird ein Bild von Oliver Kahn oder wahlweise Ronaldo gezeigt. Werden intuitiv Bananen geworfen und affige Geräusche erzeugt, handelt es sich um Männer.
All die dümmlichen Hetzparolen, bengalischen Feuer und Gewaltexzesse, die man aus Fanblöcken rund um den Globus kennt und diesen Sport so schön machen, wird man bei einer Frauenfußball-WM vergeblich suchen. Soviel Friedfertigkeit kann sich auf Dauer unmöglich durchsetzen. Zuviel Gleichberechtigung ist auch nicht gut. Doch als ich träumte, Gender-Verbände forderten zukünftig eine Intersexuellenfußball-WM auszutragen, bin ich vor Schreck aus dem Sessel gefallen und habe schlaftrunken dreimal Célia Okoyino da Mbabi gerufen.

15-06-2015



Blog III

Kann man hier mal wieder sachlich über Fußball reden!?
Böse Leserbriefe haben mich stattdessen erreicht, mein Blog sei männerfeindlich. Und intersexuellenfeindlich. Letzteres weise ich strikt von mir. Natürlich gönne ich jedem Geschlecht und allen Mischformen seine/ihre eigene WM! Aber solange selbst Homosexualität im Sport geächtet wird und in Fußballstadien und Umkleidekabinen mit mentalen Scheiterhaufen einhergeht, sind wir meilenweit von der Normalität entfernt. Weitere Leserbriefe mahnen an, ich solle mehr über das Turnier in Kanada schreiben. Also... ähm... - das sind übrigens die häufigsten Worte in einer deutschen mündlichen Rede - also ähm, die Gruppenphase ist beendet, alle, wirklich ALLE Favoriten, 'tschuldigung, Favoritinnen sind ins Achtelfinale gekommen, was auch nicht weiter schwer war, da von 24 Teams in 36 Vorrundenspielen erst 8 ausgesiebt wurden. Diesen beknackten Modus können nur Männer entwickelt haben. Oder Fifa-Funktionäre. Also beides.
Im KO-System sehen wir uns dann wieder - auf dem Boden der Tatsachen. Das Silvias Mädels auf einen vermeintlich leichten Gruppendritten treffen, der Schweden heißt, ist ein Widerspruch in sich. Und um endlich mal was sportlich-sachliches zu schreiben: das hübscheste Team sind IMHO die Französinnen. Das wird wieder Leserbriefe hageln. Nachdem ich in meinem vorigen Blog das Wort "Thailänderinnen" verwendete und es anschließend gegoogelt habe, bin ich vor Schreck aus dem Sessel gefallen und habe aus lauter Protest dreimal Célia Okoyino da Mbabi gerufen.

19-06-2015



Blog IV

Laßt uns wieder sachlich über Fußball reden.
Wenn die Herren der Schöpfung spielen und die Kamera in Nahaufnahme auf einen Spieler zielt, wird innert fünf Sekunden auf den Rasen gerotzt. Als ob das Heranzoomen den männlichen Speichelfluß fördern würde. Die Damen der Schöpfung machen das nicht. Simone Laudehr hab ich in Nahaufnahme noch nie hinrotzen sehen. Da besteht eindeutig noch Nachflussbedarf.
Der Viertelfinalkrimi Deutschland-Frankreich hat die Erwartungen nicht erfüllt. Sondern bei weitem übertroffen! Was war das für eine hochklassige, rassige, zum Teil blutige Schlacht - in der die Französinnen in absolut jeder Beziehung besser aussahen. Aber irgendwie haben sich Silvias Mädels ins Spiel zurückgetankt und im Elfmeterschießen dank Angerers Knie gewonnen. Ausgeschieden ist damit das einzige Team, das eventuell den Übermächten Japan und USA hätte Paroli bieten können. Allez les bleues - ihr holt 2019 den Pott im eigenen Land! Doch als Simone Laudehr im unerwarteten Siegestaumel auf den Rasen gerotzt hat, bin ich vor Schreck aus dem Sessel gefallen und habe dreimal laut Célia Okoyino da Mbabi gerufen.

27-06-2015 (heute hat Celia [Schaschlik] Geburtstag!)



Blog V
Laßt uns wieder sachlich über Fußball reden.
Was bei Männer- und Frauen-WMs immer gleich ist: die Spiele mit Deutschland sind die spannendsten. Generell. Die deutschen Mädels machten im Halbfinal-Thriller jederzeit klar, daß sie ins Endspiel kommen können. Und die US-Mädels, daß sie ins Endspiel kommen WOLLEN. Das machte den Unterschied. Kommentator Bernd Schmelzer rief zwischendrin "Aufwachen, Freunde!" - hat er da etwa Männer auf dem Platz gesehen? Heißt es nicht "elf Freundinnen müßt ihr sein"? Als er später kundgab, daß "alle kräftig ausgeteilt hätten, Popp sowohl oben als auch unten", war er wieder ganz in der Spur.
Hope Solo - klingt das als Anrede nicht wie eine billige Anmache? (... ... ...kurz warten, bis das jeder verstanden hat...) - Hope Solo hat mir nicht den Schlaf geraubt. Hope Solo raubt aber vielen Männern den Schlaf, insbesondere dem eigenen, den sie gerne mal verprügelt, wie es in den USA Usus ist, wenn man mit einer Weltklasse-Torfrau verheiratet ist. Doch als Célia [Schaschitsch] ihren Elfmeter gegen Solo nicht erwartungsgemäß einnetzte, sondern haarscharf am Tor vorbeischoss, bin ich vor Schreck aus dem Sessel gefallen und habe dreimal laut Célia Okoyino da Mbabi!!! gerufen. Was auch sonst...?

01-07-2015



Blog VI

Laßt uns ein letztes Mal sachlich über Fußball reden.
Die Wahrheit ist: Männer können nicht sachlich über Frauenfußball reden. Schon vor der Niederlage gegen die Engländerinnen in der Verlängerung des verbissen geführten Spiels um Platz drei haben die Bundesligatrainer Silvia Neids taktische Spielvorbereitung kritisiert. Genauso gut könnten sie kritisieren, daß sie nicht einparken kann. Ich will damit sagen: Männer KÖNNEN Frauenfußball nicht sachlich beurteilen, dazu fehlt Ihnen das zweite X-Chromosom.
Wenn Männer Frauenteams trainieren (z.B. das englische), rennen deren Spielerinnen in der Nachspielzeit nicht zum gegnerischen Tor, um einzunetzen, sondern mit dem Ball zur Eckfahne, um Zeit zu schinden. Das ist eine der großen taktischen Errungenschaften seiner HERRlichkeit, das ist strategisch klug, und das ist einfach nur zum kotzen. Und wenn sich die Herrschaften noch so sehr über die furchterregende Chancenverwertung der deutschen Frauen echauffieren: Frauenfußball IST anders – und das ist gut so.
Es bleibt daher die Frage, wer 2015 Weltmeisterin wird – wieder die nüchternen Japanerinnen um Aya Miyama oder endlich die US-amerikanischen Alt-Amazonen um Abby Wambach? Nicht nur diese Frage lasse ich hiermit – sozusagen als Cliffhanger für die zweite Staffel – offen. Wird Silvia Neid ihre Mädels 2016 zum Olympiasieg führen? Wird Kim Kuligs Bienenkorbfrisur über das Stadiondach hinauswachsen? Wird Célia Okoyino da Mbabi nach der Scheidung wieder ihren wohlklingend hochmelodischen Mädchennamen annehmen? Wird mir das Schaschlik dann aus lauter Freude aus dem Sessel fallen?

06-07-2015